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iOS und die SD-Karten: Aller guten Dinge sind drei

Schon seit Jahren versuche ich immer wieder einmal, meine iOS-Geräte zur Bearbeitung meiner im Raw-Format aufgenommenen Fotos nutzbar zu machen, aber ich scheiterte jedes Mal bereits daran, die Dateien von den SD-Karten auszulesen – iOS und die SD-Karten! Jetzt klappt’s endlich!

Beim ersten Versuch besaß ich nur einen iPod touch. Apple bot damals ein Adapterkit an – einen SD-Kartenleser sowie einen USB-Adapter, die es leider nur in diesem Bundle gab. Das stellte sich dann aber als Fehlkauf heraus, denn wenn ich einen der beiden Adapter anschloss, erschein eine Meldung von iOS, dass er nicht unterstützt würde. Mit dem iPhone der gleichen Generation und mit der gleichen iOS-Version hätte es funktioniert, und ich habe nie verstanden, warum Apple dem iPod touch die Unterstützung versagt hat – reine Boshaftigkeit, vermute ich mal.

iOS und die SD-Karten: Aller guten Dinge sind drei
Weder Apples Adapter für den 30-poligen Anschluss noch der chinesische Adapter mit Lightning-Stecker führten zum Ziel.

Später legte ich mir dann ein iPad mini und schließlich ein iPhone zu, aber da nützten mir die Adapter nichts mehr – Apple hatte den 30-poligen Anschluss der älteren iOS-Geräte durch den Lightning-Anschluss ersetzt. Für meine Adapter wäre ein weiterer Adapter nötig gewesen, aber das Geld wollte ich Apple nicht auch noch in den Rachen werfen. Natürlich gab es neue SD-Karten- und USB-Adapter von Apple, dankenswerter auch einzeln statt zwangsweise gebundelt. Allerdings kostete nun ein einziger Adapter so viel wie vorher das Bundle. Ihr mich auch, Apple …

Ein chinesischer Adapter schien eine gute Alternative zu sein, bot er doch SD-Karten-Steckplatz und USB-Buchse in einem, noch dazu zum Spottpreis von einer Handvoll Euro. Es gab nur ein kleines Problem: Das Mistding funktionierte nicht. Überhaupt nicht. Aber was soll’s: Von einer chinesischen Hinterhofklitsche über’s Ohr gehauen zu werden kommt billiger als bei Apple.

Damit hatte ich vom Thema SD-Karten und iOS erst einmal die Nase voll. Jüngst aber bot sich die Möglichkeit, einen neuen SD-Karten-Adapter zu testen, den CR-8710 von PhotoFast. Mit rund 40 Euro ist er noch einmal ein Stück teurer als Apples Adapter (35 Euro), soll aber auch mehr können, sofern man die dazugehörige App „One“ installiert hat. Damit hat man dann den Zugriff auf alle mögliche Grafik- und Videoformate (beispielsweise auch PNG, TIFF, GIF, MOV, AVI und WMV, die Apple nicht unterstützt) und dazu noch auf andere Formate wie Office-Dokumente und PDF. Die Dateien lassen sich in den internen Speicher übertragen oder im Internet teilen; Grafik- und Videodokumente kann man auch in der App betrachten.

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Der SD-Karten-Adapter CR-8710 (rechts) benötigt die App „One“ (hier links auf dem iPad mini zu sehen), damit man auf die Inhalte von SD-Karten lesend und schreibend zugreifen kann. Auch Backups auf der Speicherkarte sind möglich.
iOS und die SD-Karten: Aller guten Dinge sind drei
Bilddateien auf einer Speicherkarte kann man im Internet veröffentlichen oder in den internen Speicher eines iOS-Geräts kopieren.

Die komprimierten Raw-Dateien der Fuji X-T2, die ich für den Test verwendete, unterstützte die App zwar nicht direkt, aber sie ließen sich in den Speicher des iPad mini kopieren – und darauf kam es mir vor allem an. Dort haben Raw-Konverter wie PhotoRaw und Lightroom Zugriff auf diese Dateien.

Bedenkt man, dass PhotoRaw nur einen einzigen Entwickler hat, sind die damit erzielbaren Ergebnisse beachtlich; mich störte allerdings, dass die Lichterrettung in überbelichteten Bildbereichen unbefriedigend blieb. Adobes Lightroom mobile hingegen liefert hier die Qualität, die ich von der Desktop-Version gewohnt bin, auch wenn man auf viele Regler und Features verzichten muss. Lightroom mobile ist auch nicht darauf beschränkt, die gewählten Entwicklungseinstellungen über die Cloud mit der Desktop-Anwendung zu synchronisieren, sondern kann die Raw-Daten auch auf dem iOS-Gerät entwickeln und im JPEG-Format sichern. Mit dieser Kombination von Hard- und Software kann ich also sinnvoll mit den Raw-Dateien arbeiten, auch wenn ich mein MacBook Air einmal nicht dabei habe.

iOS und die SD-Karten: Aller guten Dinge sind drei
Sind die Raw-Dateien erst einmal auf das iPad kopiert, kann man sie mit Lightroom mobile entwickeln.

Der Aufpreis von 5 Euro gegenüber Apples Adapter scheint sich insgesamt zu lohnen, denn der CR-8710 kann mehr und ist übrigens auch noch schneller, auch wenn man das nur bemerkt, wenn auch die SD-Karten hohe Geschwindigkeiten unterstützen. Aber angesichts meiner Sammlung nutzloser Adapter kommt es mir ohnehin nicht mehr auf den Preis an – Hauptsache, es funktioniert.

Michael J. Hußmann
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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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