Licht, Blende, Ausdruck: Was exzellente Porträts wirklich ausmacht
Wer Porträtfotografie auf höchstem Niveau betreiben will, kommt an fundiertem Praxiswissen nicht vorbei. Unser neues E-Book „Porträt-Fotografie“ liefert auf 100 Seiten genau das – und zeigt, warum Technik allein nie über die Qualität eines Porträts entscheidet.

Ein starkes Porträt entsteht nicht im Studio, sondern im Kopf. Wer versteht, wie Licht Gesichter modelliert, wie Brennweite Nähe oder Distanz erzeugt und wie der Fokuspunkt über Schärfe und Atmosphäre entscheidet, braucht weder eine Top-Profi-Kamera noch teures Studiozubehör, um Bilder mit Substanz zu schaffen. Genau dieses Wissen bündelt das E-Book „Porträt-Fotografie“. Ein Kompendium, das sich an Fotografen richtet, die mehr erwarten als Rezepte für gefällige Aufnahmen.
Porträtfotografie: Anspruch und Substanz

Porträtfotografie ist das kompromissloseste Genre der Fotografie. Kein anderes Motiv verzeiht technische Nachlässigkeit so wenig wie das menschliche Gesicht. Ein Hauch zu wenig Schärfentiefe, ein Licht, das mehr kaschiert als betont, eine Brennweite, die den Ausdruck verwässert – und das Bild verliert jede Wirkung. Gleichzeitig gibt es kaum ein Sujet, das so viel zurückgibt, wenn man es wirklich durchdrungen hat.
Das Sonderheft „Porträt-Fotografie“ nimmt diesen Anspruch ernst. Chefredakteur Markus Siek und sein Team haben auf 100 Seiten praxiserprobtes Wissen für Fortgeschrittene und ambitionierte Einsteiger versammelt, ohne die üblichen Vereinfachungen, die ambitionierten Fotografen mehr schaden als nützen. Im Mittelpunkt stehen nicht Geräte, sondern das Sehen und Verstehen.
Von klassisch bis kreativ: Licht als Sprache

Der Bogen, den das E-Book spannt, ist weit. Schon der Auftakt „Von klassisch bis kreativ“ zeigt, wie Blitzlicht, Dauerlicht und Tageslicht jeweils eigene Bildsprachen erzeugen. Nora Scholz, Sacha Leyendecker und Frank Jurisch geben Einblick in ihre Arbeitsweise – und liefern Antworten auf die Frage, warum die Wahl der Brennweite mehr ist als eine technische Entscheidung. Leyendecker bringt es auf den Punkt: „Während der Stilfindung sind Festbrennweiten von unschätzbarer Bedeutung, da sie den Fotografen zwingen, sich intensiv mit der Wirkung einer Brennweite auseinanderzusetzen.“
Wer wissen will, wie sich diese Prinzipien praktisch umsetzen lassen, findet in „Geniale Porträts“ das technische Fundament: Equipment-Auswahl, Lichtaufbau, fotografische Basics. Studiofotograf Andreas Bübl zeigt, warum vier Blitze für ein Beauty-Porträt kein Luxus, sondern präzise Bildarchitektur sind.
Natürliches Licht: Reduktion als Stärke

Das E-Book rückt das natürliche Licht ins Zentrum – nicht als Notlösung, sondern als eigenständige Bildsprache. Christina Key demonstriert, wie Fensterlicht mit einfachsten Mitteln zu ausdrucksstarken Innenporträts führt. Martin Krolop zeigt, wie der Lichttunnel im Freien bei bewölktem Himmel ein Licht erzeugt, das kein Kunstlicht-Setup replizieren kann. Und im Kapitel „Natürliche Porträts mit dem Reisezoom“ wird mit dem Mythos aufgeräumt, dass spektakuläre Porträts nur mit lichtstarken Festbrennweiten gelingen.
Nacht, Farbe, Experiment
Die Nachtfotografie erhält ein eigenes Kapitel: In einem Workshop in Londons Soho begleitet das Heft Canon-Profi Alastair Batchelor durch die nächtliche Stadt. Neonreklamen als Lichtquellen, offene Blenden, ISO-Disziplin – „Porträts in der Nacht“ zeigt, wie urbane Lichtstimmungen für glamouröse Aufnahmen genutzt werden, ohne dass ein einziger Blitz zum Einsatz kommt.
Wer die Kontrolle über das Licht auf die Spitze treiben will, findet in „Sinnliche Porträts im Heimstudio“ einen Einblick in ein Boudoir-Shooting mit Sebastian Nagel. Ralph Man demonstriert im Film-Noir-Kapitel, wie Dauerlicht mit Jalousien und Gobos harte, richtungsstarke Schatten erzeugt. „Bunte Schattenspiele“ erklärt, wie farbige Lichtquellen Porträts eine grafische Note geben.
Auch Kinderporträts kommen nicht zu kurz: Zwei Kapitel widmen sich den besonderen Anforderungen von Aufnahmen mit den jüngsten Modellen – von der richtigen Ausrüstung bis zu Praxis-Tricks, die auch mit Einsteigerkameras funktionieren.
Porträts wie Gemälde: Kiki Xue im Gespräch
Den stärksten Eindruck hinterlässt das Abschlusskapitel. Auf Seite 90 spricht der chinesische Mode- und Kunstfotograf Kiki Xue über seinen malerischen Stil, der Porträtfotografie und niederländische Barockmalerei auf eine Weise verbindet, die seine Bilder unverwechselbar macht. Xue arbeitet bevorzugt mit natürlichem Licht, greift bei Kunstlicht auf Dauerlicht zurück – „damit kein Blitz die Verbindung zu meinem Gegenüber stört“ – und fotografiert am liebsten mit einer Hasselblad. Was ihn antreibt, fasst er in wenigen Worten: „Fotografie braucht Zeit. Sie verlangt, dass man das Leben aufmerksam und ohne Eile wahrnimmt.“
Das ist keine Technikfrage, sondern eine Haltung – und sie zieht sich durch das gesamte E-Book.
Fazit
Wer Porträtfotografie ernst nimmt, findet in diesem E-Book keine schnellen Lösungen, sondern ein Fundament, auf dem sich eigene Bildsprachen entwickeln lassen. „Porträt-Fotografie“ ist als E-Book bei uns im Webshop für 14,90 erhältlich.






Schon das Titelbild und die weiteren hier abgebildeten Beispielfotos machen klar: Hier geht’s um das Fotografieren von professionellen Models – ’natürlich‘ junge Frauen, ‚hergerichtet‘ mit den ewiggleichen Makeups und Outfits.
Hinter den Kameras standen wohl ebenfalls Profis.
Mit diesem Setup scheinen die Macher dieses eBooks wie die meisten anderen Bücher zur Porträtfotografie in die gleiche Falle getreten zu sein. Sie sprechen von Porträtfotografie und meinen Modelling, Shooting, «Glamour».
Und dann wird einerseits die Bedeutung der Technik in der Porträtfotografie relativiert, wenn nicht sogar heruntergespielt nach dem Motto: Ein einfacher Volkswagen tut’s auch. Anderseits wird als Referenz ein Fotograf zitiert, der mit Hasselblad, einem Rolls Royce daherkommt.
Für wen ist dieses eBook wirklich?
Nimmt man es genau, sollte ein Porträt ja ein Bild eines Menschen sein, das dessen Persönlichkeit erkennen lässt. So ganz genau wurde das allerdings nie genommen, denn in der Kunstgeschichte finden sich eine Vielzahl von Porträts, die weniger die Persönlichkeit der Dargestellten zeigen als das Image, das diese von sich vermitteln wollten. Herrscherporträts sind in der Regel von dieser Art, und wenn nicht, dann um so schlimmer für den Künstler … Manche Auftraggeber von Porträts haben es geschafft, eine treffende Darstellung ihrer Persönlichkeit zu akzeptieren, so wie etwa Walther Rathenau, der sein von Edvard Munch gemaltes Porträt selbstironisch kommentierte: „Ein ekelhafter Kerl, nicht wahr? Das hat man davon, wenn man sich von einem großen Künstler malen läßt, da wird man ähnlicher, als man ist.“
Ein echtes Porträt ist etwas sehr Persönliches, und ein Fotograf muss damit rechnen, für seine besten Porträtfotos nicht die Genehmigung der Porträtierten zu bekommen, diese in einem Lehrbuch zu verwenden. Mal abgesehen von Fotos, die von vornherein für eine Veröffentlichung gedacht waren. Das führt dazu, dass man für Bücher wie dieses oft auf Aufnahmen zurückgreift, die zwar gestalterisch und technisch wie echte Porträts entstanden, aber streng genommen keine Porträts sind, sondern eher in die kunstgeschichtliche Kategorie der Tronies fallen (die sich zu Porträts etwa so verhalten wie Genrebilder zu Reportagefotos). Man arbeitet dann mit professionellen Models, und wenn dabei auch keine echten Porträts herauskommen, kann man so immerhin vorführen, was man den Lesern über die Planung, Gestaltung und Aufnahme von Porträts nahebringen will. Solche Bilder erfüllen also ihren Zweck. (Aber zugegeben: Gerade das Cover-Bild hat wirklich ziemlich wenig mit der Gattung „Porträt“ zu tun; dazu wirkt es zu generisch, so als hätte man einem Model jede Spur von Persönlichkeit austreiben wollen.)
Was die verwendete Kameratechnik betrifft, so sollte man deren Bedeutung tatsächlich nicht überschätzen. Ein Fotograf, der im Alltag mit einer Hasselblad arbeitet, wird auch für ein Tutorial dabei bleiben, schon weil er damit am vertrautesten ist. Es gibt aber nur sehr wenig, was mit einer Hasselblad möglich wäre, mit einer hundsgewöhnlichen Canon, Fuji, Nikon, OM System, Panasonic, Ricoh oder Sony jedoch nicht. Wenn Technik einen Unterschied macht, dann eher bei der Lichtsetzung, aber auch da ist das keine Preisfrage mehr, denn per Funk gesteuerte, entfesselt eingesetzte Blitze mit verschiedenen Lichtformern kosten längst nicht mehr die Welt.