Der programmierte Sündenfall: Warum die KI-Pornografie-Debatte um Grok ein Kampf um unsere Fantasie ist

Die Empörung war groß, als Grok begann, auf Zuruf Bilder zu liefern, die Menschen entkleidet zeigten. Doch die eigentliche Brisanz liegt nicht in der längst bekannten Tatsache, dass eine Maschine dies vermag. Die wirklich spannende Entwicklung ist die gesellschaftliche Reaktion darauf: der reflexhafte Griff zum „Pornografie“-Vorwurf, selbst bei Darstellungen, die nach klassischen Maßstäben schlicht als Akt oder gar als Urlaubsbild gelten würden. Diese moralische Panik ist weit mehr als nur eine Reaktion auf eine neue Technologie. Sie ist das Symptom eines tiefgreifenden Unbehagens und legt einen Kulturkampf offen, der nicht auf den Serverfarmen, sondern in unseren Köpfen ausgetragen wird: den Kampf um die Hoheit über den eigenen Körper im Zeitalter seiner unendlichen digitalen Reproduzierbarkeit.
Der moralische Panikknopf: Nacktheit als Vergehen
Es ist bezeichnend, mit welcher Geschwindigkeit der Begriff „Pornografie“ zur Allzweckwaffe in der Debatte wurde. Aber es ist nicht neu. Ich kann mich noch gut an einen Vater erinnern, der immer, wenn ich seiner pubertierenden Tochter die »Bravo« brachte – ja, vor 40 Jahren wurden viele Abos noch von Schülern ausgeliefert –, mich erbost anfuhr. „Da kommt ja schon wieder der Porno-Bote“.
„Pornografie“ ist ein schlagkräftiges Wort, das jede weitere Differenzierung im Keim erstickt und den Diskurs sofort auf eine moralische Ebene hebt, auf der es nur noch Täter und Opfer, Anstand und Verderbtheit zu geben scheint. Dabei wird übersehen, dass viele der beanstandeten Bilder in einem anderen Kontext – etwa dem einer Kunstgalerie oder einem Familienalbum – kaum Anstoß erregen würden. Und es wird völlig ausgeblendet, dass die Bewertung von Medien als „Pornografie“ immer die explizite Darstellung sexueller Handlungen voraussetzt.
Dieses Phänomen fällt in eine Zeit, in der der nackte Körper aus dem öffentlichen digitalen Raum zunehmend verbannt wird. Nach Jahrzehnten, in denen Werbung und Medien eine oft ermüdende Allgegenwart des Nackten zelebrierten, schlug das Pendel um. Die Algorithmen der großen Social-Media-Plattformen, getrieben von der Angst vor Werbekunden und puritanischen Eiferern, sanktionieren heute eine entblößte Brustwarze strenger als manche politische Hetze oder die Darstellung von Gewalt. In diesen sexualmoralisch klinisch reinen Imaginationsraum platzt nun die KI mit ihrer Fähigkeit, auf Wunsch jede erdenkliche Form von Nacktheit zu visualisieren. Der Aufschrei ist auch die Abwehrreaktion eines Systems, das seine mühsam errichteten digitalen Sittlichkeitsgrenzen bedroht sieht. Die KI begeht nicht nur einen Tabubruch, sie entlarvt die Künstlichkeit und Willkür der herrschenden Bildpolitik.
Die alte Kunst, sich jemanden nackt vorzustellen
Viel entscheidender ist jedoch ein Aspekt, der in der technikfokussierten Diskussion meist zu kurz kommt: Die Vorstellung, eine andere Person nackt zu sehen, ist keine Erfindung des digitalen Zeitalters. Sie ist eine menschliche Konstante – ein integraler Bestandteil von Fantasie, Begehren, Neugier und manchmal auch von Machtausübung. Seit jeher malen sich Menschen im geistigen Auge aus, was die Kleidung verbirgt. Dieser Akt der Imagination war bislang vor allem eine rein private, meist recht flüchtige Angelegenheit, die sich im nicht greifbaren Raum des Bewusstseins abspielte.
Die KI verändert hier die Spielregeln. Sie externalisiert diese innere Vorstellung. Sie macht aus einem flüchtigen, ein Worte gefassten Gedanken ein persistentes, teilbares, digitales Artefakt. Der eigentliche Übergriff liegt nicht mehr in der Fantasie selbst, sondern in ihrer Materialisierung und der potenziellen Konfrontation der betroffenen Person mit dieser materialisierten Fantasie. Wenn jemand ein KI-Bild anfertigt, das den Kollegen oder die Nachbarin entkleidet zeigt, ist das Problem nicht der Gedanke, sondern der digitale Beweis. Es ist die Umwandlung einer privaten Vorstellung in eine öffentliche Demütigung, die die eigentliche Verletzung darstellt. Die Technologie dient als Brücke von der nicht justiziablen Fantasie zur potenziell strafbaren Handlung.
Die verlorene Kontrolle über das eigene Abbild
Letztlich wurzelt die Panik in einem tiefen Gefühl des Kontrollverlusts. In einer Welt, in der unser digitales Abbild – durch Profilfotos, Social-Media-Posts und unzählige andere Datenpunkte – allgegenwärtig ist, war die physische Integrität unseres Körpers die letzte Bastion. Die Kleidung war die Grenze. Die KI reißt diese Grenze ein, indem sie zeigt, dass aus wenigen öffentlich zugänglichen Bildinformationen eine plausible Darstellung des Darunterliegenden errechnet werden kann.
Die moralische Empörung ist somit auch ein verzweifelter Versuch, die Kontrolle über das eigene Bild zurückzugewinnen, indem man die Werkzeuge, die diesen Kontrollverlust ermöglichen, gesellschaftlich ächtet.
Es geht weniger darum, die Welt vor dem Anblick von Nacktheit zu schützen, als vielmehr darum, das Individuum vor der ungewollten visuellen Enteignung seines Körpers zu bewahren. Die Debatte um KI-Nacktheit ist daher keine reine Technik- oder Ethikdebatte. Sie ist eine zutiefst politische Auseinandersetzung darüber, wem Bilder von uns gehören und wer das Recht hat, sie zu verändern, zu interpretieren und neu zusammenzusetzen. Für uns als Bildschaffende stellt sich damit die Frage nach der Verantwortung nicht erst beim fertigen Bild, sondern bereits beim formulierten Prompt – dem Moment, in dem die Fantasie zur Anweisung wird.






KI oder AI benutze ich zurzeit nur auf kostenloser Basis. Das hat den Hintergrund, dass ich den Stil wissen will, in dem die KI rechnet. Aber und hier ein großes Aber, ich muss seit langem diskutieren, warum ich als Künstler nackte Menschen dastellen will. Mit anderen Worten, wenn ich ein Programm kaufe oder eben dafür bezahle, habe ich eventuell die Möglichkeiten, Bilder zu kreieren, wie sie im Artikel beschrieben sind. Bis jetzt suche ich noch eine KI, mit der ich passende Bilder und Videos erstellen kann. Denn der Stil ist eine Facette des Aspekts und genau die Diskussion, warum wir Nacktheit verteufeln, während der Olympischen Spiele waren die Sportler nackt, um zu zeigen, dass sie nicht betrügen. Dass nichts da ist, was verfälscht, einen Vorteil verschafft. Das mit den Pornos ist ein Phänomen der heutigen jungen Generation, wenn der Rückschluss erlaubt ist, würde ich denen unterstellen, die haben nur noch Pornos und Betrug im Kopf, was ziemlich wenig wäre. Über die Grenze zwischen Akt und Porno zu diskutieren würde Sinn machen, aber davon sind wir leider zurzeit weit entfernt, sehr weit. Mich würde es freuen, wenn esthetische Aktbilder wieder mehr gezeigt würden, damit es einen Gegenpol zur Pornodiskussion geben kann.
Eine weitere, überzeugende, fundierte Analyse eines Phänomens, über das sich jeder Bildschaffende Gedanken machen sollte. Christoph Künnes Beiträge gehören zu den besten weit und breit.
Gut argumentiert und volle Zustimmung. Es kommt ein weiterer Aspekt hinzu, dass nämlich Übergriffe sofort juristisch verfolgt werden sollen. Früher hätte die Reaktion darauf so ausgesehen, dass Frauen sich geärgert oder solche Männer als Blödmann bezeichnet hätten – heute gibt es einen viertelseitigen Zeitungsartikel darüber, wenn in einer dicjh gedrängten Straßenbahn ein Mann einem Mädchen die Hand auf den Hintern gelegt haben soll. Ist diese Handlung richtig? Nein, da von der Betroffenen unerwünscht.
In meiner Jugendzeit haben es Frauen doer Mädchen eher als Kompliment genommen, wenn Bauarbeiter hinter ihnen her gepfiffen haben. Es muss akzeptiert werden, dass sich soziale Normen ändern und Frauen das heute als Belästigung empfinden. Dennoch erscheint es mir übertrieben, dass in solchen Fällen sofort der Apparat von Ermittlungsbehörden uind Gerichten in Gang gesetzt wird. Verletztheit und Opfer-Status sind keine „objektiven“ Kategorien, sondern werden durch ds gesellschaftliche Umfeld determiniert. Zu sagen, dies sei übertrieben und jenes zu schwach ausgeprägt, führt ohne ein Bezugssystem nicht weiter, das aber nicht richtig doer falsch ist, sondern nur eben zum aktuellen Zeitpunkt in bestimmten gesellschaftlichen Gruppen gültig.
Heute gilt das, was vor 50 Jahren gültig war, als falsch. Wäre das eine gut begründete Sichtweise, müssten die aktuellen Normen aber ebenfalls in Frage gestellt werden, da es sein kann, dass sie ihrerseits in 50 Jahren als falsch bezeichnet werden.
Die Diskussion allgemein Porno (nein) Akt (vielleicht) vollständig bekleidet (meistens ja) geht für mich am eigentlichen Thema vorbei.
Unter „eigentlichem Thema“ verstehe ich die Beziehungen der beteiligten Personen an dem Bild.
Ein Pornodarsteller oder Pornofilmer/-Produzent wird das in Ordnung finden, dass seine Pornos gesehen werden – wenn dafür gezahlt wird.
Ein Freund findet das eher weniger gut, wenn eine Freundin Bilder von ihm ungefragt in Form eines Pornos veröffentlicht.
Und das gilt für jedes Genre, bei dem Menschen dargestellt werden. Es ist nicht entscheidend, ob die dargestellten Menschen Kleidung tragen oder nicht – DSGVO lässt grüßen.
Mit Nacktheit habe ich kein Problem – ich dusche nackt (ohne Publikum) und bin auch mal nackt in der Sauna (mit Publikum) – für mich ist das kein Problem, möchte aber weder beim Duschen noch beim Saunabesuch fotografiert oder gefilmt werden.
So geht es vermutlich vielen Menschen.
Darstellung von mir in einem Porno zum Beispiel mit Hilfe einer KI lehne ich ab.
Auch das werden viele so handhaben.
Sollte jemand in einem KI-generierten Foto oder Film zu erkennen sein, zieht meiner Meinung nach die DSGVO. Statt dem Fotografen wäre es der Auftraggebers, wenn man diesen nicht greifen kann derjenige, der Foto/Video veröffentlicht.
Sollte KI nackte Menschen darstellen können?
Warum sollte sie das nicht können dürfen? Sollten reale Personen erkennbar sein, muss ehe deren Einverständnis eingeholt werden (egal ob nackt oder nicht).
Werden nicht reale Personen abgebildet, geht es „nur noch“ darum, ob und wie diese Bilder/Videos veröffentlicht werden.
Die dargestellte Person ist nicht nur bei Pornos schon über die DSGVO gut geschützt.
Es geht eher um den Jungendschutz, also die Personen, die Bilder/Videos konsumieren.
Auch das ist schon ziemlich umfangreich geregelt, z. B. mit den FSK-Angaben zu Kinofilmen.
Problem könnte noch sein, dass der Fotograf Aktbilder auf seiner Webseite veröffentlicht, die besorgte Eltern für Pornos oder zumindest für zu viel nackte Haut zeigend einschätzen.
Solange es sich nicht tatsächlich um pornografisches Material handelt, ist das eine Sache der Fürsorgepflicht der Eltern = wenn die das als jugendgefährdend ansehen, sollten sie ihrem Kind den Zugang dazu verwehren. Spätestens bei Jugendlichen (die sind digital meist versierter als deren Eltern) wird das für die Eltern ein Problem sein – aber ich halte das für ein Problem des Sorgeberechtigten, nicht des Fotografen.
Denkbar wäre, dass grundsätzlich die Darstellung unbekleideter Personen verboten ist. Davon rate ich dringend ab. Einerseits führen Verbote zu erhöhter Nachfrage (und entsprechender Umgehungsmöglichkeiten), andererseits halte ich es für falsch, allen das eigene moralische Empfinden vorzuschreiben und z. B. griechische Statuen (unbekleidet) aus den Museen und damit dem Gedächtnis zu entfernen.
Erinnert ein wenig an die Prohibition in den USA oder die Bücherverbrennung bei uns.
Hat sich im Nachhinein (vorhersehbar) als wenig glücklich für alle Beteiligten herausgestellt.
Darstellungen von Menschen, auch unbekleidet oder pornografisch, gibt es schon lange (Altertum). Ebenso lange gehen wir schon damit um. Mit Pinsel und Leinwand, Kamera oder KI ändert sich das Werkzeug – mehr ist es eigentlich nicht.