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Adobe, Abo, Kündigungsgebühren: Wie eine Millionenstrafe und ein Kurssturz die Branche aufwecken

Wer dachte, die größte Gefahr für die Kreativwirtschaft lauere in der nächsten KI-Welle, hat die Tücken des Kleingedruckten unterschätzt. Adobes Aktienkurs hat seit Sommer 2023 fast die Hälfte seines Werts verloren. Ganz sicher wegen technischer Rückständigkeit. Aber es tragen auch Kleinigkeiten wie eine 150-Millionen-Dollar-Zahlung für versteckte Kündigungsgebühren mit zum Vertrauensverlust bei. Ein Lehrstück für alle, die glauben, dass Kundenbindung und Transparenz sich ausschließen.

Die Abo-Falle schnappt zu

Adobe, einst gefeiert als Wegbereiter der Abo-Ökonomie, hat es geschafft, das Versprechen der kreativen Freiheit in einen goldenen Käfig zu verwandeln. Wer sich für das beliebte „annual paid monthly“-Abo entschied, fand sich bei vorzeitiger Kündigung mit einer saftigen Gebühr konfrontiert: 50 Prozent der Restlaufzeit, versteckt hinter Hyperlinks und Symbolen. Der Kündigungsprozess selbst glich einer Geduldsprobe, bei der Klickstrecken, Rückrufe und Service-Hürden den Weg in die Freiheit pflasterten. Das ist sicher keine Adobe-Spezialität mehr, aber die US-Behörden fanden das weniger inspirierend. Im Juni 2024 reichten FTC und Justizministerium Klage ein – nicht nur gegen Adobe, sondern auch gegen zwei Führungskräfte. Der Vorwurf: Verstöße gegen das Verbraucherschutzgesetz ROSCA, das seit 2010 eigentlich Transparenz und einfache Kündigung bei Online-Abos vorschreibt.

Millionenstrafe statt Kreativbonus

Im März 2026 dann der Showdown: Adobe einigt sich auf einen Vergleich über satte 150 Millionen Dollar – davon 75 Millionen als Strafe an die US-Regierung, weitere 75 Millionen als Entschädigung in Form von Gratis-Diensten für betroffene Kunden. Die Auflagen sind eindeutig: Künftig muss Adobe die Kündigungsgebühr klar und deutlich vor Vertragsabschluss offenlegen, bei Testphasen rechtzeitig warnen und den Ausstieg aus dem Abo so einfach machen, wie es das Gesetz verlangt. Die Zeiten, in denen man sich durch ein Labyrinth aus Klicks und Service-Hotlines kämpfen musste, sollen damit vorbei sein.

Die Aktie als Seismograph des Vertrauens

Während Juristen noch über die Feinheiten des Vergleichs diskutierten, sprach die Börse eine deutlichere Sprache. Im Juni 2023, als die ersten FTC-Ermittlungen begannen, notierte die Adobe-Aktie bei rund 480 Dollar. Nach einem kurzen Höhenflug auf 560 Dollar im Dezember 2023 – befeuert von starken Quartalszahlen – folgte der Absturz: 410 Dollar im Sommer 2024 nach der Klageeinreichung, 340 Dollar Anfang 2025 und schließlich 249 Dollar im März 2026. Fast 50 Prozent Wertverlust in weniger als drei Jahren.

Analysten nennen die Rechtsstreitigkeiten und die Unsicherheit über künftige Abo-Modelle als Hauptgrund für die schlechte Stimmung. Die Börse ist eben kein Ort für Geduldsspiele – und schon gar nicht für undurchsichtige Gebührenmodelle.

Was bleibt für die Branche?

Die Ironie dieser Geschichte: Während Adobe mit Millionenstrafen kämpft, bleibt die Kreativität der Nutzer das Einzige, was sich wirklich nicht kündigen lässt. Die Abo-Falle, einst als Fortschritt gefeiert, ist zum Symbol einer Zeit geworden, in der Transparenz zur Nebensache und Kundenbindung zur Kunstform erhoben wurde. Wer glaubt, dass sich Nutzer dauerhaft mit Hürden und Gebühren binden lassen, hat die Dynamik der digitalen Welt unterschätzt.

Für Profis in Fotografie und Bildbearbeitung ist das ein Weckruf: Wer sich auf die Bequemlichkeit des Immer-Alles-Verfügbar verlässt, sollte das Kleingedruckte nicht nur lesen, sondern auch verstehen.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

2 Kommentare

  1. Braucht ja nicht kommentiert zu werden. Mir stellt sich die Frage, wo die nationalen und europäischen Konsumentenschützer waren und sind, als Adobe vor einigen Jahren nach eigener Behauptung die CS6-Server außer Betrieb nahmen. Damit war es auf einem Schlag nicht mehr nöglich nach einem PC-Tausch ein CS6-Programm zu aktivieren. Die Krücke mit der Offlineaktivierung war nur eine kurzzeitige und benutzerunfreundliche Lösung, denn trotz der Behauptung es wären die CS6-Server abgeschaltet erhielt man früher oder später die lapidare Mitteilung, dass die Anzahl der erlaubten Aktivierungen sind. Da ich beispielsweise einen PC dann tausche wenn das Motherboard defekt ist, kann ich und vermutlich unzählig viele andere eine Deaktivierung des Programms nicht durchführen. Ist nämlich ein PC so defekt, dass er nicht mehr bootet, kann man das CS6-Programm nicht mehr starten und damit nicht deaktivieren.
    So viel zum Kauf einer zeitlich unbegrenzten Softwarelizenz von Adobe.
    Übrigens: Selbst mit neuerster Hardware inklusive Grafikkarte und Windows 11 25H funktioniert sogar Photoshop CS5 noch einwandfrei. Mit dem feinen Unterschied, dass für CS5 die Eingabe der Seriennummer der gekauften Lizenz ausreicht. Da CS6 ein paar Jahre jünger als CS5 ist braucht man nicht zu befürchten, dass CS6 nicht noch ein paar Jahre einwandfrei funktionieren wird. Es ist nur dafür zu sorgen, dass man jeden Zugriff der Software auf Adobeserver genausten verhindert, also auch, dass die Software von sich aus keine Verbindung mit Adobe herstellen kann. Ist das verhindert muss man auch nicht befürchten, dass Adobe Manipulationen an den Programmen vornehmen kann! Also für alle Adobe-Programme bis CS6 jeden Interzugriff komplett sperren nud verhindern. Dann werden alte Programme bis CS6 so lange einwandfrei funktionieren, bis die technische Entwicklung von PCs oder Windows dies in Zukunft unmöglich machen. Doch das ist üblich und kann sehr lange dauern. Alte Programme sind üblicherweise nicht so überfrachtet wie neue Versionen und wenn sie ihren Zweck erfüllen können sie auch noch nach 20 oder 25 Jahren verwendet werden. Es ist allerdings ratsam, auch bei solchen Programmen eine Internetverbindung zu verhindern. Solche Programme sind jedoch ohnehin nicht auf Internetbetrieb getrimmt.
    Was man von intenetbasierten Programmen hat sieht man ja bei Adobe-Programmen, bei anderen Bildbearbeitungsprorammen mit Abo und allem was einen nur mit einer Cloud glücklich machen soll.
    Um es klarzustellen: Nur was man lokal zur Verfügung hat kann man jederzeit auch verwenden.

  2. Nunja: gerade bei derartig ober-sau-teuren Progs, wie die letzten kaufbaren PS-Versionen es waren, ist ein Abopreis von ca. 20€ (derzeit) mit sehr viel weniger Zugriffs-Hemmnissen verbunden. Selbst die Upgradekosten damals waren höher als die Abosumme für ein Jahr jetzt. OK,

    Photoshop gehört seit jeher zu den am häufigsten geknackten und eifrig benutzen Programmen. Aber wenn es 2500-3000 Mark (damals) kostet… da ist der Weg in die Illegalität schnell und relativ leichten Herzens überschritten!

    Nach oft gehörter/gelesener Meinung ist PS (u.a.. auch) deshalb DER Bildbearbeitungs-Standard geworden, WEIL es so teuer und deswegen serienmäßig geknackt UND eifrigst verwendet wurde! Als die Schlümpfe dann berufsmäßig mit PS zu tun bekamen (dann mit legalen Versionen der Firma, die sie angestellt hat), kannten sie PS schon aus dem Effeff – gut für die Arbeitgeber: Trainingskosten gegen NULL. Gut für Adobe: Industriestandard…

    Aber wenn das Dingens schon immer nur 20 Piepen pro Monat gekostet hätte????? Wer versucht dann noch, immer eine aktuelle, neu geknackte Version zu ergattern, die zudem bei jedem Update/Upgrade gegen eine neue geknackte Version ausgetauscht werden mußte.. Inkl. sich damit Malware usw.usw.usw.usw.usw.usw.- Gefahren aussetzen zu müssen.

    Sicherlich (zumindest gut möglich) wäre PS auch so DER Standard geworden – aber eben mit sehr viel mehr Ehrlichkeit seitens der Nutzer. Damals mußten eben die paar Ehrlichen das Knacken der anderen mit bezahlen, wie die Leute im 20. Stockwerk die Heizungskosten für die im Erdgeschoß mit bezahlen müssen, weil im EG das heißeste Heizungswasser quasi gratis durch die schlecht gedämmten Heizungsrohre strömt, die Zimmer heizt und die Leute ganz oben im Haus das kälteste Wasser abbekommen und somit die Heizung bei ihnen nahezu permanent Lauf „5“ laufen muß… Wenn ALLE Rohre gleich gut gedämmt wären, wäre die Kostenverteilung gerechter.

    Also, ich sehe das mit dem PS-Abo nicht sooo fundamental und negativ. Man muß eben sehen, wie häufig man so ein Abo-Proggi selber benutzt. Wenn die lebenslang-Lizenz aber nur das 2- bis 2,5fache der Jahresabo-Summe ausmacht, würde ich immer die Lebenslang-Lizenz bevorzugen – denn die wird nicht teurer, die fürs Abo allerdings. Anderes Beispiel: Batterien und Akkus. Ne Batterie kostet nur einmal etwas, der Akku wird mit jeder neuen Aufladung stets immer teurer, durch das Ladegerät und die Auflade-Stromkosten. Ergo: stets nur Batterien benutzen.

    …und wer deswegen nun Schnappatmung bekommen hat, von wegens der Umwelt und so: ICH fahre weder Auto noch benutze ich Flugzeuge, noch fröne ich einer Tabak-Sucht, da kann ich mir ja wohl Ne Batterie ab und zu leisten. Und stehe als „Umwelt-Sau“ immer noch WEITWEITWEIT hinter autofahrenden und/oder fliegenden Quarzern zurück!

    So.
    Ich habe fertig.

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