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Adobe am Scheideweg? Warum viele Profis jetzt das Abo kündigen – und was das für die Zukunft der Bildbearbeitung bedeutet

Adobe im Jahre 2026: Was einst als günstiges Einsteigerpaket für Fotografen für 9,99 Euro im Monat begann, kostet inzwischen 23,79 Euro. Allerdings gibt es offiziell nur noch die Variante mit einem Terabyte Cloud-Speicher, denn die 20-GB-Variante ist für Neukunden seit 2025 Geschichte. Wer das Komplettpaket aller Adobe-Programme benötigt, zahlt mittlerweile stolze 77,99 Euro monatlich. Alles nur eine Anpassung an die Preisentwicklung, die Kreative in fast allen Bereichen – außer beim Honorar – erleben? Vielleicht. Aber auch die Zeiten, in denen Adobe als unverzichtbares Werkzeug galt, sind vorbei. Immer mehr Profis fragen sich auch hierzulande: Ist die Creative Cloud noch zeitgemäß? Und vor allem: Gibt es Alternativen, die nicht nur günstiger sind, sondern auch in mancher Hinsicht respektvoller mit den eigenen Kunden umgehen? Selbst wenn man dabei auf Funktionen verzichten muss.

Vom Werkzeug zum Klotz am Bein

Adobe war lange das Maß aller Dinge. Photoshop und Lightroom galten als Synonyme für professionelle Bildbearbeitung. Doch mit der Umstellung auf das Abo-Modell begann für viele die Entfremdung. Die Preisspirale dreht sich immer schneller, während die Innovationen oft an den Bedürfnissen der Profis vorbeigehen und eher Einsteiger adressieren. Die gescheiterte Übernahme von Figma für 20 Milliarden Dollar steht sinnbildlich für einen Konzern, der lieber kauft als erneuert – so ein verbreiteter Vorwurf aus der IT-Welt.

Während Adobe mit KI-Funktionen wie „Generative Fill“ und „Firefly“ wirbt, bleibt die Performance von Lightroom und Photoshop für viele Berufsanwender ein Ärgernis. Die Programme wirken inzwischen schwerfällig, Kataloge wachsen zu Datenmonstern, und die versprochenen Produktivitätsgewinne bleiben oft aus. Die eigentlichen Wünsche: Geschwindigkeit, Stabilität, ein reibungsloser Workflow, werden von Marketing-Features überlagert, die vor allem Hobbyisten beeindrucken sollen.

Vertrauenskrise durch neue Nutzungsbedingungen

Im 2024 sorgte Adobe mit einer Aktualisierung der Nutzungsbedingungen für einen Sturm der Entrüstung. Die Formulierungen waren so vage, dass viele Nutzer befürchteten, Adobe könne sämtliche Inhalte aus der Creative Cloud für das Training eigener KI-Modelle verwenden. Erst nach massiver Kritik ruderte das Unternehmen zurück und stellte klar: Nur Inhalte, die explizit bei Adobe Stock eingereicht werden, dürfen für KI-Zwecke genutzt werden. Für alle anderen Daten gilt: Kein Zugriff für KI-Training. Doch der Imageschaden war angerichtet. Die Episode zeigte, wie schnell Vertrauen verspielt ist – und wie sensibel Profis auf Eingriffe in ihre Urheberrechte reagieren.

Die Alternativen: Vielfalt statt Monopol?

Was früher wie ein Sprung ins kalte Wasser wirkte, ist heute eher ein Spaziergang durch einen bunten Software-Garten. Capture One überzeugt mit exzellenter Farbwiedergabe und Tethering, DxO PhotoLab glänzt mit DeepPRIME-Rauschminderung, ON1 Photo RAW bietet leistungsfähige Werkzeuge ohne Abo-Zwang. Besonders bemerkenswert: Affinity Photo ist seit der Übernahme durch Canva im Oktober 2025 für alle Nutzer kostenlos verfügbar, nur fortgeschrittene KI-Funktionen sind Canva-Pro-Abonnenten vorbehalten. Dasselbe gilt für die Erweiterung von DaVinci für Fotografen. Die Kernfunktionen stehen jedem offen, was den Wechsel für viele erleichtert.

Der Umstieg ist natürlich nicht ohne Hürden. Bestehende Archive lassen sich nicht reibungslos migrieren, und neue Tastenkombinationen wollen gelernt sein. Doch die Angst vor dem Neuen ist kleiner geworden. Die Werkzeuge sind gereift, die Community ist hilfsbereit, und die Vielfalt sorgt dafür, dass jeder das Passende findet. Sowohl für den schnellen Job oder das große Kunstprojekt.

Von der Abo-Müdigkeit zur neuen Souveränität

Die Zeit der Monokultur ist wie es scheint vorbei, Adobe nicht mehr das alleinige Maß aller Dinge, sondern nur noch eine Option unter mehreren. Junge Fotografen steigen oft gar nicht mehr bei Adobe ein, sondern wählen frei aus dem wachsenden Angebot. Die alten Hasen entdecken, dass es jenseits der Komfortzone noch ein Leben gibt und vielleicht sogar mehr Freude an der Arbeit. Die Kritik an Adobe ist berechtigt: Die Preispolitik wirkt wie ein Relikt aus Zeiten, in denen Alternativen fehlten. Die technische Entwicklung orientiert sich mehr an Marketing als an den Bedürfnissen der Profis. Und die AGB-Posse hat gezeigt, wie schnell Vertrauen verloren gehen kann.

Vielleicht ist genau das die Chance: Dass aus der Krise eine neue Vielfalt entsteht, in der Kreative wieder selbst bestimmen, womit sie arbeiten – und warum. Wer heute kündigt, tut das oft nicht aus Trotz, sondern aus Hoffnung: auf bessere Software, mehr Respekt und eine Zukunft, in der das Werkzeug wieder dem Menschen dient und nicht umgekehrt. Auf Besserung bei Adobe ist aber vermutlich erst zu hoffen, wenn die operativen Zahlen spürbarer sinken. Davon ist nicht viel zu sehen. Foto-Profis sind halt nur ein eher Teil des Marktes. Dass für Adobe nicht alles zum besten steht, ist an dem länger schon niedrigen, aber naturgemäß eher das Potenzial in Zukunft bewertenden Preis der Adobe-Aktie an der Börse abzulesen.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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