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Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzen

Strada in Islanda: Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzen

Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzen

Freie Arbeiten mit Fotografie und Photoshop auszuarbeiten, ist ein äußerst kreatives und anspruchsvolles Hobby. Doch für viele Bildbearbeiter und kreative Köpfe ist das Gestalten von aussagekräftigen Motiven mehr als eine schöne Freizeitbeschäftigung: Es dient ihrem Lebensunterhalt. Wie eine Auftragsarbeit für einen Agenturkunden abläuft und warum Farbverbindlichkeit dabei eine entscheidende Rolle spielt, zeige ich Ihnen in diesem Bericht.

Unter Kreativen duzt man sich: „Hallo Uli, wir benötigen ein weiteres Motiv für unseren Kunden RUWE“. Kurz und schnörkellos, wie es sich für eine anspruchsvolle Agentur gehört, ist die Anfrage per E-Mail zu diesem Auftrag. ­ZEPTER & KRONE ist eine Full-Service-Werbeagentur aus dem Berliner Westend. Auf ihrer Kundenliste stehen zahlreiche Markennamen, die jeder kennt. Der Sitz der Denkschmiede in einer alten Stadtvilla flößt Respekt ein, doch sobald man sich mit Creative ­Director Jan Unger unterhält, wird klar, dass hier kein Platz für Agentur-Chichi ist. Stattdessen steht hier ein umwerfend geniales Artwork im Vordergrund, für das sowohl die Agentur als auch der Digital Artist hart arbeiten wollen. Oder, wie Jan es ausdrücken würde: Ein übergutes Motiv soll es werden.

Die Idee
Am Anfang einer Kampagne steht immer eine Idee. Und die sollte brillant sein. In diesem Fall ist der Kunde der Agentur der Berliner Stadtreinigungs- und Gebäudeservice RUWE, für den ein winterliches Imagemotiv gestaltet werden soll: „Seht her, was wir können!“ Aus dem vielfältigen Leistungsspektrum der Firma hat ZEPTER & KRONE – der Jahreszeit angemessen – den Winterdienst an­visiert. Für die Agentur bedeutet das zunächst, eine Idee nach der anderen zu generieren, zu vergleichen, abzuwägen und zu bewerten. Denn das Ergebnis muss zum Kundenprofil passen, der Agentur gefallen und natürlich bezahlbar sein. Zum Schluss steht dann, wie in diesem Fall, eine Idee auf dem Papier, die so charmant simpel und doch so durchschlagend ist, dass man sich nur fragen kann, warum einem das nicht zuallererst eingefallen ist. Einfachheit zu erreichen, ist manchmal eben ganz schön aufwendig.

Die Umsetzung
Wie sieht nun die Arbeit für den Digital Artist aus? Welche Leistungen muss er erbringen, und was wird von ihm erwartet?
Wer Ideen umsetzen möchte, muss zunächst einmal die Idee nachvollziehen können, ihre Stärken und eventuellen Schwachpunkte erkennen. Mitdenken kommt vor Mitreden. Es geht beim Ausarbeiten aufwendiger Werbemotive eigentlich nie darum, möglichst genau an die Vorgaben der Agentur heranzukommen, sondern immer um ein bestmögliches Gesamtergebnis. Lediglich die Farbwelt und hier ganz besonders das RUWE-Orange als Schlüsselfarbe (key color) sollte auf den Punkt genau dargestellt werden, denn schon geringe Änderungen der Farbsättigung lassen das Motiv entweder saftlos-mau oder – fast noch schlimmer – kitschig-süß erscheinen. Der Digital Artist ist also gut beraten, nicht am Monitor zu sparen und diesen obendrein regelmäßig zu kalibrieren. Wer einen hohen Anspruch an seine Arbeit hat, braucht eben gutes Werkzeug. Nach und nach entsteht aus der Agenturskizze eine neue Version des Motivs, die alle wesentlichen Elemente der Skizze enthält, jedoch die Bildsprache und den Stil des Digital Artists in Grundzügen bereits erahnen lässt. Der aus diesem Prozess resultierende neue Entwurf enthält zwar nur angedeutete Details, lässt aber Perspektive, Farbe und Bildwirkung schon grob erkennen. Auch das Licht, das maßgeblichen Anteil an der Bildstimmung hat, wird umgebaut und in Form eines düsteren Winterwolkenhimmels sichtbar. Soll die Sonne durch eine Wolkenlücke scheinen? Brauchen wir mehr Schneegestöber oder müssen wir den Hintergrund noch umgestalten, um den Fokus mehr auf Berlin zu legen? Kann die Perspektive es schaffen, genügend Power auf den Schneeschieber zu bringen?

Nach einer erneuten Abstimmungsrunde mit der Agentur steht die Marschrichtung fest und es kann an die Ausarbeitung der vielen Details gehen. Dazu gehört zunächst, die erforderlichen Bilder in hoher Auflösung zu beschaffen und zu einem Gesamteindruck zu verschmelzen. Während die Agentur in der weiteren Zusammenarbeit stets die Perspektive ihres Kunden im Blick haben muss, feilt der Digital Artist an seiner Version der Vision. Deshalb ist ein tolles Finalmotiv immer das Ergebnis einer fruchtbaren Zusammenarbeit, nie ausschließlich eine technisch korrekte Umsetzung der Agenturvor­gaben. Getreu einem der Glaubenssätze von ZEPTER & KRONE: „Wer immer folgt, führt nie“.

001: Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzenDer Entwurf
Der Entwurf von ZEPTER & KRONE besteht aus zwei fixen Säulen, auf die aufgebaut werden kann.
Die eine ist die Idee, die transportiert werden soll. Sie ist klar erkennbar, jedoch nur anskizziert, benötigt also eine packende, realistischere Perspektive, und vor allem eine Farbwelt, die zum winterlichen Thema passt.
Die zweite Säule besteht aus der Vorgabe des Hochformats samt Störer, beides ist definitiv festgelegt, da es zu anderen Produktionen passen muss.

 

002: Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzenEntwurf überarbeiten
Beginnen wir also mit der Überarbeitung des Motivs. Die Perspektive muss dramatischer und kraftvoller wirken, ungefähr so, als sei das gesamte Motiv mit einer Brennweite von 24 mm fotografiert worden. Der Hintergrund muss stark „berlinisiert“ werden, aber dennoch fiktiv bleiben, er wird also aus einzelnen für Berlin typischen Gebäuden zusammengebaut. Orange (Pantone 1505) ist die Hausfarbe von RUWE, aus der sich mithilfe eines winterlich-dämmrigen Blaus ein hübscher Komplementärkontrast aufbauen lässt.

 

003: Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzenBeschaffungskreativität
Als nächstes müssen Bilder her. Die Gebäude- und Straßenaufnahmen benötigen Gegenlicht von vorne links, Apps wie LightTrac oder Sun Surveyor verraten die beste Uhrzeit für die Aufnahmen. Schwieriger ist es, die Schneebilder aufzutreiben, denn neben der Lichtrichtung muss auch die Brennweite zur Perspektive des Entwurfs passen. Das setzt ein immenses Archiv voraus, das man normalerweise nicht auf der eigenen Festplatte findet, sondern bei Stockfotoagenturen wie etwa Fotolia. Auch an Straßen findet man dort eine reiche Auswahl: trockene, nasse und solche mit oder ohne Kurve.

 

004: Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzenFotografie oder CGI?
Ein Großteil des Hintergrundes stammt von Fotolia, der behandschuhte Arm ist eine Studioaufnahme. Doch woher nimmt man die Rückansicht einer Schneepflugschaufel?
In diesem Fall hilft CGI beim Ideen umsetzen weiter. Die Schaufel kann man entweder selbst modellieren oder über einen Stock Anbieter wie Dosch Design, Turbosquid oder Google Sketchup käuflich erwerben. In diesem Fall wurde sie in Cinema 4D modelliert, beleuchtet und perspektivisch korrekt für das Composing gerendert.

 

005: Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzenSchneeflöckchen per Photoshop
Da wir wirbelnde Schneeflocken brauchen, greifen wir zu einer bewährten Technik: Eine Auswahl wird mit Grau gefüllt und mit dem Filter »Rauschen hinzufügen« bearbeitet. Um die Flocken zu vergrößern, skaliert man das Ganze, wendet den »Bewegungsunschärfe«-­Filter mit einem kleinen Wert an und entfernt dann über die Ebenen­optionen die dunklen Striche. Die hellen bleiben übrig und wirken wie fallende Schneeflocken. Mehrere solcher Ebenen lassen weiter entfernte Objekte fast im Schneegestöber verschwinden, sind also sozusagen „wetterecht“.

 

Strada in Islanda: Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzenBlau ist grüner als Gelb, Oder?
Das Ergebnis steht. Selbstverständlich wurde jedes relevante Detail auf einer eigenen Ebene angelegt, damit das Motiv variabel bleibt.
Das gilt in besonderer Weise für das Color Grading, also die Ausarbeitung des Farb- und Kontrastlooks. Damit das auch gelingt, sollte man an einem farbverbindlichen, möglichst Hardware-­kalibrierbaren Monitor arbeiten, der den Adobe RGB-Farbraum weitgehend beherrscht und nicht nur die Farbe, sondern auch die Kontraste ­korrekt darstellt.
Denn die Kommunikation mit der Agentur fällt entschieden leichter, wenn beide Seiten von derselben Farbe sprechen.

 


Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzen. Meinung:  EIZO CS270


 

eizo: Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzen

EIZO CS270: Mit einem guten Monitor verhält es sich ein wenig wie mit mehr PS unter der Haube: Wenn man sie erst einmal hat, möchte man sie um nichts in der Welt wieder hergeben. Mir macht der EIZO 270 CS wirklich jeden Tag Freude und allein das lohnt die Anschaffung allemal.

Was der CS270 aus dem Hause EIZO drauf hat, ist trotz des vergleichsweise geringen Preises alles andere als ein zu vermutender Kompromiss. „Eizo“ ist das japanische Wort für „Bild“. Und das bedeutet in diesem Fall, dass 10 Bit Farbtiefe in der Lage sind, circa eine Milliarde Farben darzustellen. Das sorgt – speziell in den dunklen, in der Anzeige tonwertabrissgefährdeten Partien – dank der extrem tiefen Schwärzen für saubere Durchzeichnung, auch in den Ecken.
Damit beim Druck auch wirklich das herauskommt, was man am Monitor sieht, deckt der CS270 mit 99 % fast den kompletten Adobe RGB-Farbraum ab – und damit den Großteil der druckbaren CMYK-Farben. Und noch etwas fasziniert mich: Die 2560 × 1440 Bildpunkte verteilen sich auf 27 Zoll und wirken dennoch fast so detailliert wie ein 4k-Monitor. Wenn man dann noch die Kalibrierungs-Software Color Navigator in Betracht zieht, die im Kaufpreis enthalten ist, klingt das Wort Kompromiss auf einmal fast wie „Must-have“. Denn den EIZO ColorEdge CS270 bekommen Sie für rund € 1100.

 


 

Plakative „Street-Art“: Ideen umsetzen: Dieser Artikel von Uli Staiger ist ein Auszug aus der aktuellen DOCMA 68, die Sie im gutsortierten Fachhandel oder bei uns im Webshop (dort auch als preiswertes ePaper) erwerben können.

 

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