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Lesermeinung: Freisteller für eine Schüssel Reis …

Asian boy eating white rice with chopsticks

Bild: wusuowei – Fotolia / Grafik: Doc Baumann

 

Sehr geehrter Herr Baumann,

haben Sie diesen Artikel (Bildkritik, DOCMA 60, S. 110 f.) wirklich selbst geschrieben? Unterernährte, hungrige Kinder in der dritten Welt könnten also solch grausig schlechte Bildbearbeitungen abgeliefert haben? Für eine Schüssel Reis!

Wie gedankenlos muss man sein, um so was zu schreiben? Das war ein echter Tiefschlag, das hat weh getan. Vielleicht denken Sie ja schon über eine gedruckte Entschuldigung im nächsten Heft nach – und bitte dazu schreiben, welchen Betrag Sie an ein Kinderhilfswerk überwiesen haben.

Mit besten Grüßen, Dr. Christof Winter,  Schlangenbad

 

Sehr geehrter Herr Winter,

als DOCMA-Leser sollten Sie meine politische Einstellung eigentlich (besser) kennen. Die Auslagerung von Dienstleistungen in Länder der Dritten Welt ist nichts, das ich erfunden hätte oder das ich propagieren würde, sondern eine traurige Realität. Sie wissen sicherlich, dass es indische oder chinesische Firmen gibt, bei denen man für geringe Beträge Bildmotive freistellen lassen kann. Nur die Art der Tätigkeit unterscheidet sich vom Nähen von T-Shirts oder dem Zusammenkleben von Turnschuhen. Auf ebendiese Praxis bezog sich mein Text.

Es wäre also widersinnig, wenn ich mich dafür, dass ich diesen Sachverhalt erwähne, entschuldigen würde. (Dann müsste ich mich auch mit Bezug auf mein Editorial in DOCMA 61 für die Tatsache entschuldigen, dass es Rüstungsproduktion und -exporte gibt, und danach überhaupt für alle Übel dieser Welt.) Man mag sich an meiner ironischen Schreibe stören, aber diese doch bitte nicht als Rechtfertigung der beschriebenen Missstände fehlinterpretieren. Aber wenn es ein – geistiger – Tiefschlag war und weh getan hat, hat es vielleicht bei manchen Lesern etwas bewirkt.

Daher werde ich zu diesem Anlass weder etwas ans Kinderhilfswerk überweisen noch mir einen Kübel Eiswasser über den Kopf schütten – aber Ihre Mail und meine Antwort darauf gern im nächsten Heft auf der Leserbriefseite veröffentlichen.

Mit freundlichem Gruß, Doc Baumann

 

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