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Dells Monitor-Neuheiten auf der CES: Ein Riese für Manager und ein potenzielles Juwel für Kreative?

Jedes Jahr zur CES in Las Vegas überbieten sich die Hersteller mit Superlativen. Auch Dell Technologies bildet da keine Ausnahme und enthüllt zwei neue Monitore der UltraSharp-Serie. Doch während die Marketing-Abteilungen von „Innovationen“ und „weltweit ersten“ Technologien sprechen, stellt sich für professionelle Bildbearbeiter, Fotografen und Designer die einzig relevante Frage: Welchen konkreten Nutzwert bieten diese Geräte für unseren farbkritischen und anspruchsvollen Arbeitsalltag? Wir haben die Pressemeldung seziert und ordnen die Fakten für Sie ein. Die kurze Antwort: Ein Monitor ist ein beeindruckendes, aber für Kreative vermutlich wenig relevantes Produktivitätsmonster. Der andere jedoch könnte sich als hochinteressanter Kandidat für das digitale Atelier entpuppen.

Der Koloss: UltraSharp U5226KW für die Datenflut

Zunächst zum Dell UltraSharp 52 Thunderbolt Hub Monitor, Modell U5226KW. Die Eckdaten sind zweifellos imposant: ein 52 Zoll großes, gekrümmtes Display im Ultrawide-Format mit einer 6K-Auflösung. Dell bewirbt dieses Gerät als Ersatz für komplexe Multi-Monitor-Setups und zielt damit explizit auf Finanzhändler, Datenwissenschaftler und Ingenieure. Die schiere Arbeitsfläche, die im Vergleich zu einer Konfiguration aus zwei 27-Zoll-QHD-Monitoren 61.000 mehr Pixel bietet, ist für das parallele Arbeiten mit unzähligen Anwendungen sicher von Vorteil.

Für Kreativprofis dürfte der Nutzen jedoch überschaubar bleiben. Zwar kommt ein IPS-Black-Panel zum Einsatz, das einen besseren Kontrast als herkömmliche IPS-Technik verspricht, doch an die Schwarzwerte und die Homogenität eines OLED-Panels reicht es nicht heran. Die Pixeldichte liegt bei diesem Riesen bei etwa 129 ppi – ein solider, aber kein überragender Wert für die detailgenaue Bildbeurteilung. Auch wenn Dell eine hohe Farbraumabdeckung verspricht, bleibt der U5226KW primär ein Werkzeug für maximale Produktivität und nicht für höchste Farbpräzision. Der aufgerufene Preis von knapp 3.000 Euro unterstreicht, dass man hier vor allem für die schiere Größe und die Anschlussvielfalt des Thunderbolt-Hubs bezahlt. Das TÜV-Zertifikat für reduziertes Blaulicht ist ein nettes ergonomisches Merkmal, aber kein entscheidendes Kaufargument in unserem Metier.

Der Hoffnungsträger: UltraSharp U3226Q mit QD-OLED und Antireflex-Beschichtung

Wesentlich spannender für alle, die mit dem Bild arbeiten, ist der zweite Neuzugang: der Dell UltraSharp 32 4K QD-OLED Monitor (U3226Q). Dieses Modell, bereits mit einem CES 2026 Innovation Award ausgezeichnet, vereint eine Reihe von Merkmalen, die in dieser Kombination aufhorchen lassen. Die QD-OLED-Technologie steht für perfektes Schwarz, einen extrem hohen Kontrast und brillante Farben. Dell kombiniert dies mit einer 4K-Auflösung auf einer 32-Zoll-Diagonale, was eine praxisgerechte Arbeitsumgebung für die meisten Schreibtische darstellt.

Das entscheidende Merkmal, das diesen Monitor von vielen anderen OLED-Displays abheben könnte, ist die von Dell als „Anti-Glare Low-Reflectance (AGLR)“ bezeichnete Oberflächenbehandlung. Damit begegnet der Hersteller einem der Hauptkritikpunkte bisheriger OLED-Panels für den professionellen Einsatz: störende Reflexionen, die den wahrgenommenen Schwarzwert bei Umgebungslicht beeinträchtigen und eine farbverbindliche Beurteilung erschweren.

Sollte diese Technologie halten, was ihr Name verspricht, wäre das ein signifikanter Fortschritt für den Einsatz von OLED-Monitoren in helleren Arbeitsumgebungen.

Ein weiteres, für Profis hochrelevantes Detail ist das integrierte Kolorimeter. Dieses erspart nicht nur die Anschaffung und Handhabung externer Messgeräte, sondern sichert eine konsistente Farbpräzision über die Zeit, da die Kalibrierungsdaten direkt im Monitor hinterlegt werden.

Die Zertifizierung nach DisplayHDR True Black 500 verspricht zudem eine exzellente Leistung bei der Wiedergabe von HDR-Inhalten, was für Videoproduzenten und Fotografen gleichermaßen von Bedeutung ist.

Einordnung und Ausblick

Während der gigantische U5226KW also getrost als Spezialwerkzeug für andere Branchen verbucht werden kann, positioniert sich der U3226Q als ernstzunehmender Anwärter für den Einsatz in der professionellen Bild- und Videobearbeitung. Er tritt in direkte Konkurrenz zu den etablierten Referenzmonitoren von Eizo, BenQ und LG.

Die Nachhaltigkeitsbemühungen von Dell, beide Monitore aus einem hohen Anteil an recycelten Materialien zu fertigen, sind lobenswert, werden aber für die Kaufentscheidung eines Profis eine untergeordnete Rolle spielen. Hier zählen in erster Linie Bildqualität, Farbverbindlichkeit und Zuverlässigkeit.

Bleibt die Frage nach dem Preis. Der UltraSharp 32 4K QD-OLED Monitor (U3226Q) soll ab dem 24. Februar 2026 verfügbar sein; einen Preis nannte Dell noch nicht. Dieser wird jedoch maßgeblich darüber entscheiden, wie attraktiv das Gesamtpaket im Vergleich zur Konkurrenz ausfällt. Sollte sich Dell hier aggressiv positionieren, könnte der U3226Q eine echte Bereicherung für den Markt der Kreativ-Monitore werden.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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