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Die Leica und das Kleinbildformat

Altglas-Report

Das Kleinbildformat und Normalbrennweiten haben eine lange Geschichte. Definiert wurde beides bei Leitz: 1913 stellte Oskar Barnack den Prototyp einer Kleinbildkamera vor. Auf dem im Querformat belichteten Kinofilm war die Bildgröße vom 24 x 36 Millimeter ideal. Das Format mit dem Seitenverhältnis 3:2 ist bis heute aktuell.

Leica 1925. Die Leica und das Kleinbildformat
Das erste Leica-Serienmodel mit Leitz Elmax 1:3,5 F = 5 cm. Präsentiert auf der Leipziger Frühjahrmesse 1925 (Leica Camera AG).

Vorserienmodelle mit dem ersten von Max Berek berechneten Objektiv offenbarten 1923 die Schwächen des verfügbaren Kinofilms für die Fotografie: Die grobe Kornstruktur ermöglichte keine befriedigende Schärfe. Das winzige Filmformat des 1925 zur Leipziger Frühjahrmesse präsentierten Serienmodells wurde im Vergleich zu gängigen 18 x 24 Zentimeter großen Fotoplatten von Berufsfotografen belächelt. Ähnlich urteilten sie über den Rollfilm bei seiner Einführung.

Luftbildfilm. Die Leica und das Kleinbildformat
Der gelegentlich erwähnte extrem feinkörnige Spezialfilm Antihalo für die Luftbildfotografie von Perutz kam 1925 im 13 x 18 Format auf den Markt. Die Anzeigenwerbung von 1940 zeigt Rollfilme, Kleinbildmaterial wurde vermutlich nie hergestellt.

Paul Wolff verhalf dem Kleinbildformat durch eine zufällige Entdeckung zum Durchbruch. Nach der vorzeitig unterbrochenen Entwicklung eines überbelichteten Films entstanden bei der Vergrößerung feinkörnige Abzüge und seine Erkenntnis: belichte reichlich und entwickle kurz. Doch erst ein neuer Agfa-Film brachte 1932 den Durchbruch. Leitz bestellte 100 von Wolffs besten Aufnahmen und die Vergrößerungen im Format 40 x 60 gingen in einer Wanderausstellung um die Welt. Über die Machenschaften der Filmherstellung in Wolfen berichtet der Blog hier.

Das erste Serien-Objektiv

Das Rad musste nicht neu erfunden werden, der Patentschutz aller wichtigen Objektiv-Konstruktionen (Planar, Triplet und Tessar) war bereits abgelaufen. Auf einem Triplet basierte das Elmax 1:3,5 F = 5 cm. Unter Einsatz von Spezialglas der Sendlinger Optische Glaswerke hatte Max Berek es neu berechnet und eine ungewöhnlich aufwendige Hinterlinse aus drei verkitteten Elementen entwickelt. Das Akronym Elmax entstand vermutlich aus den Initialen von Ernst Leitz und Bereks Vornamen.

Leitz Elmax 1925. Die Leica und das Kleinbildformat
Das Leitz Elmax 1:3,5 F = 5 cm wurde 1922 von Max Berek berechnet. Ungewöhnlich ist die aufwendige Hinterlinse aus drei verkitteten Elementen. Ihre Herstellung war vergleichsweise schwierig.

Die nachfolgende Optik mit identischen Daten nutzte ein bewährtes, einfacher herzustellendes Tessar-Design mit modifizierter Blendenanordnung und wurde Elmar genannt. Über seine Abstammung vom Tessar führen bekennende Leica-Fans bisweilen grotesk anmutende Auseinandersetzungen. Ausführlich befasst sich das Kapitel „Historische Meilensteine im Objektivbau“ in der überabeiteten und erweiterten Auflage von Digital fotografieren mit alten Objektiven (Band 1) mit diesem auch von renommierten Autoren kontrovers diskutiertem Thema.

Mehr zur ersten Leica

Der neue Altglas-Report (Teil IV) berichtet ausführlich über die Leica, ihre ersten Objektive und den Siegeszug des Kleinbildformats. Und darüber, warum Barnack 50 Millimeter als Normalbrennweite definierte, wie ein neuer Filmtyp dem winzigen Format zum Durchbruch verhalf und welche Bedeutung das Noctilux 50/1.2 hatte.

Der Altglas-Report Teil IV
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Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

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