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Frequenztrennung

Bei der Retusche hat man oft mit zwei Problemen zu kämpfen: Das Abmildern von fleckiger Haut, ohne die ­Poren zu zerstören und das Wegstempeln von Haaren, ohne Stempelspuren zu hinter­lassen. Die hier ­vorgestellte Methode erledigt beides und kann noch ­einiges mehr.

Methoden zur Hautretusche gibt es viele. Doch fast alle haben einen Nachteil: Durch das Weichzeichnen der Haut geht die Hautstruktur mehr oder weniger verloren. Die hier vorgestellte Methode ermöglicht es, die Haut zu glätten, ohne dass dabei die Poren verschwinden. Sie arbeiten zu diesem Zweck  auf zwei Ebenen, wobei eine nur die tieffrequenten Bildinformationen enthält (das heißt die großflächigen Farben), die andere Ebene nur die hochfrequenten Bildinformationen (die Hautstruktur, kleine Pickel, einzelne Haare). Diese beiden Ebenen werden unterschiedlich behandelt:
Auf der Tieffrequenz-Ebene verwenden Sie einen Weichzeichner. Damit können Sie die Farben einer fleckigen Haut ausgleichen, wobei die Hautporen erhalten bleiben. Auf der Hochfrequenz-Ebene hingegen stempeln Sie Pickel, feine Haare und dergleichen weg, ohne dass die Hauttöne verändert werden.
Die hier vorgestellte Vorgehensweise nennt sich „Methode der Frequenztrennung“. Sie wurde in Deutschland von Jonas Wendorf und Peter Rudolph bekanntgemacht. Dieser Workshop zeigt Ihnen zusätzlich, wie Sie die Retusche beschleunigen können.

1. Das Prinzip
Diese Methode basiert darauf, dass Sie das Bild auf zwei separaten Ebenen völlig unterschiedlich bearbeiten. Die untere Ebene wird bei der Erzeugung stark weichgezeichnet. Dadurch finden sich auf ihr keine Details mehr, so dass Sie darauf die Haut soften können, ohne Feinheiten wie Poren zu verändern. Die obere Ebene entsteht aus einer Bildberechnung. Dadurch enthält sie (wie bei einer Hochpassebene) nur die feinen Bilddetails, die Farben sind verschwunden. Erst wenn man beide Ebenen durch die Füllmethode „Lineares Licht“ kombiniert, setzt sich daraus wieder das komplette Bild zusammen. Wie Sie konkret vorgehen, zeigen die folgenden Schritte.

2. Weichzeichnen
Erstellen Sie zwei Ebenenkopien. Die untere Ebene nennen Sie LOW, die obere HIGH. Die HIGH-Ebene­ blenden Sie aus, die Ebene LOW aktivieren Sie. Die LOW-Ebene wird nun weichgezeichnet, damit sie keine Details mehr enthält. Das erreichen Sie, indem Sie zum Beispiel „Rauschfilter?>?Helligkeit interpolieren“ mit circa 10 Pixeln anwenden. Nun blenden Sie die HIGH-Ebene wieder ein und aktivieren sie. Der nächste Schritt beruht auf mathematischen Grundlagen und erfolgt über die Bildberechnungen.

3. Bildberechnungen
Um die Details getrennt von der Farbigkeit herauszuarbeiten, nutzen Sie die „Bildberechnungen“ aus dem Menü „Bild“. Nehmen Sie je nach Bittiefe des Bildes folgende Einstellungen vor: 8-Bit Bild: Ebene LOW; Kanal RGB; Füllmethode Subtrahieren; Skalieren 2 und Versatz 128; Quellebene nicht invertieren. 16-Bit Bild: Füllmethode Addieren; Skalieren 2; Versatz 0, Quellebene invertieren. Danach wird die HIGH-Ebene (die jetzt einer Hochpass-Ebene ähnlich sieht) auf Ebenenmodus „Lineares Licht“ gesetzt. Durch diese Verrechnung der zwei Ebenen erscheint das Bild wieder wie im Original. Jetzt kann die Retusche erfolgen.

4. Stempeln von Details
Die störenden Hautdetails retuschieren Sie auf der HIGH-Ebene mit dem Stempel-Werkzeug (ca. 90?% Härte). Bei „Aufnehmen“ muss „Aktuelle Ebene“ ausgewählt sein. Es können nur recht kleine Strukturen gestempelt werden, da nur diese in der HIGH-Ebene vorhanden sind. So lassen sich Pickelchen, einzelne Haare und dergleichen wegstempeln, ohne Stempelspuren zu hinterlassen, da nur die Struktur, nicht aber die Farbtöne der Haut betroffen sind. Auch einen schwer zu retuschierenden Damenbart kann man mit dieser Methode sehr leicht und sauber entfernen.

5. Ausbessern von Hautflecken
Wollen Sie die Farbe der Haut glätten, verwenden Sie die LOW-Ebene. Diese enthält die niederfrequenten Bildinformationen, das heißt die Tonwerte der Haut. Um zum Beispiel fleckige Haut in der Farbe anzupassen, wählen Sie den entsprechenden Bereich großzügig mit dem Auswahlwerkzeug aus, wobei eine weiche Auswahlkante von etwa 10 Pixel verwendet werden sollte. Diese Auswahl behandeln Sie dann beispielsweise mit dem Gaußschen Weichzeichner, wobei der Radius recht groß ausfallen (ca. 20-40 Pixel) kann.

6. Die bequeme Methode
Anstatt auf der LOW-Ebene umständlich mit Auswahlen und Weichzeichner zu arbeiten, können Sie einfacher mit einem Pinsel auf einer Maske malen: Aktivieren Sie die LOW-Ebene und konvertieren Sie sie in ein Smart-Objekt. Wenden Sie den Gaußschen Weichzeichner mit einem passenden Radius (ca. 20­-­40 Pixel) an. Sie haben jetzt einen Smart-Filter erstellt. Invertieren Sie die Maske des Gaußschen Weichzeichners und malen Sie mit einem weißen, weichen Pinsel in der Maske, um die Haut zu glätten. Wollen Sie weniger stark glätten, reduzieren Sie die Deckkraft. Der Smart-Filter erlaubt Ihnen, den Radius des Weichzeichners nachträglich zu ändern, um die Wirkung anzupassen.

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