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Foto-Tour auf Zeche Zollern

Modding-Report

Die Zeche Zollern zählt zu den schönsten und kleinsten Zechen im Ruhrgebiet. Hinter den reich verzierten Backsteinfassaden und dem markanten Jugendstil-Portal verbirgt sich ein außergewöhnlicher Ort voller fotografischer Möglichkeiten. Für meine NRW-Tour war Zollern der dritte Stopp – und Treffpunk für ein Gespräch mit dem Modding-Experten Martin J. Kunz über kreative Objektivadaptionen, Unschärfe und experimentelle Bildgestaltung.

Foto-Tour auf Zeche Zollern
Lightroom scheiterte zwar beim Erstellen eines Panoramas aus mehreren mit vier adaptierten Polaroid-Optiken erstellten Aufnahmen. Das Ergebnis ist dennoch interessant (Martin J. Kunz).

Die Zeche Zollern ist einer von acht Standorten des LWL-Industriemuseums und Ankerpunkt auf der Route der Industriekultur. Die Backsteingebäude mit Jugendstil-Elementen, reich verzierten Giebeln und üppigen Grünanlagen wirken eher wie eine herrschaftliche Residenz als ein Bergwerk. Zu einer Fotopause lädt heute das Restaurant Pferdestall ein. Ein unwiderstehlicher Klassiker der Karte ist das Ruhrpott-Gulasch – passende Umschreibung für das obligatorische Regionalgericht Currywurst mit Pommes.

Foto-Tour auf Zeche Zollern
Auf dem überschaubaren Zollern-Areal warten zahllose Details darauf, entdeckt zu werden. Alle Informationen für einen Besuch finden sich hier (Bild: LWL-Museen für Industriekultur/Sebastian Cintio).

Ich habe viele Aufnahmen von dir gesehen, die auf den ersten Blick unscharf wirken. Was reizt dich an der Arbeit mit bewusst eingesetzter Unschärfe?

Unschärfe bedeutet für mich nicht einfach ein Fehlen von Schärfe, sondern eine Erweiterung des Bildraums. Wenn ein Motiv nicht klar abgegrenzt ist, setzt das dem Dargestellten keine festen Grenzen. Stattdessen entsteht Raum für Fantasie: für eigene Gefühle, Erinnerungen und Assoziationen beim Betrachter. Gerade diese Offenheit interessiert mich. Eine abstraktere Darstellung lässt mehr Deutungsmöglichkeiten zu, weil sie nichts eindeutig vorgibt. Das Pancolar bot mir die gesuchten Möglichkeiten, Motive nach meinen Vorstellungen zu formen. Der Schärfepunkt liegt mitten im Bild, während sich Linien und Formen zu den Rändern hin verzerren und einen malerischen, weichen Look erzeugen.

Modding-Guide
Das gemoddete Pancolar brachte den ersten Durchbruch für Martins fotografischen Ansatz. Hier eingesetzt am frühen Vormittag in der Maschinenhalle mit Blick auf das Jugendstil-Portal (Martin J. Kunz).

Auf der Suche nach einer Polaroid-Studio-Kamera stieß Martin auf ein Cambo-Modell. Sie nutzte ebenfalls vier Objektive und Polaroid-Sofortbildtechnik – was sollte daran verkehrt sein? Doch diese Kamera kam bereits 1966 auf den Markt und verwendete andere Objektive. Die klassische im Altglas-Blog beschriebene Adaptierung funktionierte nicht.

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Cambo-Kameras nutzen ein modifiziertes Tessar-Design.

Martin ist experimentierfreudig, gab nicht auf und erarbeitete viel Modding-Wissen. Seiner Begeisterung sind interessante Entdeckungen und beeindruckende Bilder zu verdanken. Und die Kombination von Cambo-Optiken mit dem Pancolar ermöglicht ganz besondere Abstraktionen. Aber unser Tag auf Zollern reichte nicht, um sie zum Einsatz zu bringen. Über die Möglichkeiten informiert dieser Beitrag ausführlich.

Seine Arbeit mit klassischen Polaroid-Objektiven zeigt einen weiteren Entwicklungsprozess. Während Martin anfangs mit zwei oder drei Optiken in einer planparallelen Anordnung experimentierte, hat sich inzwischen der Einsatz von drei Linsen in konvexer Anordnung für seine Absichten als gestalterisch vorteilhaft herausgestellt.

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Den Umgang mit den konvex adaptierten Polaroid-Optiken beherrscht Martin virtuos. Sein Tipp: Eine Linse auf das Hauptmotiv fokussiert halten und durch Drehen der Objektive die Gestaltung abrunden (Martin J. Kunz).
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Es erfordert etwas Übung, die weiße 1 auf der Lokomotive im Fokus zu halten. Das Drehen der Objektive vervollständigt die Komposition durch Bildüberlagerungen (Martin J. Kunz).

Du fotografierst häufig mit mehreren vorgesetzten Polaroid-Optiken, deren Bilder sich in der Kamera überlagern. Wie kam es dazu?

Die ersten Objektivadaptionen entstanden nach einem Besuch einer Lyonel-Feininger-Ausstellung. Das Aufbrechen des Gegenständlichen in Formen, Flächen und Linien in Feiningers Bildern wollte ich auf die Fotografie übertragen. Indem ich zulasse, dass leicht versetzte Blickwinkel der einzelnen Optiken eine Verschiebung des Bildeindrucks bewirken, kann ich Gegenständliches abstrahieren und in Flächen und Linien neu gestalten.

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Die konvex angeordneten Polaroid-Optiken montiert Martin inzwischen auf einem 3D-Druck-Adapter. Eine vergleichbare Adaption mit einfachen Mitteln stellt der Modding-Guide vor.
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Großflächige Motive erleichtern die Bildgestaltung mit Überlagerungen. Lohnenswert ist auch Blick auf Martins Bilder bei Instagram (Martin J. Kunz).

Das vollständige Interview mit Martin, weitere Bilder, nicht nur von der Zeche Zollern, und Tipps für die Handhabung zeigt der Modding-Guide. Darüber hinaus bietet das Buch fundierte Informationen, praxisnahe Empfehlungen und konkrete Anleitungen zur Auswahl, zum Kauf, zur Adaption und zur Handhabung erprobter Optiken. Über 250 Abbildungen ergänzen den Text.

Modding-Guide
Die kostenlose Kindle-App vereinfacht das Lesen auf vielen Geräten. Eine Leseprobe lädt zum Ausprobieren ein.

Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

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