Die Zeche Zollern zählt zu den schönsten und kleinsten Zechen im Ruhrgebiet. Hinter den reich verzierten Backsteinfassaden und dem markanten Jugendstil-Portal verbirgt sich ein außergewöhnlicher Ort voller fotografischer Möglichkeiten. Für meine NRW-Tour war Zollern der dritte Stopp – und Treffpunk für ein Gespräch mit dem Modding-Experten Martin J. Kunz über kreative Objektivadaptionen, Unschärfe und experimentelle Bildgestaltung.

Die Zeche Zollern ist einer von acht Standorten des LWL-Industriemuseums und Ankerpunkt auf der Route der Industriekultur. Die Backsteingebäude mit Jugendstil-Elementen, reich verzierten Giebeln und üppigen Grünanlagen wirken eher wie eine herrschaftliche Residenz als ein Bergwerk. Zu einer Fotopause lädt heute das Restaurant Pferdestall ein. Ein unwiderstehlicher Klassiker der Karte ist das Ruhrpott-Gulasch – passende Umschreibung für das obligatorische Regionalgericht Currywurst mit Pommes.

Ich habe viele Aufnahmen von dir gesehen, die auf den ersten Blick unscharf wirken. Was reizt dich an der Arbeit mit bewusst eingesetzter Unschärfe?
Unschärfe bedeutet für mich nicht einfach ein Fehlen von Schärfe, sondern eine Erweiterung des Bildraums. Wenn ein Motiv nicht klar abgegrenzt ist, setzt das dem Dargestellten keine festen Grenzen. Stattdessen entsteht Raum für Fantasie: für eigene Gefühle, Erinnerungen und Assoziationen beim Betrachter. Gerade diese Offenheit interessiert mich. Eine abstraktere Darstellung lässt mehr Deutungsmöglichkeiten zu, weil sie nichts eindeutig vorgibt. Das Pancolar bot mir die gesuchten Möglichkeiten, Motive nach meinen Vorstellungen zu formen. Der Schärfepunkt liegt mitten im Bild, während sich Linien und Formen zu den Rändern hin verzerren und einen malerischen, weichen Look erzeugen.

Auf der Suche nach einer Polaroid-Studio-Kamera stieß Martin auf ein Cambo-Modell. Sie nutzte ebenfalls vier Objektive und Polaroid-Sofortbildtechnik – was sollte daran verkehrt sein? Doch diese Kamera kam bereits 1966 auf den Markt und verwendete andere Objektive. Die klassische im Altglas-Blog beschriebene Adaptierung funktionierte nicht.

Martin ist experimentierfreudig, gab nicht auf und erarbeitete viel Modding-Wissen. Seiner Begeisterung sind interessante Entdeckungen und beeindruckende Bilder zu verdanken. Und die Kombination von Cambo-Optiken mit dem Pancolar ermöglicht ganz besondere Abstraktionen. Aber unser Tag auf Zollern reichte nicht, um sie zum Einsatz zu bringen. Über die Möglichkeiten informiert dieser Beitrag ausführlich.
Seine Arbeit mit klassischen Polaroid-Objektiven zeigt einen weiteren Entwicklungsprozess. Während Martin anfangs mit zwei oder drei Optiken in einer planparallelen Anordnung experimentierte, hat sich inzwischen der Einsatz von drei Linsen in konvexer Anordnung für seine Absichten als gestalterisch vorteilhaft herausgestellt.


Du fotografierst häufig mit mehreren vorgesetzten Polaroid-Optiken, deren Bilder sich in der Kamera überlagern. Wie kam es dazu?
Die ersten Objektivadaptionen entstanden nach einem Besuch einer Lyonel-Feininger-Ausstellung. Das Aufbrechen des Gegenständlichen in Formen, Flächen und Linien in Feiningers Bildern wollte ich auf die Fotografie übertragen. Indem ich zulasse, dass leicht versetzte Blickwinkel der einzelnen Optiken eine Verschiebung des Bildeindrucks bewirken, kann ich Gegenständliches abstrahieren und in Flächen und Linien neu gestalten.


Das vollständige Interview mit Martin, weitere Bilder, nicht nur von der Zeche Zollern, und Tipps für die Handhabung zeigt der Modding-Guide. Darüber hinaus bietet das Buch fundierte Informationen, praxisnahe Empfehlungen und konkrete Anleitungen zur Auswahl, zum Kauf, zur Adaption und zur Handhabung erprobter Optiken. Über 250 Abbildungen ergänzen den Text.









