
Die News: Adobe kauft Topaz
TechCrunch berichtet hier, dass Adobe die Firma Topaz Labs übernimmt – den Hersteller der bei Fotografen und Videografen beliebten KI-Werkzeuge für das Optimieren und Upscaling von Bildern und Videos.
Über Topaz Labs
Das Unternehmen existiert seit mehr als zwei Jahrzehnten und machte sich zunächst mit Topaz Adjust und später insbesondere mit den KI-Programmen Topaz Denoise AI (KI-Rauschreduzierung) und dem beeindruckenden Topaz Sharpen AI (KI-Schärfung und Verwacklungsreduzierung) einen Namen. Beide Programme sind inzwischen in einer einzigen App aufgegangen, die zahlreiche weitere Bildverbesserungsfunktionen bietet: Topaz Photo.

Neuere KI-Modelle von Topaz ermöglichen auch das Upscaling und Optimieren von Videos (Topaz Video und Astra) und das Verbessern von KI-generierten Inhalten, indem realistische Details hinzugefügt werden (Topaz Bloom).
Nebenbei hat Topaz eine Technologie (Neurostream) entwickelt, die es erleichtert, große Video-Modelle auf Consumer-GPUs laufen zu lassen – und dafür gab es im vergangenen Jahr sogar einen Emmy.
Adobes Interesse
Adobe, das bereits einige Topaz-Werkzeuge in seiner Creative-Cloud-Suite anbietet, will die Topaz-Modelle künftig in seine Firefly-KI-App sowie in weitere Bild- und Videobearbeitungs-Suites integrieren. Die Standalone-Produkte sollen jedoch weiterhin über die Topaz-Website erhältlich bleiben.
Der strategische Hintergrund ist klar: Adobe steht im harten Wettbewerb mit Canva und dem DaVinci-Resolve-Eigentümer Blackmagic Design und möchte verhindern, dass Nutzer für Videobearbeitung und -optimierung zu anderer Software wechseln. Topaz Labs ist dafür eine sinnvolle Ergänzung.
Die Transaktion soll nach Zustimmung der Behörden in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 abgeschlossen werden. Über den Kaufpreis ist noch nichts bekannt.
Bestehende Topaz-Integrationen
Zwar habe ich die Übernahme von Topaz durch Adobe nicht direkt kommen sehen, aber wirklich überrascht war ich jetzt nicht. Denn an immer mehr Stellen integrierte Adobe Funktionen von Topaz in die eigene Software.
In DOCMA 117 hatte ich Ihnen im großen Artikel „Neue KI-Power und neue Möglichkeiten in Photoshop“ (Seite 10 ff.) die zwei wichtigsten Integrationen vorgestellt und deren Ergebnisse verglichen: das Upscaling mit einem Auszug der Funktionen von Topaz Gigapixel und Topaz Bloom sowie die Schärfung mit einem stark kastrierten Topaz Sharpen bzw. Topaz Denoise.

Die generativen Topaz-Funktionen haben das Vergrößern von Bildern mit Photoshop deutlich verbessert und die KI-Rauschreduzierung für JPEGs der Adobe-eigenen Uralt-Lösung überlegen gemacht. Für das Entrauschen von Raw-Dateien sollten Sie jedoch Adobes KI-Rauschreduzierung in Camera Raw oder Lightroom bevorzugen.
Die zurzeit implementierte Topaz-KI-Schärfung hingegen ist eine herbe Enttäuschung. Zudem sind alle übernommenen Topaz-Funktionen in Photoshop funktionell stark beschnitten und bieten nur wenige oder gar keine Optionen.

Ich hoffe, dass der Kauf von Topaz Labs die KI-Funktionen in Photoshop zumindest auf das Niveau der originalen Topaz-Software hebt.
Ähnlich sieht es mit den bereits vorhandenen Topaz-Integrationen in Premiere und Lightroom aus. Da ist noch viel Luft nach oben.
Adobe kauft Topaz: meine Meinung und Befürchtungen
Adobes Übernahme von Topaz ist absolut verständlich und verspricht Nutzern von Adobe-Software spannende neue und äußerst praktische Funktionsverbesserungen.
Für mich stellt sich derzeit die Frage: Soll ich mein aktuelles Topaz-Abo behalten (als Founding-Member mit dem „Legacy Plan: Topaz Studio“ bekomme ich es noch relativ günstig) oder direkt kündigen? Immerhin sollen die Standalone-Produkte vorerst erhalten bleiben, und ich kann mir vorstellen, dass es in Photoshop nicht so schnell funktionelle Parität geben wird.
Und wie sieht es mit den Web-Apps aus? Besonders relevant ist für mich Topaz Bloom, eine Software, mit der man KI-erzeugten Bildern künstliche Details hinzufügen kann. Für mit Nano Banana oder GPT Image erzeugte Bilder ist das eher irrelevant – doch die meisten dieser aktuell besten Modelle haben ein Problem: Sie sind stark zensiert und reagieren selbst bei verdecktem Akt empfindlich. Und am empfindlichsten sind die Zügel bei Adobe eingestellt.
Aus künstlerischer Sicht arbeite ich deshalb manchmal noch mit verschiedenen Stable-Diffusion-Modellen, die keiner Zensur unterliegen, dafür aber in der Bildqualität nicht mit Nano Banana & Co. mithalten können. Und hier kommt Topaz Bloom ins Spiel, das den Stable-Diffusion-Output realistischer wirken lässt.


Wie wird Adobe mit der bisherigen Freizügigkeit von Topaz umgehen? Es ist wahrscheinlich, dass Adobe deutlich restriktiver vorgehen wird. Übrigens ist der Platzhirsch beim kreativen Upscaling nicht Topaz, sondern das Magnific-Creative-Upscaling-Modell, das früher von Freepik und heute von Magnific.ai angeboten wird. Sollte Magnific.ai in Bezug auf Zensur auch nur geringfügig toleranter sein als Adobe, wird mein Abo-Geld wahrscheinlich von Topaz zu Magnific fließen.
Aber schauen wir mal, was wird.
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