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Der Erste Weltkrieg veränderte die Fotografie – Teil 2

Altglas-Report

Offiziell war das private Fotografieren an der Front verboten, ließ sich jedoch leicht umgehen. Ab 1917 zensierte das von der Obersten Heeresleitun gegründete Bild- und Filmamt (BUFA) rigoros alle Veröffentlichungen. Der Krieg wurde zum ersten umfassenden Propagandakrieg und prägte die weitere Bildberichterstattung nachhaltig.

Der Erste Weltkrieg veränderte die Fotografie
1915 hatte Agfa noch den Ankauf privater Aufnahmen beworben. Zeitungen riefen Wettbewerbe aus, die Frontfotos prämiierten.

Die BUFA-Zensur war umfassend. Bilder mussten eine geschönte Realität zeigen; nur tote Soldaten des Feindes durften abgebildet werden. Auch England, Frankreich, Österreich und die USA führten eine vergleichbare Zensur ein. Da Fotografieren während der Kämpfe technisch kaum möglich war, stellten akkreditierte Fotografen Szenen nach und profitierten von der militärischen Logistik, etwa bei der Anfertigung von Feldpostkarten. 2010 wurden über 100 verschollen geglaubte Fotos von Werner Kleinfeldt entdeckt, der mit knapp 16 Jahren freiwillig in den Krieg gezogen war. Doch auch für private Aufnahmen galt ein unausgesprochenes Tabu: Verluste auf eigener Seite dokumentieren sie nur indirekt durch Fotos von Grabkreuzen gefallener Kameraden.

Der Erste Weltkrieg veränderte die Fotografie
Eine spezielle Form der Bildmanipulation praktizierte der Australier Frank Hurley. Er erhöhte die dramatische Wirkung zahlreicher Aufnahmen durch Dunkelkammertricks. „The morning after the first battle of Passchendaele“ gehört zu seinen bekanntesten Manipulationen.
Der Erste Weltkrieg veränderte die Fotografie
Die Feldpostkarten von Ludwig Boedecker fanden weite Verbreitung. Sie zeigen überwiegend nur nachgestellte Szenen.

Während des Ersten Weltkriegs akzeptierten Zeitungen die geringere Auflösung kleinerer Formate. Der Pressefotograf Ludwig Boedecker schwärmte von seiner Goerz Pocket Tenax für das 9×12-Format: „Hunderte Veröffentlichungen und eine Anzahl von Titelbildern der Berliner Illustrierten Zeitung …“ sollen damit entstanden sein. Diese Entwicklung sowie verbesserte Drucktechniken ebneten den Weg für kleinere Formate, wovon später die Leica und der Kleinbildfilm profitierten.

Der Erste Weltkrieg veränderte die Fotografie
Stoitsch bewarb Agfa weiterhin Trockenplatten, produzierte aber ab 1916 notgedrungen auch Rollfilm und Film-Packs. Mit dem Kriegseintritt der USA war Deutschland vollständig von ausländischen Lieferungen abgeschnitten.

Nach 1918 kehrte die professionelle Fotografie den kleinen Kameras wieder den Rücken und wandte sich dem Format 13×18 zu. Kontaktabzüge ließen sich schneller und einfacher herstellen als Vergrößerungen, was den Versand an Redaktionen vereinfachte. Für den privaten Gebrauch blieben Rollfilmkameras weiterhin beliebt. Das Verbrauchsmaterial war günstig, und die kleinen Kontaktabzüge waren für Erinnerungsfotos ausreichend.

Der Erste Weltkrieg veränderte die Fotografie
Das Marktsegment der Amateure bot Agfa nach dem Krieg vielfältige Möglichkeiten, auch für die unermüdliche Produktion neuer Kameras.
Altglas-Guide
Der Altglas-Guide: Das rund 280 Seiten starke E-Book bietet einen systematischen Überblick über die Meilensteine im Objektivbau und grundlegende Innovationen. In weniger als zehn Jahren entstanden vier Objektiv-Klassiker mit besonderer Bildästhetik und charakteristischen Abbildungseigenschaften. Ein Exkurs berichtet ausführlich über den Einfluss des Ersten Weltkriegs auf die Fotografie.

Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

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