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Pin-ups für den Seelenfrieden

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Foto und Retusche (mit kleineren Mängeln): Doc Baumann

Immer wieder meldet die westlich-dekadente Presse voller Spott, wenn die Redaktionen ultraorthodox-jüdischer Zeitungen wieder einmal Frauen aus Bildern herausretuschiert haben. Stattdessen sollten wir das schöne Gefühl genießen, dass wir mit Photoshop ein Werkzeug haben, das den Seelenfrieden gläubiger Menschen zu bewahren hilft.

Pfingsten war es mal wieder so weit. Deutsche Medien verbreiteten die Meldung, dass die israelische Zeitung „Jom Lehom“ aus einem Foto des neuen Kabinetts drei Ministerinnen mit Photoshop eliminiert habe. Die Aktion fiel auch deswegen auf, weil die Retuscheure einen Fuß vergessen hatten, der nun weiter in dem Gruppenbild sein Unwesen trieb – wer weiß, wie viele Fuß-Fetischisten diesem groben Zensur-Schnitzer zum Opfer gefallen sind und sich von ihren dunklen Trieben haben überwältigen lassen?

Zur Begründung des Eingriffs führt etwa der Text in der „Frankfurter Rundschau“ an: „Frauen dürfen laut den strikten Vorgaben der Ultraorthodoxen nicht abgebildet werden, um weltliche Gelüste der Strenggläubigen im Zaum zu halten.“ Anschließend wird auf ein weiteres Beispiel verwiesen, über das wir auch in DOCMA berichtet hatten: Ein Foto von der Pariser Großdemonstrationen gegen Terrorismus in Anschluss an das Charlie-Hebdo-Attentat, aus dem Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Politikerinnen herausretuschiert worden waren.

Nun lässt sich leicht verstehen, dass nach einem langen Tag des Studiums von Thora, Mischna und Tosefta die unerwartete Konfrontation mit einem Foto einer Politikerin kurz vor dem Pensionsalter das Blut schon einmal in Wallung geraten und unkeusche Gedanken hervorbrechen lässt. Erfahrungsgemäß regen solche Abbildungen die weltlichen Gelüste von Menschen geringeren Glaubensniveaus zwar weniger ausgeprägt an – das zeigt aber nur, wie sensibel das Bibelstudium den männlichen Menschen macht.

Als Photoshop-Begeisterte dürfen wir stolz darauf sein, dass es mit dieser Software ein Werkzeug gibt, das nicht nur schlicht technische Aspekte hat, sondern dessen spirituelle Dimensionen in solchen Augenblicken aufscheinen und Menschen, in denen beängstigende Gelüste toben, zum Seelenfrieden verhilft.

Die seit der Gründung des Staates Israel von vielen in Frage gestellten Privilegien der Ultraorthodoxen – die letztlich von den Steuern der weniger Gläubigen leben, da es ihnen ihr intensives Studium der Schriften nicht erlaubt, darüber hinaus einer Erwerbstätigkeit nachzugehen – sind zwar einstweilen, Jahwe sei Dank, nicht ernsthaft in Gefahr. Aber wenn die Macht des Satans irgendwann doch einmal dazu führen sollte, dass sie für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssten, wäre eine Ausbildung an Photoshop überhaupt und seinen Retusche-Werkzeugen im Besonderen doch eine schöne Perspektive.

So könnte etwa ein passender Verlag die Lizenz für eine Ausgabe des Playboy erwerben und ein schönes Heft herausbringen, das Fotos von zerwühlten Betten, Pools und Landschaftsaufnahmen bringt, alle ungestört von den nackten Körpern, die sich dort einst schamlos präsentierten. Die Retuscheure könnten einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen, sich ständig im Kampf gegen die eigenen Gelüste stählen und ihren männlichen Mitmenschen den ersehnten Seelenfrieden schenken.

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