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Mehr sehen als der Sensor sieht

In der aktuellen DOCMA 68 habe ich die Eigenheiten verschiedener Sucherkonzepte beschrieben, unter anderem auch den Hybridsucher, der wahlweise ein optisches oder elektronisches Sucherbild zeigt. Jüngst hat Fuji mit der X-Pro2 eine weiterentwickelte Version dieses Suchertyps vorgestellt und ich hatte in der letzten Woche Gelegenheit, das neue Modell auf die Probe zu stellen.

Bei einer Großformatkamera dient eine statt des Films eingesetzte Mattscheibe als Sucher.

Bei einer Großformatkamera dient eine statt des Films eingesetzte Mattscheibe als Sucher.

Über viele Jahrzehnte der Geschichte der Fotografie dominierten Sucher, die mit einem Rahmen anzeigten, welchen Ausschnitt ein Foto wiedergeben würde. Der Fotograf hat dabei alles im Blick, sieht also auch, welche Motive er ausschließt oder welche sich anschicken, sich in den Rahmen hinein zu bewegen und zum Bildmotiv zu werden. Die einfachste Form eines solchen Suchers ist der „Sportsucher“ – wenig mehr als ein rechteckiger Rahmen mit einer Visiervorrichtung. Die komplexeste Variante ist der gekoppelte Messsucher, den man heutzutage noch in der Leica M findet – eine Kombination eines optischen Suchers mit einem Entfernungsmesser, mit dem der Fotograf also nicht nur das Bild komponiert, sondern auch scharfstellt.

Die heute dominierenden Suchersysteme zeigen dagegen nur den Ausschnitt, den während der Belichtung auch der Sensor sehen wird – idealerweise 100 Prozent, manchmal aber auch etwas weniger. Spiegelreflexsucher, elektronische Sucher spiegelloser Systemkameras oder auch die Displays von Kompaktkameras sind alle von dieser Art. Sie haben auch gemeinsam, dass sie den Blick durch das Objektiv (TTL = „Through The Lens“) wiedergeben, während ein Messsucher ein eigenständiges optisches System neben dem Objektiv ist und das Motiv aus einer leicht verschobenen Perspektive zeigt – insbesondere im Nahbereich kann der Parallaxeffekt zu Fehlern in der Bildkomposition führen, was ein TTL-Sucher vermeidet. Dafür beschränkt der TTL-Sucher die Übersicht des Fotografen, der nicht bewusst einen Ausschnitt aus einem größeren Bild wählen kann – beim Blick durch den Sucher sieht er ja nur diesen Ausschnitt und muss die Szene suchend abtasten, um die optimale Komposition zu finden.

2011 hatte Fuji erstmals eine Kamera mit einem Hybridsucher vorgestellt, der wahlweise ein optisches oder ein elektronisches Sucherbild anzeigt – das optische Sucherbild gibt einen größeren Überblick und zeigt den Bildausschnitt mit einem auf elektronischem Wege eingeblendeten Leuchtrahmen an, während das elektronische Sucherbild wie üblich aus dem Sensor ausgelesen wird und daher den Blick durch das Objektiv zeigt. Nach der Fuji X100, einer APS-C-Kompaktkamera mit Festbrennweite, folgte ein Jahr darauf die X-Pro1, eine spiegellose Systemkamera, deren Hybridsucher zu jedem der zunächst drei Objektive von 18 bis 60 mm Brennweite den passenden Leuchtrahmen einblendete. Für das 60 mm-Objektiv wurde das optische Sucherbild zusätzlich vergrößert. Der Fotograf hatte damit die freie Wahl, ob er jeweils den Überblick des optischen Suchers oder die präzisere Vorschau des elektronischen TTL-Suchers vorzog.

Mit dem Ausbau des X-Systems zeigten sich allerdings die Grenzen dieses Konzepts. Bei langen Brennweiten hätte der Sucherrahmen sehr klein werden müssen, während die Rahmen für sehr kurze Brennweiten keinen Platz mehr gefunden hätten. Der elektronisch erzeugte Sucherrahmen verschob sich zwar mit der Entfernungseinstellung, um die Parallaxe zu kompensieren, aber im Nahbereich war das nicht mehr möglich. Bei Verwendung sehr kurzer oder sehr langer Brennweiten sowie für Makro-Aufnahmen musste der Fotograf daher auf das elektronische Sucherbild umschalten und der optische Sucher verlor zunehmend seine Attraktivität. Die folgenden Kameras in Fujis X-System hatten daher nur noch einen elektronischen Sucher oder verzichteten ganz darauf und setzten allein auf den Displaymonitor. Vom Nachfolger der X-Pro1 wurde dennoch ein verbesserter Hybridsucher erwartet.

Der Hybridsucher der X-Pro2 lässt sich zwischen einem optischen und elektronischen Sucherbild umschalten, kann aber auch beide Bilder kombinieren.

Der Hybridsucher der X-Pro2 lässt sich zwischen einem optischen und elektronischen Sucherbild umschalten, kann aber auch beide Bilder kombinieren. (Bild: Fujifilm)

Der Sucher der für Februar 2016 angekündigten X-Pro2 ist nun auch im optischen Modus für Brennweiten bis 140 mm (was auf das Kleinbildformat umgerechnet 210 mm entspricht) geeignet. Waren die ersten X-Objektive noch recht zierlich, ragen neuere, besonders lichtstarke Festbrennweiten und Zooms teilweise weit in das Blickfeld herein und können Teile eines Motivs verdecken, aber gerade bei langen Brennweiten ist das kein Problem. Bei größeren Objektiven mit sehr kurzen Brennweiten schaltet man nach wie vor besser auf den elektronischen Sucher um, dessen Auflösung jetzt bei 2,36 statt der 1,44 Millionen Bildpunkte der X-Pro1 liegt. Auch im Nahbereich bleibt der optische Sucher aktiv, nur muss man berücksichtigen, dass dann ein Teil des aufgenommenen Bildes außerhalb des Sucherbildes liegt – dies könnte noch besser angezeigt werden, als es die Kamera bislang tut.

Die X-Pro2 greift auch ein Konzept auf, für das die meisten Leica M-Modelle einen Bildfeldwähler haben: Der Fotograf kann wahlweise auch andere Sucherrahmen als den des tatsächlich verwendeten Objektivs einblenden, um zu prüfen, welche Brennweite vielleicht besser geeignet wäre. Da die Sucherrahmen des Hybridsuchers elektronisch erzeugt und dem optischen Sucherbild überlagert werden, kann die X-Pro2 gleich mehrere alternative Sucherrahmen mit der jeweiligen Brennweite anzeigen:

Die Fuji X-Pro2 kann optional mehrere Sucherrahmen für unterschiedliche Brennweiten in den optischen Sucher einblenden.

Die Fuji X-Pro2 kann optional mehrere Sucherrahmen für unterschiedliche Brennweiten in den optischen Sucher einblenden. (Bild: Fujifilm)

DSCF0238DSCF0390DSCF0245DSCF0465DSCF0419Beim Sucher der X-Pro1 hatte Fuji aus Platzgründen auf eine Dioptrienkorrektur verzichtet; wie bei einer Messsucherkamera musste man gegebenenfalls auf die eigene Sehstärke abgestimmte Korrekturlinsen einschrauben. Ich setze meine Brille zwar zum Fotografieren nicht ab, aber da ich eine Gleitsichtbrille habe, benötige ich auch mit Brille eine Korrektur. Den Sucher der X-Pro2 kann man nun zwischen –4 bis +2 Dioptrien einstellen.

Die Meinungen zum optischen Sucher bleiben geteilt. Beim Praxistest mit Vorserienmodellen nutzten einige Kollegen die X-Pro2 nur im elektronischen Modus ihres Suchers, während ich bevorzugt mit dem optischen Sucher arbeitete. Vor allem der größere Überblick hatte es mir wie einst bei der X-Pro1 angetan, denn die Bildkomposition mit einem Sucherrahmen ist mit dem Scheuklappenblick durch einen TTL-Sucher nicht zu vergleichen. Dennoch sind mir die Vorzüge des TTL-Prinzips bewusst. Allzu leicht können sich beim optischen Sucher Fehler einschleichen, wenn man ein Motiv im Vordergrund in eine bestimmte Position gegenüber dem Hintergrund bringen will, denn aufgrund der Parallaxe wird das Motiv in der Aufnahme leicht verschoben sein. Ein eingeblendeter Sucherrahmen wird die tatsächliche Bildbegrenzung auch nie so exakt zeigen können, wie es ein TTL-Sucher kann. Aber der Vorzug des Hybridsuchers ist es ja, dass er beide Alternativen bietet.

Sogar eine Kombination beider Betriebsarten ist möglich: In einem Fenster unten rechts kann der Fotograf auch im optischen Sucher ein elektronisch erzeugtes Bild als Fokussierhilfe einblenden, das einen Ausschnitt vergrößert zeigt. Die Kanten können durch Focus-Peaking hervorgehoben oder ein elektronisches Messsucherbild gezeigt werden. Letzteres basiert auf den im Sensor integrierten Phasendetektionspixeln, mit denen sich ein digitaler Schnittbildindikator realisieren lässt.

Gegenüber einem reinen elektronischen Sucher hat der Hybridsucher nur den Nachteil, dass er kein so großes Sucherbild erzeugen kann. Der elektronische Sucher der Fuji X-T1 hat einen Bildwinkel von 38°, der der Leica SL einen von 37°; dagegen bringt es der elektronische Teil des Hybridsuchers der X-Pro2 nur auf 29°.

Wer die höchst angenehme Art der Bildkomposition mit einem optischen Leuchtrahmensucher zu schätzen weiß, aber statt einer rein manuell fokussierten Messsucherkamera wie der Leica M eine automatische Fokussierung bevorzugt, findet in der X-Pro2 eine attraktive Alternative. Wie die Messsucherkameras wird auch die X-Pro2 wohl ein Nischenprodukt bleiben – viele Anhänger des Fuji-X-Systems warten auf die X-T2, die vermutlich im Frühsommer 2016 die Technologie der X-Pro2 mit einem rein elektronischen Sucher kombinieren wird –, aber es ist zu begrüßen, dass es im Kameramarkt noch immer solche Alternativen zum Mainstream gibt.

Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann

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