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Making-of: „Surf in the City“ 2/3

Auf Basis der Fotos von Paul Ripke hat der englische Grafiker Nik Ainley ein eindrucksvoll surreales Composing für die 2014er Ten-Collection geschaffen. Christoph Künne erklärt die technischen Abläufe.

 


Um Ausgangsmaterial für die „Backplate“, also den Hintergrund der späteren Montage, aufzunehmen, lassen sich Ripke und Ainley einen ­Nachmittag lang gemeinsam auf einem Motorboot durch den Hamburger Hafen chauffieren. Dabei entstehen hunderte von Bildern, von denen viele in das Ergebnis einfliessen.


 

Mit an Bord als Motivmittelpunkt: der zweifache Weltmeister im Wakeboarding, der auf einem Trampolin in Paul Ripkes Studio eindrucksvolle Sprünge mit seinem Wakeboard vollführt. Ausgeleuchtet wird er dabei von vier Lampen, die im Rechteck um diese „Bühne“ angeordnet sind. Damit für eine hohe Auflösung des zentralen Motivs gesorgt ist, fotografiert Ripke den Wakeboarder mit einer PhaseOne-­Mittelformatkamera, an die ein 80-Megapixel-Rückteil ­montiert ist.


 

In einem zweiten, kleineren Studio finden sich den ganzen Tag über freiwillige Modelle ein, die sich auf einen kurzfristigen Facebook-Aufruf Ripkes hin gemeldet hatten. Sie drehen und wenden sich auf einem neutralen Hintergrund in verschiedensten Posen und bilden so das „Rohmaterial“ für die Welle aus nackten Menschen. Abgelichtet werden sie mit einer Canon 5D Mark III, weil hier die Auflösung bei der kleinen Darstellung jedes einzelnen Montageelements eher eine Nebenrolle spielt.


 

Schon die grob zusammengesetzte Vor-Montage zeigt deutlich, dass es Nik Ainley nicht um ein perspektivisch glaubhaftes Arrangement der Einzelteile geht. Im Gegenteil, im Vordergrund steht der surreale Effekt, das Übertriebene, das Dramatische: Ein dunkler Himmel, schräg von den Seiten ins Bild ragende Hafenanlagen und zusätzliche, segelartige Gebäude, die eher architektonisch interessant als funktional wirken, sollen das Auge des Betrachters durch die Geschehnisse im Bild lenken.


 

Um dem Auge gleichermaßen einen sichtbaren Horizont zu bieten und durch die Aufhellung der in die Tiefe gestaffelten Objekte einen stärkeren Raumeindruck zu erzielen, hat Ainley sich der 3D-Funktionen in Photoshop bedient und eine Art Barrikade aus Betonblöcken in die Bildmitte montiert. Auch hier unterwirft er den Inhalt dem Primat des surrealen Effekts.


 

Rund zwei Dutzend Menschen tummeln sich in den Heck-Wellen des für den Betrachter unsichtbaren Zugbootes, das dem ­wakeboardenden ­Protagonisten die nötige Energie für seine Sprünge gibt. Sie sind farblich so weit an die Wellen angeglichen, dass man sie vielleicht erst auf den zweiten Blick bemerkt. Ganz im Gegenteil zum Wakeboarder selbst, der hier jedoch noch ­farblich und durch ausgeprägte Kontraste, wie sie für ­Blitz­lampen typisch sind, aus dem Rest des Bildes ­heraussticht.


 

18 Abstimmungs-Ebenen mit Farbkorrekturen und vielfältigen Vignetten später, ist die Farbigkeit zum einen weiter dramatisiert, zum anderen sind die einzelnen Elemente im Hinblick auf ihre Farb- und Kontrasteigenschaften weitestgehend angeglichen. Allerdings hat Ainley – seinem surrealen Stil treu bleibend – Wert darauf gelegt, die Homogenisierung nicht so weit zu treiben, dass man die Montage für eine Fotografie halten könnte.


Teil 1 erzählt mit Fotos und Videos vom Making-of des Wake­board-Artworks


Teil 2 der Miniserie umfasst es ein Step-by-Step-Tutorial des „Surf in the City“-Projekts.


Teil 3 beschäftigt sich mit den persönlichen Arbeitstechniken von Paul Ripke bei der Lookfindung.


 

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