
TL;DR: Wir haben aufgehört zu sagen „das ist Photoshop“ und angefangen zu sagen „das ist KI“. Ende einer Ära. Photoshop, danke für die Erinnerungen!
Photoshop wurde zum Gattungsbegriff
„Ist das gephotoshoppt?“ oder „Das ist doch gephotoshoppt!“ – Diese Sätze haben im Internet über mehr als zwei Jahrzehnte lang jede Diskussion über verdächtig perfekte und unglaubliche Bilder eingeleitet.

Eine Softwarebezeichnung wurde zum Verb für Bildbearbeitung und bei der Bildbewertung mitunter zu einem Vorwurf. Das ist Sprachgeschichte, wie sie nur selten passiert: Tempo, Google, Uhu, Photoshop oder – obwohl gerade die sich mit Händen und Füßen dagegen wehren – Lego … alles Produktbezeichnungen, die ihre Marke hinter sich ließen und zu Gattungsbegriffen wurden.
KI übernimmt den Staffelstab
Ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass dieser Satz aus dem allgemeinen Wortschatz der Leute verschwunden ist. Nicht bewusst – er ist einfach ersetzt worden. Wenn heute ein Bild zu glatt aussieht, zu unmöglich komponiert zu sein scheint, zu perfekt beleuchtet, sagen Freunde und Bekannte nicht mehr „Das wurde gephotoshoppt.“, sondern vermuten sofort den Einsatz künstlicher Intelligenz:
„Das ist doch KI!“
Dieser plötzliche Wandel in kultureller Wahrnehmung und Sprache ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie tief „photoshoppen“ in unserer Sprache verankert war. Der Duden hat das Verb 2009 aufgenommen. Rechtsabteilungen bei Adobe haben jahrelang versucht, gegen die Verwässerung der Marke vorzugehen (General trademark guidelines), mit mäßigem Erfolg, denn ein Wort, das sich einmal im Alltag festgesetzt hat, lässt sich nicht per Anwaltsschreiben zurückholen. Und Photoshop wurde eben die Erklärung für alles, was an einem Bild nicht stimmen konnte, aber trotzdem da war.
KI als allgemeiner Verdachtsmoment
Was mich an der begrifflichen Verschiebung interessiert, ist weniger dass KI-generierte Bilder inzwischen häufiger auftauchen als herkömmliche Retuschen, sondern was sich an unserem Verdachtsmoment verändert hat. „Gephotoshoppt“ oder wie Adobe es gerne formuliert hätte: „Das Bild wurde mit Adobe® Photoshop® Software bearbeitet“ implizierte immer noch ein reales Foto als Ausgangspunkt. Jemand hat eine Kamera gehalten, ein Motiv fotografiert, und dann in der Nachbearbeitung gezaubert: Haut geglättet, Beine verlängert, einen Hintergrund ausgetauscht. Die Grundannahme war: Fotografie plus Manipulation.
Bei „das ist KI“ fehlt dieser Ausgangspunkt in der Realität komplett. Kamera, Objektiv, Person vor der Linse, ein spezieller Moment: Fehlanzeige!
Das fertige Bild ist von Anfang bis Ende eine Erfindung – und wirklich jedes „Foto“ könnte heute eine sein.

Verlernen wir das Staunen?
Dass Fotos mit Programmen wie Photoshop optimiert und manipuliert wurden, war selbst Laien bekannt. Als der Satz „Das ist photoshoppt!“ seine Hochphase hatte, war er noch mit einem gewissen Erstaunen verbunden, mit Bewunderung für die handwerkliche Leistung dahinter. Frequenztrennung, Tricks mit Ebenenmodi, sauber maskierte Fotomontagen … Das war Arbeit, die Wissen und Erfahrung benötigte. Und das wurde respektiert, wenn man den Aufwand erkannte.

„Das ist KI!“ trägt diese Anerkennung nicht mehr in sich. Es klingt eher nach Achselzucken, nach einer Kategorie, die man abhakt, ohne sich für den Prozess dahinter zu interessieren. Ein Bild entsteht heute in Sekunden aus einem Prompt, und die Frage, wie viel Können – oder gar Absicht und Vorstellungsvermögen – darin steckt, einen guten von einem mittelmäßigen Prompt zu unterscheiden, stellt kaum jemand außerhalb unserer Branche. Aber auch mir geht es so: Bei digitaler Kunst, die mir früher ein ehrfürchtiges Staunen abgerungen hätten, zucke ich heute oft nur mit den Schultern, denn sie könnte ja „bloß“ KI-generiert sein.
Quo vadis?
Für uns als Menschen, die mit Bildbearbeitung ihr Geld verdienen oder ihre Leidenschaft ausleben, ist das kein Grund zur Wehmut, eher eine Gelegenheit zur Einordnung. Photoshop hat nicht aufgehört zu existieren, es ist nach wie vor das Werkzeug für alles, was mit einer echten fotografischen Basis beginnt: Retusche, Farbkorrektur, Fotomontagen aus mehreren realen Aufnahmen. Wer Fotografie beherrscht und mit Photoshop umgehen kann, hat natürlich auch viel mehr Möglichkeiten, gezielte Prompts zu formulieren und danach die KI-generierten Bilder nach den eigenen Vorstellungen zu optimieren. Aber das nur am Rande.
Denn was sich ändert, ist die kulturelle Zuschreibung, welches Werkzeug als Erklärung für das Unglaubliche herhalten muss. Früher war es die digitale Leinwand und viel Können von der Kamera- und Stiftführung bis zum fertigem Bild. Heute ist es zunehmend ein Prompt oder gar mehrere Prompts, die Unmengen an Bildern generieren können und den Künstler zum Kurator machen, der nur die besten unter ihnen auswählt.

Für mich sind die traditionelle Bildbearbeitung und KI kein Gegensatz. Ich sehe darin eine Einladung, in der Pixel-Giermeinschaft und zukünftigen DOCMA-Ausgaben auszuloten, wie man als kreativer Mensch beide Welten kombiniert, statt sie gegeneinander auszuspielen: Ein KI-generierter Hintergrund, in Photoshop mit einem echten Motiv verschmolzen. Eine generative Erweiterung einer Aufnahme, die anschließend klassisch retuschiert wird. Die schrittweise Verbesserung eines Bildes innerhalb eines KI-Generators (wie AI Lab, Higgsfield, Magnific, Gemini, Grok … ) und das gezielte Stilisieren und Color-Grading in Photoshop. Anschließend wird das alles vielleicht noch weitergeführt in Videoformate, falls es das Storytelling erfordert.

Genau dieser hybride Workflow zwischen Mensch und „Maschine“ ist schon der Stand der Dinge, bei dem die Künstler das Zepter in der Hand behalten – und nicht die KI vollständig übernimmt.
Fazit
Der Satz „Das ist photoshoppt!“ hat mich/uns über zwanzig Jahre lang begleitet und der Arbeit und Kreativität einer ganzen Branche eine prägende Bezeichnung gegeben. Photoshop, danke für die Erinnerungen!
Aber keine Sorge, Photoshop ist nicht tot. Es bleibt (m)eine kreative Schaltzentrale, in der herkömmliche und generative Techniken zusammenfließen.
In der öffentlichen Wahrnehmung tritt Photoshop jedoch gegenüber der allgegenwärtigen KI zurück. So hat „Das ist KI!“ den Photoshop-Verdacht praktisch bereits abgelöst.
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Die Störche mögen ja echt sein, der Rest ist massiv bearbeitet. So sieht die Natur nirgends und nie aus. Und die STAR-TREK-Phantasien des Autors konnte schon immer ein Grafiker erstellen. Das gilt auch für die anderen Bilder. Oder sollte ich den Holmes unter einem bürgerliche Namen kennen?
Und was ist jetzt der Erkenntnisgewinn Ihres Kommentars? Dass das, was eine Kamera aufgezeichnet hat, nicht in Kontrast und Sättigung verändert werden darf? Dass man Ideen einfach immer von anderen umsetzen lassen soll? Oder weiter gefasst: Dass die Fotografie selbst ja schon ein Betrug an den Malern war, weil die Leute mit ihren doofen Knipskisten einfach draufhalten und abdrücken?
Nach dem Erkenntnisgewinn des Blogs habe ich auch nicht gefragt. Aber falls Sie mein Posting nicht verstanden haben: Es ist egal, mit welchen Mitteln oder Techonolgien man ein Abbild der Wirklichkeit schafft oder das Abbild der Wirklichkeit nach eigenen Vorstellungen manipuliert oder auch eigene kreative Ideen umsetzt. Die bisher gefundenen Höhlenmalereien zeigen, dass sich Menschen schon seit langer Zeit mit den jeweiligen Mitteln ihrer Zeit Bilder geschaffen haben. Diese Zeichnungen haben ihren Erschaffern genau so viel Freude gemacht wie Ihnen das Bild mit den Störchen. Dass Sie eine starke emotionale Bindung zu Photoshop haben ist verständlich, ohne diese Software hätten Sie sich einen anderen Broterwerb suchen müssen. Für mich sind alle Programme, die ich seit der Verwendung digitaler Fotografie verwendet habe, und das ist leider eine beträchtliche Anzahl, ein notwendiges Werkzeug. Sie kommen und sie gehen. PS hat eine Zeit lang einen guten Teil gute Dienste erwiesen, seit dem Abodesaster nicht mehr. So gesehen war PS nie eine Ära sondern nur ein nötiges Werkzeug unter vielen. Von den vielen gibt es viele schon lange nicht mehr, dafür sind andere mit besseren Fähigkeiten aufgetaucht.
Beim Foto habe ich nur die Tiefen aufgehellt, den Weißabgleich wärmer gestaltet und eine Tonwertkorrektur durchgeführt. Machte mir Spaß. Gefällt Ihnen nicht. OK.
Per KI habe ich eine Idee umgesetzt. Machte mir Spaß. Gefällt Ihnen nicht. Können andere ja auch ohne KI. OK.
Ich habe Kreditrevision und dann Diplomhumanbiologie hinter mir gelassen, weil mir Bilderzeugung und Bildbearbeitung mehr Spaß macht – und nein, nicht nur mit Photoshop. Gefällt Ihnen auch nicht? OK.
Dass Photoshop eine der meist genutzten und bekanntesten Programme wurde und zu einem Gattungsbegriff geworden ist und keins der anderen ihrer Tools, gefällt Ihnen sicher auch nicht – sonst würden Sie nicht leugnen, dass man da fast schon von einer Ära sprechen MUSS.
Aber gefällt Ihnen eigentlich irgendetwas, bei dem Sie auch anderen Menschen die oben von Ihnen erwähnte Freude am eigenen Tun zugestehen? 😉
Ihre Feststellungen was mir gefällt oder nicht gefällt sind äußerst interessant. Eigentlich habe ich nicht gespostet was mir gefällt oder nicht gefällt, das sind allein Ihre substanzlosen Schlüsse. In meinen Postings sind emotiotionslos Fakten gelistet.
Es gibt Berufsfotografen, und damit Sie nicht wieder einen Ihrer falschen Schlüsse ziehen, damit meine ich nicht mich, die haben so viel Sorgfalt in die Herstellung von Produktfotos gelegt, dass sie kein PS benötigten. Die Entwicklung haben sie mit dem kostenlosen CANON-Programm erstellt. Ansonsten wurde vor allem darauf geachtet, dass bei einem späteren Folgeauftrag die Farbkonsistenz gewährleistet war.
Sie sehen, man kann auch ohne emotionale Ausbrüche posten. Ich erwarte von einem Fanboy nicht, dass er einen Funken Toleranz für andere Meinungen besitzt.