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Anderswelten in Berlin: Wie Antonius mit Scannerkamera und Photoshop die Realität sprengt

Die Ausstellung „Anderswelten“ von Antonius in der Galerie Beyond.Reality zeigt, wie sich mit einer Scannerkamera aus DDR-Beständen und digitaler Bildbearbeitung surreale Bildwelten erschaffen lassen, die selbst erfahrene Photoshop-Profis zum Staunen bringen.

Zwischen Märchenwald und Mikroskop: Die Anderswelten von Antonius

In der aktuellen Ausstellung „Anderswelten“ im Klaus Memmert Atelier & Galerie Beyond.Reality (Schlüterstraße 70, Berlin) begegnet man Fotografien, die sich jeder schnellen Einordnung entziehen. Antonius, Jahrgang 1961, deutsch-amerikanischer Grenzgänger zwischen Handwerk und Vision, hat sich nach einer Ausbildung als Chemigraf und Lithograf in den 1980er Jahren ganz der Fotografie verschrieben. Seine Vita liest sich wie ein Streifzug durch die analoge und digitale Bildgeschichte: Stationen bei Leica und Minolta, regelmäßige Veröffentlichungen in großen Magazinen, schließlich der Deutsche Foto-Oscar 2013, der damals vom Centralverband der deutschen Berufsfotografen ausgelobt wurde. Doch statt sich auf Lorbeeren auszuruhen, sucht Antonius auch heute immer wieder nach neuen Wegen, das Medium Fotografie zu hinterfragen.

Scannerkamera statt Vollformat: Technik als Türöffner ins Unwirkliche

Das Herzstück seiner in de rAusstellung präsentierten Arbeit ist eine Pentacon Praktica 6000N Scannerkamera – ein Relikt aus der Zeit, als digitale Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte. Ursprünglich für die Archivierung musealer Objekte gebaut, arbeitet diese Kamera Zeile für Zeile und verlangt Geduld: Bewegte Motive sind tabu, dafür belohnt sie mit einer Auflösung, die selbst heutige High-End-Modelle alt aussehen lässt. Antonius nutzt diese technische Eigenheit, um im Studio Stillleben zu komponieren, die bereits in der Aufnahme eine fast mikroskopische Detailfülle zeigen. Doch damit beginnt die eigentliche Arbeit erst.

Photoshop als Alchemie: Vom Stillleben zur Fabelwelt

Was in der Kamera entsteht, wird am Rechner weitergedacht. Der Fotokünstler versteht Photoshop nicht als Reparaturwerkzeug, sondern als Labor für Transformation. Die Motive – florale Strukturen, verschlungene Pflanzen, rätselhafte Objekte – werden digital so verfremdet, dass sie wie Szenen aus einem Märchenbuch wirken. Der Zyklus „Anderswelten/Magic Garden“, der auch schon einmal das Fotofestival Horizonte in Zingst zu sehen war, ist ein Paradebeispiel für diese Arbeitsweise: Jedes Bild erzählt eine eigene Geschichte, irgendwo zwischen botanischer Studie und Traumsequenz. Die Grenzen zwischen Fotografie, Malerei und digitaler Collage verschwimmen, der fotografische Ursprung bleibt gerade noch erahnbar.

Ausstellungserlebnis und Besuchsinformationen

Die Galerie Beyond.Reality bietet bis zum 14. August 2026 einen intimen Rahmen, um sich auf diese Bildwelten einzulassen. Wer sich für experimentelle Fotografie, digitale Bildbearbeitung und die Schnittstellen zwischen Technik und Kunst interessiert, findet hier reichlich Inspiration. Die Ausstellung läuft vom 10. Juli bis 14. August 2026, geöffnet ist mittwochs und freitags von 13 bis 18 Uhr sowie samstags von 13 bis 17 Uhr. Wer tiefer einsteigen möchte, sollte sich Zeit nehmen – jedes Bild lädt zum Entdecken ein.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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