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Magisch?

In seinem dritten im Selbstverlag herausgebrachten Buch untersucht der Schweizer Martin Zurmühle die Bildsprache herausragender zeitgenössischer Fotografen.

Der Untertitel des Buches macht zwangsläufig neugierig: „Die Magie der Fotografie oder das Geheimnis herausragender Bilder“. Welcher Bildermacher möchte da­rüber nichts herausfinden? Autor Martin Zurmühle hat nun sein drittes im Selbstverlag herausgebrachtes Buch mit diesem Untertitel vorgelegt. Schon in der Einleitung formuliert der Schweizer einen sehr hohen Anspruch an seine Arbeit: Er will die Bildsprache herausragender zeitgenössischer Fotografen untersuchen. Auf der Basis klassischer kunsthistorischer Ansätze, aber vor allem nach dem von ihm entwickelten „Vier-Augen-Modell“. Dabei handelt es sich kurz gesagt um eine geschickte Adaption des „Vier-Seiten-Modells“ des Kommunikationstheoretikers Friedemann Schulz von Thun. Zurmühle hat zur Analyse von Bildern vier Botschaftsebenen ausgemacht: Eine für die reine Form, eine für die inhaltliche Erzählung, eine in der sich der Künstler ausdrückt, und eine letzte, um die Gefühle des Betrachters anzusprechen. Die im Folgenden vorgestellten Fotografen ordnet Zurmühle schwerpunktmäßig einer dieser Ebenen – von ihm „Augen“ genannt – zu und erläutert ausführlich, warum die Bilder in sich stimmig funktionieren. Er beginnt meist mit einem kunsthistorischen Exkurs und verortet dann den Künstler anhand seiner Persönlichkeit, seiner Arbeitstechniken und der damit einhergehende Bildästhetik. Der Ansatz ist spannend, weil er dem Leser die Möglichkeit eröffnet, einem kunsthistorisch vorgebildeten Betrachter bei der Analyse unterschiedlichster fotografischer Werke über die Schulter zu blicken. Allerdings gibt es auch einige problematische Aspekte, die es erschweren, das Beschriebene unreflektiert zu übernehmen: Zum einen handelt es sich um die Auswahl der „herausragenden zeitgenössischen Fotografen“, zum anderen um den unsachlichen Überschwang, mit dem der Autor die Bilder der vorgestellten Künstler und vor allem seine eigenen Arbeiten beschreibt. Distanzlosig­keiten wie „die resultierenden Bilder sind ein Genuss für unsere Augen“, passen nicht zu einer ernsthaften Analyse. Als ebenso problematisch könnte man es ansehen, wenn die präsentierten Fotografen vornehmlich – wie Zurmühle auch – im Hauptberuf etwas anderes sind und die zumeist autodidaktisch erlernte Fotografie eher als Zeitvertrieb, als Gegenstand von Wettbewerben oder als Zubrot betreiben. Aber vielleicht ist ja genau das so typisch zeitgenössisch.  Wenn man diese beiden Aspekte im Auge behält, lässt sich aus dem Buch eine Menge lernen, was den Blick schärft und so die eigene Entwicklung voranbringt. Ganz besonders, wenn man sich dem Thema Bildermachen als Autodidakt und ohne den Druck, Geld verdienen zu müssen, nähert. Ob Zurmühle hier „Die Magie der Fotografie“ erklärt oder „das Geheimnis herausragender Bilder“ lüftet, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Bildsprachen zeitgenössischer Fotografen:
Die Magie der Fotografie oder das Geheimnis herausragender Bilder
von Martin Zurmühle

gebunden, 216 Seiten
Vier-Augen-Verlag, 2013
49,90 Euro

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