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Liebe Fotografen! Wusstet Ihr eigentlich …

… dass Eure Kunden stets denken, wenn sie die gleiche Ausrüstung hätten, könnten sie das auch!? Eine Glosse von Tilo Gockel.

Ihr macht gerade für einen Kunden eine Fotoserie und dieser besucht das Studio, steht beim Shooting daneben und schaut zu. Was geht wohl in seinem Kopf vor? Wenn er auch nur ein bisschen an der Fotografie interessiert ist, dann denkt er, dass er das mit dem teuren Equipment sicher auch könnte!
Wie kann ich da so sicher sein? Nun, zum Ersten ist der Kunde wahrscheinlich eine vollautomatische Art der Fotografie gewöhnt und denkt dann (zurecht?), das kann ja bei einem Profi, der noch viel mehr Geld für Automatismen und Intelligente Systeme bezahlt hat, nicht schwieriger sein, sonst liefe da ja wohl etwas falsch! Zum Zweiten hat der Kunde sich bisher nie Gedanken über die Lichtsetzung machen müssen, über das Set, die Modelakquise, die Visagistik, die kreativen Aspekte. Entsprechend kann er auch unmöglich schätzen, wieviel Aufwand und Planung in einem Shooting stecken. Vom erforderlichen Talent gar nicht zu sprechen.
Und zum Dritten – seien wir ehrlich – können wir das Phänomen auch an uns selbst beobachten! Wir sehen ein endschickes Foto und wollen wissen, wie es aufgenommen wurde. "Aha, die neue 800e, und die Broncolor-Blitzanlage, wusste ich es doch! Wenn ich diese Geräte nur auch hätte, dann könnte ich sicher auch solche Fotos schießen!" Oder: "Aaah, er hatte das 85 f/1.2 … ok, damit könnte ich auch das Motiv so schön freistellen, kein Kunststück!" 

Gut, besser, am besten. Für Linsen kann man beliebig viel Geld ausgeben, aber macht das teure Equipment wirklich auch bessere Bilder?
Ja, das dauert, bis man hier einmal etwas mehr reflektiert. Und dann realisiert, dass jemand wohl im Regelfall nur dann die horrende Summe für das fragliche Equipment ausgibt, wenn er genau weiß, was er tut. Soll heißen: Ursache und Wirkung sind hier eventuell häufig vertauscht.
Und wie kommt man dahinter und verinnerlicht das hoffentlich auch? Wir Fotografen werden wohl im Regelfall relativ schnell und auf die harte Tour lernen, dass Fotos nicht von der teuren, topaktuellen Kameraausrüstung leben, sondern vom Licht, vom Motiv und vom Bildaufbau. Das lernen wir spätestens dann, wenn wir selbst die 85er-Linse und die teure Blitzanlage anschaffen und die Fotos aber dadurch leider noch lange nicht genauso aussehen, wie die Bilder der Vorbilder.
Und was macht man mit dem Kunden? Schwierig!
Hoffen wir, dass er ganz einfach den für ihn erstaunlich hohen Preis nicht für unsere Ausbildung und für unser Können zahlt, sondern für das Equipment. Damit wird man ihn im Regelfall auch leicht blenden können – fahrt einfach mal auf, Ihr müsst es ja nicht alles dann auch wirklich benutzen! 🙂
Man könnte auch demonstrieren, dass man in tollem Licht auch schicke Fotos selbst mit dem iPhone schießen kann (>Google „iphone fashion shoot“), aber das ist beim Kunden wohl eher weniger angebracht. Also müssen wir wohl einfach lernen, damit zu leben, und über unsere Fotos und im schlimmsten Fall über unsere teure Mittelformatkamera überzeugen und dieserart Alleinstellungsmerkmale schaffen.
Und wenn der Kunde dann sagt: "Sie machen aber tolle Fotos, Sie müssen eine gute Kamera haben!"
Dann sagen wir nicht, was wir denken, sondern einfach: "Da können Sie aber darauf wetten! Ich hab immer den heißesten Scheiß am Start, der für Geld zu haben ist!“ 🙂

In diesem Sinne sende ich Euch einen aufmunternden Gruß,
           
Euer Tilo ~Gallo~ Gockel

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