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Focos-App: Fotobeleuchtung ändern

Es ist schon sehr beeindruckend, was durch den Einsatz zweier Kameras in einem Smartphone ermöglicht wird. Dabei steht die Entwicklung noch ziemlich am Anfang. Die Focos-App erlaubt es beispielsweise, nachträglich die Beleuchtung zu ändern.

Durch Dual-Kamera im iPhone Plus kann beispielsweise aus der Differenz der Fotos beider Linsen eine Tiefen-Map generiert werden. Darauf basiert der „Porträtmodus“, in dem die Schärfentiefe künstlich durch Weichzeichnung des Hintergrunds verringert wird. Die Tiefenmap des HEIF-Formats lässt sich übrigens auch in Photoshop, zum Beispiel im Filter »Objektivunschärfe«, verwenden.

Focos-App
Photoshop CC 2018 unterstützt unter macOS High Sierra auch das HEIC-Format für Fotos und kann die per Dualkamera des iPhones berechnete Tiefenmap lesen. Foto: Olaf Giermann

Die App Focos geht hier noch einen Schritt weiter und erlaubt das nachträgliche „Relighting“ des Motivs, indem anhand der Tiefen-Map ein 3D-Modell erzeugt wird (mehr dazu hier). Darauf aufbauend lässt sich die Beleuchtung des Hauptmotivs mit virtuellen Lampen und automatisch generierten Schatten interaktiv verändern.

Focos-App
Aus der Tiefen-Map wird ein 3D-Modell abgeleitet, das Sie virtuell beleuchten können – alles schon auf dem Smartphone! Abbildung: Focos

Focos-App: Einen Eindruck davon erhalten Sie in diesem Video:

Nun ist ein Hydrant nicht das schönste Motiv, aber fragen Sie sich doch einmal, was allein durch diese neue Technik in Zukunft möglich sein wird! Die völlig ohne Fokussierung auskommende Lichtfeldfotografie scheint vorerst auf Eis zu liegen, aber die Dual-Linsentechnik eröffnet auf Basis der Tiefen-Map eine ganz neue Art der (nachträglichen) kreativen Bildgestaltung in Hinblick auf Schärfe und Beleuchtung. Warten wir ab, wie sich das Ganze qualitativ schlagen wird. Das im obigen Video Gezeigte erfüllt jedenfalls noch keinen höheren Anspruch – erzeugt jedoch bereits eindrucksvolle Schattenwürfe, für die selbst ein geübter Photoshop-Anwender deutlich mehr Zeit investieren müsste, als mal eben das virtuelle Licht zu verschieben.

Wir leben in technologisch spannenden Zeiten. 🙂

Beste Grüße,

Olaf

Olaf Giermann
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Olaf Giermann

Sein Erstkontakt mit Photoshop erfolgte 2003 an der Uni, an der das Programm als reine Scanner-Software eingesetzt wurde. Inzwischen gilt Giermann sprichwörtlich als das »Photoshop-Lexikon« im deutschsprachigen Raum und teilt sein Wissen in DOCMA, in Video­kursen und in Seminaren.

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