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Ach, die Zukunft …

Die Jüngeren unter uns werden es vielleicht nicht wissen, aber 2015 ist ein ikonisches Datum für die Zukunft, wie wir sie uns einst vorgestellt hatten. 2015 ist das Jahr, in das Marty McFly in „Zurück in die Zukunft II“ (1989) mit Doc Browns auf einem getuneten DeLorean DMC-12 basierenden Zeitmaschine gereist war. Und nun, da wir ganz normal und zu Fuß ebenfalls in 2015 angelangt sind, fragen wir uns, wo die Hoverboards und die sich selbst zuschnürenden Sneaker bleiben.

Die Vorläufer von Google Glas: Wearables-Pionier Steve Mann 1980 (links) und Ende der 90er Jahre (rechts)

Die Vorläufer von Google Glass: Wearables-Pionier Steve Mann 1980 (links) und Ende der 90er Jahre (rechts)

Die Zukunft enttäuscht ja immer wieder. In meiner Kindheit wurden uns fliegende Autos, Haushaltsroboter und ein Luxusleben ohne viel Arbeit versprochen, da sich Maschinen um alle unangenehmen Pflichten kümmern und Fusionsreaktoren für unerschöpfliche Energie sorgen würden. Nichts davon ist eingetreten; die Markteinführung eines fliegenden Autos ist seit Jahrzehnten stets zwei Jahre und die Fertigstellung eines sinnvoll einsetzbaren Fusionsreaktors noch immer rund 50 Jahre entfernt. Aus dem anstrengungslosen Luxus wird wohl in diesem Leben nichts mehr werden, zumal schon Guido Westerwelles „spätrömische Dekadenz“ zum Hartz-IV-Satz nicht ganz das gewesen war, was wir uns einst erträumt hatten.

Vor rund 15 Jahren – damals war ich Redakteur des macmagazin – hatte ich mich auch einmal daran versucht, in einer losen Reihe von Essays über Zukunftsperspektiven zu schreiben. Ich war immerhin durch Erfahrung ein wenig schlauer geworden und orakelte nur ganz konservativ über Entwicklungen, deren technische Grundlagen bereits gelegt waren. Aber selbst diese Entwicklungen erwiesen sich als Schnecken. „Home-Automation“ war eines der Themen, über die ich damals schrieb, also die Vernetzung von Haushaltsgeräten und das Internet der Dinge, „Wearables“ war ein anderes – ich berichtete unter anderem über den Wearables-Pionier Steve Mann, dessen Brille eine Kamera enthielt, verbunden mit einem am Körper getragenen Computer. Heute gibt es im Elektromarkt immerhin LED-Lampen, deren Farbe wir mit dem Smartphone einstellen können, und einen Wäschetrockner, der uns eine Nachricht simst, sobald er fertig ist. Google Glass hat seine Erprobungsphase hinter sich (und stieß dabei nicht auf ungeteilte Zustimmung), aber die meisten real verfügbaren Wearables wollen uns nur zu sportlicher Betätigung antreiben (danke, kein Interesse) und drohen, der Krankenkasse unsere höchst privaten Daten zu verpetzen. Wenn die Technik der Zukunft erst einmal in der Gegenwart angekommen ist, entpuppt sie sich meist als viel weniger geeky oder glamourös als angenommen.

„Get your ass to Mars” – Buzz Aldrin wirbt für eine bemannte NASA-Mission zum Mars

„Get your ass to Mars” – Buzz Aldrin wirbt für eine bemannte NASA-Mission zum Mars

Damit bliebe noch die ultimative Zukunftsvision, die Eroberung des Weltraums. 46 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung wären ja eine feste Mondbasis und regelmäßige Besuche des Mars zu erwarten gewesen – 1969 hätte ich darauf geschworen, dass es so kommen würde –, aber tatsächlich sind wir niemals weiter gekommen als Neil Armstrong und Buzz Aldrin und in den letzten vier Jahrzehnten hat sich kein Mensch mehr als ein paar hundert Kilometer von der Erde entfernt. Neil Armstrong ist tot, aber Buzz Aldrin lässt nicht locker und setzt sich für eine bemannte Mars-Mission der NASA ein. Das Motto seiner Initiative „Get your ass to Mars“ hat er Paul Verhoevens „Total Recall“ (1990) mit Arnold Schwarzenegger entlehnt. Ob ich den Erfolg noch erleben werde? Jedenfalls trage ich ein Get-your-ass-to-Mars-T-Shirt, mit dessen Kauf ich Aldrins ShareSpace-Stiftung unterstützt habe.

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