Technik

Fujis Edelkompakte in zweiter Auflage

Fujifilms neue Premium-Kompaktkamera X100S mit neu entwickeltem APS-C-Sensor und hybrid-optischem Sucher soll sich durch einen sehr schnellen Autofokus und ein deutlich verbessertes Rauschverhalten auszeichnen.

Fujifilm hat das Topmodell seiner digitalen Kompaktkameras weiterentwickelt und ein Nachfolgemodell mit der Bezeichnung X100S für Februar 2013 in Aussicht gestellt. Im Design ähnelt die in Schwarz und Schwarz/Silber erhältliche Kamera der Vorgängerin. Entscheidende Technologien wurden jedoch laut Fujifilm deutlich verbessert, was sich vor allem in einer höheren Bildqualität niederschlagen soll.
Wesentliche Merkmale der X100S sind ihr 16,3-Megapixel-APS-C-X Trans-CMOS II-Sensor, ein EXR Prozessor II, ein hybrid-optischer Sucher mit einem extrem hochauflösenden elektronischen Sucher, ein intelligenter Hybrid-Autofokus, ein manuelles Fokussystem mit digitalem Schnittbildindikator und Fokus Peaking, ein eingebauter Blitz sowie eine Reihe kreativer Fotofunktionen.
Der Standard-ISO-Bereich der Kamera liegt bei ISO 200 – 6400. Er ist auf eine Spanne von bis zu 100 – 25600 erweiterbar. Die Verschlusszeiten können zwischen 1/4 und 1/4000 Sekunde gewählt werden.
X-Trans-Sensor ohne Tiefpassfilter
Die Farbfilter-Anordnung des von der X-Pro1 bekannten und verbesserten Bildsensors, die sich an der zufälligen Anordnung der Silberhalogenid-Kristalle bei analogen Filmen orientiert, macht die Verwendung eines Tiefpassfilters überflüssig. Dieser verhindert bei konventionellen Kameras zwar störende Moirés an feinen Strukturen und Farbfehler, verringert aber zugleich auch die Auflösung.
Der Farbfilter des X-Trans CMOS II-Sensors besteht aus 6×6 RGB-Pixel-Einheiten, um ein unregelmäßiges Muster zu erhalten. Zudem sind in jeder Reihe des Sensors alle Farbinformationen (RGB) enthalten, wodurch eine nochmals verbesserte Farbwiedergabe erzielt wird.
Neuer Prozessor und schneller Hybrid-Autofokus
Der ebenfalls neue EXR-Prozessor II optimiert laut Fujifilm die Bildqualität weiter, indem er typische Abbildungsfehler wie chromatische Aberrationen oder Beugungsunschärfe automatisch aus dem Bild heraus rechnet. Das Rauschverhalten soll um mehr als 30 Prozent im Vergleich zur X100 verbessert worden sein. Der Prozessor arbeitet mit erhöhter Taktfrequenz, wodurch sich die Leistung im Vergleich zur Vorgängergeneration verdoppeln soll. Daraus resultiert eine Einschaltzeit von lediglich 0,5 Sekunden, Aufnahmeintervalle von 0,5 Sekunden und Serienbildraten von bis zu 6 Bildern pro Sekunde (max. 29  Aufnahmen) bei voller Auflösung.
Beim automatischen Scharfstellen kommt ein Hybrid-Autofokus zum Einsatz, der je nach Situation einen Phasen- oder einen Kontrast-Autofokus verwendet. Fujifilm verspricht rasante Autofokus-Geschwindigkeiten von lediglich 0,08 Sekunden. Beim Phasen-Autofokus werden auf dem neu entwickelten X-Trans CMOS II-Sensor einige Pixel genutzt, um eine Berechnung der Phasendifferenz durchzuführen. Anders als beim Kontrast-Autofokus, der die Fokussierung kontinuierlich anpasst, bis der maximale Kontrast erkannt wird, ermittelt der Phasen-Autofokus sofort die optimale Fokuseinstellung. Der Hybrid-Autofokus der Fujifilm X100S wechselt je nach Situation und Motiv automatisch zwischen dem sehr schnellen Phasen- und dem präziseren Kontrast-Autofokus. Dies soll auch bei wenig Licht zuverlässig funktionieren.
Manuelles Fokussystem mit digitalem Schnittbildindikator
Ein digitaler Schnittbildindikator soll den Fotografen beim manuellen Fokussieren unterstützen – insbesondere beim Fotografieren mit offener Blende oder bei Makroaufnahmen. Durch die Nutzung der Pixel, die auf dem X-Trans CMOS II-Sensor für den Phasenautofokus verwendet werden, ist es erstmals möglich, auf dem LCD oder im elektronischen Sucher ein digitales Schnittbild anzuzeigen.
Die X100S ist außerdem mit einer „Fokus Peaking“-Funktion zum exakten Fokussieren ausgestattet, die beim manuellen Scharfstellen die Kontrastkanten farbig hervorhebt.
Der Hybrid-Optische-Sucher 
Auch der Sucher der X100S ist bereits von der Systemkamera X-Pro1 bekannt. Er kombiniert das Konzept des optischen Leuchtrahmensuchers mit einem elektronischen Sucher. Dadurch können die Vorteile beider Systeme – ein helles, klares Sucherbild und die nützlichen elektronischen Zusatzinformationen – gleichzeitig genutzt werden.
Der elektronische Sucher bietet eine 100-prozentige Abdeckung und 2,36 Millionen Pixel Auflösung. Der optische Sucher hat eine 0,5 fache Suchervergrößerung und bietet einen komfortablen Blickwinkel von circa 26°. Durch ein integriertes Prisma und LCD-Element können die Informationen des elektronischen Suchers auf das optische Sucherbild übertragen werden. Im Hybrid-Optischen-Sucher kann der Fotograf also gleichzeitig ein optisches Sucherbild betrachten und elektronische Informationen zur Aufnahme ablesen. Zwischen dem optischen und dem elektronischen Sucherbild kann mittels eines Hebels einfach umgeschaltet werden.
Die Fujifilm X100S verfügt über ein fest verbautes Objektiv mit 23 mm Festbrennweite (35mm KB-äquvalent) und einer maximalen Blendenöffnung von F2. Das Objektiv besteht aus acht Elementen in sechs Gruppen. Für die doppelt asphärische Linse und alle konvexen Elemente wurde Glas mit hohem Brechungsindex verwendet. Um ein Maximum an Bildqualität zu erreichen wurden laut Fujifilm aufwändige Details implementiert, wie Fokussierung in der Frontgruppe für gleichmäßig hohe Bildqualität und Super HT-EBC Beschichtung zur Vermeidung von Geisterbildern.
Die Objektivkonstruktion beinhaltet eine Blende aus neun Lamellen und einen eingebauten ND-Filter. Das Objektiv erlaubt Makroaufnahmen bis zu einem Abstand von nur 10 cm.
Mit Hilfe des eingebauten ND-Filters (Verlängerung äquivalent zu 3 EV-Stufen) können Motive auch in heller Umgebung mit geringer Schärfentiefe abgebildet werden, da das Fotografieren mit weit offener Blende möglich ist. Lange Verschlusszeiten können so bei Motiven gezielt eingesetzt werden, bei denen Bewegungsunschärfe erwünscht ist, z.B. bei fließendem Wasser.
Bedienkonzept
Die X100S wird über Einstellräder für Blende, Verschlusszeit und Belichtungskorrektur bedient. Über die Q-Taste (Quick Menu) kommt man direkt zu oft verwendeten Aufnahmemenüs. ISO-Empfindlichkeit, Weißabgleich, Filmsimulation und andere häufig genutzte Einstellungen werden auf einen Blick angezeigt.
Die obere und die untere Gehäuseabdeckung der X100S sind aus leichtem Druckguss-Magnesium hergestellt.
Kreative Funktionen
Die Fujifilm X100S verfügt über verschiedene Filmsimulationsmodi, mit denen die charakteristischen Farbtöne von analogen Filmarten simuliert werden können: „Velvia“, „PROVIA“, „ASTIA“ sowie „Pro Negativ S“ (Standard) und „Pro Negativ H“ (High-Contrast). Außerdem sind durch authentische Filtereffekte starke Ausdrucksmöglichkeiten in der Schwarz-Weiß-Fotografie („Monochrom“, „Gelb-Filter“, „Rot-Filter“ und „Grün-Filter“) und im Sepia-Modus möglich. Hinzu kommen acht spezielle kreative Filtereffekte.
Mit Hilfe der Mehrfachbelichtung können zwei Einzelaufnahmen zu einem einzigen Bild vereint werden. Der Fotograf muss lediglich den „Mehrfachbelichtungsmodus“ wählen und das erste Bild machen. Auf dem LCD lässt sich dann bereits erkennen, wie das fertige Gesamtbild aussehen würde.
Videofunktion
Im Full HD-Video-Modus (1920 x 1080) können Filme mit 60 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Filme mit der hohen Bitrate von 36 MBit/s ergeben eine verbesserte Bildqualität und Klarheit. Im Videomodus können u.a. die Filmsimulationsmodi verwendet werden.
Fujifilm bietet für die Kamera umfangreiches und speziell abgestimmtes Zubehör an. Dazu gehören eine Sonnenblende, verschiedene Aufsteckblitze, ein Weitwinkelkonverter sowie eine Bereitschaftstasche aus Leder.
Die Fujifilm X100S soll ab Februar 2013 für 1200 Euro in den Handel kommen. Das techn. Datenblatt können Sie hier herunterladen. Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten von Fujifilm.

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Johannes Wilwerding

Johannes Wilwerding hat bereits Mitte der Achziger Jahre und damit vor dem Siegeszug von Photoshop & Co. Erfahrungen in der Digitalisierung von Fotos und in der elektronischen Bildverarbeitung gesammelt. Seit 2001 ist er freiberuflicher Mediengestalter und seit 2005 tätig für das DOCMA-Magazin.

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