Vividon: KI-gestütztes Photoshop-Plugin verändert Beleuchtung nach der Aufnahme

Das Stockholmer Startup Vividon hat ein Relighting-Plug-in für Adobe Photoshop entwickelt. Die KI-basierte Erweiterung ermöglicht es, die Beleuchtung in einem Bild nachträglich zu verändern. Dafür können Anwender aus einer Vielzahl von Presets den gewünschten Lichteinfall wählen – Prompts sind dafür nicht erforderlich. Jede Belichtungsänderung landet dabei auf einer eigenen, vollständig bearbeitbaren Photoshop-Ebene. Deckkraft, Füllmethode und Maskierung lassen sich anschließend wie gewohnt anpassen; das Originalfoto bleibt jederzeit unangetastet.
Die Preset-Bibliothek umfasst nach Unternehmensangaben mehr als 100 professionell kuratierte Lichtstimmungen. Darunter finden sich Stile wie „German Expressionist“, „1940s Film Noir“, „Theater Spotlight“, „Blade Runner“ und „Nightclub“ – Looks, die auf einem echten Set erheblichen Aufwand erfordern würden.
Ein besonderes Merkmal ist die Funktion „Match“: Sie soll die Lichtsignatur aus einem beliebigen Referenzbild des Nutzers extrahieren und auf ein neues Foto übetragen. Wer also ein Bild aus einem Shooting vor drei Jahren als Vorlage nehmen möchte, kann dessen Lichtstimmung auf aktuelle Aufnahmen ohne manuelles Compositing übertragen – so lautet zumindest das Versprechen der Entwickler. Darüber hinaus sollen Anwender ihre eigenen Licht-Setups von Grund auf neu erstellen können, sind also nicht auf die vorhandenen Presets angewiesen.
Vividon wurde nach eigenen Angaben in enger Zusammenarbeit mit einer Gruppe ausgewählter Retusche-Studios und professioneller Fotografen entwickelt, die das Werkzeug unter realen Produktionsbedingungen getestet haben. CEO Tomas Axelsson beschreibt das Ziel des Unternehmens so: „Wrong light. No time. No budget for a reshoot. Our job is to remove that friction and give photographers back the time and budget that lighting has always consumed.“
In der aktuellen Version gibt es noch ein paar Wermutstropfen. So berichtet das Online-Magazin Petapixel, dass man keine Vorschau des auf ein eigenes Bild angewendeten Effektes erhält, bevor durch einen Klick Credits verbraucht werden. Gelegentlich verändere sich durch die Anwendung eines Presets auf ein Porträt auch der Gesichtsausdruck der abgebildeten Person oder der Bildhintergrund.
Vividon ist ab sofort im Early Access unter vividon.ai verfügbar. Neue Nutzer erhalten 30 kostenlose Credits ohne Kreditkartenpflicht. Die kostenpflichtigen Abonnements folgen einem nutzungsbasierten Modell und starten bei 10 US-Dollar monatlich mit 130 Credits; das umfangreichste Paket kostet 55 US-Dollar monatlich mit 950 Credits. Weitere Credits lassen sich separat zukaufen.






Also, das ist ja mal wirklich cool. Relighting war bisher nur extrem schwer zu realisieren. Es gibt zwar Tools wie Beeble, es ist jedoch Browser-basiert und outside Photoshop. Auch „Harmonize“ von Adobe mach zwar einen guten Job – aber halt nur solange man mit lowres Bildern arbeitet.
Danke also für diesen Tipp!
Hast du es in der Zwischenzeit getestet? Kann man damit brauchbar arbeiten?
LG Christian
Ja, ich habe es getestet. Passenderweise kam diese Woche ein Auftrag rein, bei dem genau so etwas gefragt war: „Wir haben hier ein Gerät (sieht aus wie ein Blackberry), das leider etwas langweilig und flach fotografiert wurde. Kannst du da ein dramatisches Licht setzen? Wir stellen uns einen eher dunklen, futuristischen Look mit harten Highlights vor.“
Unter den Presets des Plugins gibt es eine Einstellung namens „Blade Runner“. Die hat gut zum Motiv gepasst, sodass ich das Ergebnis eigentlich direkt verwenden konnte. Ich musste lediglich die Farben bisschen anpassen, mit der Deckkraft spielen und die Ebene über das Original legen – fertig. Der Kunde war auch sehr zufrieden.
Manuell ließen sich solche Ergebnisse in dieser kurzen Zeit nur extrem schwer realisieren. Mit dem Plugin dauert es gerade mal zwei Minuten (in 4K – Photoshop Harmonize kann vermutlich nicht mal 2K). Den „Copy-Mode“, mit dem man einen Look von einer Referenz übernehmen kann, muss ich allerdings erst noch testen.
Besonders gut gefällt mir, dass alles direkt in Photoshop läuft. Wenn ich erst Ausschnitte exportieren muss, um sie extern zu bearbeiten, verlasse ich meine Comfort Zone. 🙂
Ob einem so ein Tool 10 € / Monat wert ist, muiss jeder für sich entscheiden. Vermulich lässt sich sowas auch mit anderen KI Modellen realisieren. Aber die Anwenderfreundlichkeit in Vividon ist wirklich gelungen. Wenn man solche Aufgabenstellungen öfter auf dem Tisch hat und Photoshop nicht verlassen möchte, ist das eine sehr gute Lösung.