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Influencer Interview: Patrick „Paddy“ Ludolph

Patrick Ludolph ist überzeugter Blogger, aber auch auf vielen sozialen Medien zuhause. Im Gespräch mit DOCMA-Chefredakteur Christoph Künne gibt er Einblicke in seinen Erfahrungsschatz und darüber, wie man nachhaltigen Erfolg im Internet haben kann. Lesen Sie hier unser Influencer Interview mit „Paddy“.

Influencer Interview: Patrick „Paddy“ Ludolph

DOCMA:  Paddy, kürzlich habe ich gelesen, dein Blog neunzehn72.de die Nummer 30 der wichtigsten deutschen Blogs ist. Dabei ging es um alle Themen, nicht nur um Fotografie.

Patrick Ludolph: Das habe ich auch gelesen, weiß aber wirklich nicht, wie die Leute auf diese Zahl gekommen sind. Gefreut hat es mich natürlich dennoch. 

DOCMA: Neben dieser Bedeutung als Blogger schaffst du es seit fast zehn Jahren, deinen Lebensunterhalt mit der Fotografie zu bestreiten, indem du – neben einigen Hochzeits- und Businessfotojobs – Workshops veranstaltest, Video-Tutorials produzierst, Lehrbücher schreibst und ein eigenes, gedrucktes Magazin sowie Bildbände herausgibst. Wie wichtig dafür sind Deine Webaktivitäten?

Patrick Ludolph: Ohne mein Blog würde ich vermutlich nicht so gut dastehen. Aber dessen Erfolg hängt nicht nur mit den tollen Inhalten zusammen, sondern – zumindest in der Anfangszeit nach 2009 – mit meiner damaligen, hauptberuflichen Tätigkeit als SEO-Spezialist.

DOCMA: Was macht ein SEO-Spezialist?

Patrick Ludolph: SEO steht für Search Engine Optimizing. Es geht also darum, eine Webseite und einzelne Beiträge so zu gestalten, dass Suchmaschinen wie Google die Inhalte gut finden und auswerten können. Ziel ist es, bei Suchanfragen mit der Webseite möglichst weit oben aufzutauchen. 

DOCMA: Wie hast du das für dich genutzt?

Patrick Ludolph: In der ersten Zeit hat mir mein Wissensvorsprung in Sachen SEO dabei geholfen, mich als Hochzeitsfotograf im Raum Hamburg zu positionieren. Und natürlich auch Leser für mein Blog zu finden. 

DOCMA: Was hat sich seither verändert?

Patrick Ludolph: Eine ganze Menge. Das fängt im Grunde mit der Art und Weise an, wie wir das Web nutzen. Früher hatte man eine sorgsam gepflegte Sammlung von Bookmarks zu seinen Lieblingsseiten und zu Fundstücken für spezielle Themen. Angebote, die man regelmäßig konsumieren wollte, organisierte man per RSS-Reader und bekam so einen Stream mit allen Meldungen der wichtigen Quellen. Facebook & Co. haben diese Art, Informationen zu beschaffen und zu aktualisieren, verändert. Plötzlich konnte man fast allen wichtigen Infoquellen auf dieser einen Plattform folgen – und zusätzlich noch den Freunden und der Familie. Im Grunde super – bis das Ganze zu groß wurde.

Zu viele Leute und Institutionen posteten zu viel. Facebook begann zu entscheiden, was für mich wichtig war. Und vor allem auch, was nicht. Damit entging mir vieles, was ich wichtig gefunden hätte. Schlimmer noch war das für mich als Berufsproduzent von Inhalten. Als Besitzer einer „Fanpage“ wurden mir schon vor langer Zeit die Reichweiten reduziert. Wenn ich alle Follower erreichen will, muss ich Facebook dafür bezahlen. Bei Instagram ist es dasselbe. Nach den erneuten Reichweitenkürzungen 2018 kam ich an den Punkt, meine Social-Media-Strategie grundsätzlich neu auszurichten. Seither setze ich im Kern auf mein Blog und den Newsletter. Zusätzlich gebe ich Vollgas bei Youtube. Da verdient man mit meiner Größe zwar auch kaum etwas an den Werbeeinspielungen, aber die Beiträge sind – im Gegensatz zu Facebook- und Instagram-Posts – auch mit Google gut zu finden.

DOCMA: Aber Youtube-Videos sind doch viel aufwändiger als Facebook-Posts…

Patrick Ludolph: Genau da liegt ja der Reiz. Jeder kann schnell mal ein hübsches Bild bei Instagram hochladen oder einen kurzen Post bei Facebook online stellen. Ein Video mit inhaltlichem Mehrwert für den Betrachter erfordert viel mehr Arbeit. Es ist aber auch deutlich wertvoller. So gibt es weniger Konkurrenz – und dadurch am Ende mehr Aufmerksamkeit. 

DOCMA: Und die Strategie funktioniert? Kommen da so viele neue Follower zusammen? 

Patrick Ludolph: Bei Youtube habe ich jetzt rund 30.000. Täglich kommen normalerweise, wenn es nicht durch irgendetwas einen Schub gibt, zwischen 10 und 100 neue Abonnenten dazu. Das sind nicht viele, aber ein stetiger Quell. Man muss ja immer bedenken, dass rund 10 Prozent dieser Besucher irgendwann auch mal etwas kaufen. Zumindest dann, wenn man sie mittelfristig auf den eigenen Blog umgeleitet hat. Dort kann man die Youtube-Videos ja auch indirekt ansehen.  

DOCMA: Worin siehst du für Anbieter von Inhalten die größte Gefahr?

Patrick Ludolph: Auf der einen Seite sind soziale Medien zu einfach. Damit wird jeder schnell zum Produzenten. Die Inhalte gleiten ab in die Beliebigkeit. Im Grunde kein Problem, aber weil so viel produziert wird, sinkt auch die Aufmerksamkeit für den einzelnen Beitrag gegen null. Auf der anderen Seite hängt man schnell am Tropf eines Anbieters. Bei Facebook sieht man das ganz gut: Vor ein paar Jahren haben viele Blogger und auch Firmen ihr eigenen Plattformen aufgegeben und sind komplett zu Facebook umgezogen. Das war einfacher und auch billiger. Zumindest solange, wie die Reichweiten stimmten. Als man plötzlich dafür bezahlen musste, seine mühsam erarbeitete Zielgruppe zu erreichen, hatte sich der Vorzug erledigt. Facebook ist zwar ein soziales Medium, aber kein soziales Unternehmen. Es geht am Ende immer um Gewinn. 

DOCMA: Welche sinnvolle Funktion haben Facebook und Instagramm dann noch für Fotografen? 

Patrick Ludolph: Nicht mehr die, als Online-Galerie zu funktionieren. Ich sehe das inzwischen so: Fotos gehören gedruckt an die Wand oder in ein Buch, am besten, wenn man sie öffentlich zeigen will, in eine Ausstellung. Die Ankündigung der Ausstellung, die gehört in die sozialen Medien.

DOCMA: Danke für die spannenden Informationen!

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Christoph Künne

Christoph Künne ist Mitbegründer, Chefredakteur und Verleger der DOCMA. Der studierte Kulturwissenschaftler fotografiert leidenschaftlich gerne Porträts und arbeitet seit 1991 mit Photoshop.

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