
Wer glaubt, die Kontrolle über die eigenen Werkzeuge sei selbstverständlich, wird ab Juli 2026 eines Besseren belehrt. Microsoft verwandelt Office auf älteren Macs in ein reines Schaufenster – und zeigt damit, wie gefährlich die Abhängigkeit von Tech-Giganten für Kreative und Wissensarbeiter wirklich ist.
Der Tag, an dem Office verstummt
Ab dem 13. Juli 2026 wird Microsoft Office auf vielen älteren Macs zum stummen Begleiter. Wer Office 2019 oder eine Office-2021-Version auf macOS 11 (Big Sur) oder älter nutzt, kann dann nur noch Dokumente öffnen, ansehen und drucken. Bearbeiten, speichern oder gar neue Dateien anlegen? Fehlanzeige. Der Grund ist so unspektakulär wie folgenreich: Ein digitales Lizenzzertifikat läuft ab, und für Office 2019 gibt es keine Updates mehr. Wer nicht mit seiner Office-2021-Version nicht mindestens macOS Monterey auf seinem Rechner hat, bleibt außen vor. Microsoft empfiehlt den Umstieg auf Microsoft 365 oder eine neue Office-Version. Vorraussetzung: die Hardware spielt mit. Für viele Geräte bedeutet das schlicht das Aus.
Diese Entscheidung trifft in ihrer direkte Auswirkung sicher nur ein paar Nostalgiker, die an ihren alten Macs hängen. Sie ist allerdings für alle ein Lehrstück darüber, wie schnell aus einem Werkzeug, das man täglich nutzt, ein nutzloser Gegenstand werden kann. Die Software, einst als Dauerlizenz verkauft, wird zur digitalen Vitrine.
Geplante „Veralterung“: Das Phoebus-Kartell lässt grüßen
Die Parallelen zur Glühbirne der 1920er-Jahre sind frappierend. Damals einigten sich die Hersteller im Phoebus-Kartell darauf, die Lebensdauer ihrer Produkte künstlich zu begrenzen. Der Fachbegriff dafür ist geplante Obsoleszenz. Heute übernehmen Software-Konzerne diese Rolle. Nicht der Verschleiß, sondern ein ablaufendes Zertifikat entscheidet, wann Schluss ist. Rund 400 Millionen Windows-Nutzer weltweit können nicht auf Windows 11 umsteigen, weil ihre Hardware angeblich zu alt ist, obwohl sie technisch einwandfrei läuft. Wir lernen: Wer die Kontrolle über die Infrastruktur hat, diktiert die Spielregeln. Für Kreative, die auf reibungslose Workflows angewiesen sind, ist das ein Risiko, das man nicht unterschätzen sollte. Mach einer wird sich da an Versuche erinnern, eine alte CS6-Version auf anderer Hardware zu installieren. Weil Adobe die Server zur Kontrolle der Seriennummern abgeschaltet hat, ist die Lizenz nach Ablegen des Rechners auf dem sie ursprünglich installiert war, nutzlos geworden.
Digitale Souveränität: Wunsch und Wirklichkeit
Die Sehnsucht nach Unabhängigkeit wächst angesichts solcher Erfahrungen. Das gilt vor allem für die Datenhaltung. 72 Prozent der europäischen Unternehmen halten die Kontrolle über ihre Daten für essenziell, doch mehr als 70 Prozent setzen weiterhin auf amerikanische Cloud-Anbieter. Der Widerspruch könnte kaum größer sein. Das Land Schleswig-Holstein zeigt, dass es auch anders geht: Dort werden 30.000 Behörden-Arbeitsplätze auf Linux und LibreOffice umgestellt, 80 Prozent sind bereits geschafft. Dänemark wagt im Digitalministerium den Abschied von Microsoft Office und setzt auf Open-Source-Lösungen. Mit Euro-Office entsteht eine europäische Alternative, getragen von Unternehmen wie IONOS und Nextcloud. LibreOffice erreicht eine Nutzerzufriedenheit von etwa 82 Prozent. Sicher kein Allheilmittel, aber ein Schritt in Richtung Selbstbestimmung.
Digitale Souveränität ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Wer sich auf die Gnade der großen Anbieter verlässt, riskiert, dass zentrale Werkzeuge von heute auf morgen unbrauchbar werden. Gerade für Kreativ-Profis, die auf funktionierende Software angewiesen sind, ist das mehr als ein Ärgernis – es ist eine Gefahr für die eigene Produktivität.
Der steinige Weg aus der Komfortzone
Natürlich ist der Umstieg auf Alternativen kein Selbstläufer. Komplexe Excel-Tabellen, Makros und gewohnte Arbeitsabläufe lassen sich nicht immer eins zu eins übertragen. Doch jeder Schritt weg von der Monokultur ist ein Gewinn an Freiheit. Es geht nicht darum, alles Vertraute über Bord zu werfen, sondern darum, Wahlmöglichkeiten zu schaffen. Nur wer wählen kann, bleibt unabhängig.
Die Tech-Giganten agieren längst wie moderne Feudalherren. Sie verleihen uns Werkzeuge, bestimmen die Regeln und nehmen sie uns wieder weg, wenn es ihnen passt. Wer kreativ arbeitet, braucht aber Freiheit, nicht digitale Leibeigenschaft. Vielleicht ist jetzt der richtige Moment, die eigenen Ketten zu prüfen. Möglichst bevor das nächste ablaufende Zertifikat den Workflow lahmlegt.





Das alles liegt daran, dass es schleichend mit Windows 7 keine Personal Computer gibt. Das, was M$ vorgelebt hat, haben viele Softwarehersteller gerne mitgemacht. Bei einem Personal Computer hat der Nutzer weitgehend die Kontrolle, aber auch die Verantwortung über den Computer. Das alles begann damit, dass man nicht mit der mit der gekauften Lizenz erhaltenenen Seriennummer eine Software (inklusive Betriebssystem, das ja auch nur eine Software ist) aktivieren konnte. Der Vorgang der Aktivierung einer auf unbegrenzte Zeit erworbene Nutzung einer Lizenz pervertierte zu einem Zwang der Aktivierung beim Hersteller der Software. Noch weiter ging die Kontrolle, als diese Softwarefirmen eine regelmäßige Verbindung der Software mit dem Hersteller verlangten. Gibt es die nicht, funktioniert sie nicht mehr.
Damit ist man von der Existenz der Herstellerfirma abhängig, geht diese in Konkurs, wird sie verkauft, kann mich sich die gekaufte unbegrenzte Lizenz auf den Hut stecken.
Ich habe aus guten Gründen (seit der Anfangszeit von Apple, als die quasi einen IBM-PC mit einer Motorola-CPU genaut haben) von dem angebissenen Apfel Abstand genommen. Ich mag geschlossene Systeme nicht, wer sie mag soll sie verwenden. Doch wenn ich hin und wieder etwas darüber lese erkenne ich, dass es dort ähnlich läuft.
Es gibt mit Linux ein inzwischen passables BS, dass sowohl M$ als auch Apfel ersetzen kann. Das gilt für Büroanwendungen. Die Vielfalt der Software im Grafikbereich von PCs mit Windoof oder iDioten gibt es nicht. Das ist das Problem bei einem Umstieg zu Linux. Da Anwendersoftwarefirmen am Futtertrog von M$ und Apfel gut leben gibt es natürlich keine Linux-Versionen von z.B. Grafikprogrammen. Oder hat jemand schon ein PS für Linux gesehen? Oder ein Capture One? Oder eine PhotoLab?
Versagt haben einerseits die professionellen Anwender die einfach mitmachen, andererseits, und das ganz besonders, die Regulierungsbehörden. Die EU hat hier total versagt. Die haben die Entwicklung hoffentlich nur verschlafen, denn ansonsten käme man auf Ideen die eigentlich Gerichte beschäftigen müssten.
„seit der Anfangszeit von Apple, als die quasi einen IBM-PC mit einer Motorola-CPU genaut haben“
Sie meinen den Apple II? Der war tatsächlich das Vorbild für den IBM-PC. Mit dem Apple II führte Apple schon 1977 das Konzept eines Computers ein, der auf seiner Hauptplatine mehrere Steckplätze für Erweiterungskarten hatte und damit flexibel erweiterbar war. Angefangen mit einer 80-Zeichen-Karte, mit der man auf dem Bildschirm 80 statt nur 40 Zeichen pro Zeile anzeigen konnte, und das ging bis zu einer Z80-Karte, die mit ihrem Zilog-Z80-Prozessor praktisch ein eigenständiger Computer mit dem Betriebssystem CP/M war. Der eigentliche Prozessor des Apple II war ein 6502 von MOS Technology, also keine Motorola-CPU. Allerdings kann man den 6502 als Weiterentwicklung des Motorola 6800 ansehen – die Entwickler des 6502 hatten vorher für Motorola gearbeitet und dann ihr eigenes Unternehmen gegründet.
Vier Jahre nach dem Apple II nahm IBM die Architektur dieses ersten persönlichen Computers als Vorbild für ihren eigenen PC, der statt des von Apple verwendeten 6502 mit 8 Bit einen Intel-8088-Prozessor hatte, eine 16-Bit-CPU mit 8-Bit-Datenbus. Der Nachfolger IBM PC XT bekam dann einen 8086-Prozessor, der mit den vollen 16 Bit auf das RAM zugreifen konnte.
Erst Apples Macintosh (1984) hatte tatsächlich einen Motorola-Prozessor, den MC 68000, einen 32-Bit-Prozessor mit 16-Bit-Datenbus. Dem Macintosh fehlte allerdings die Erweiterbarkeit durch Steckplätze, die den Apple II und den IBM PC ausgezeichnet hatten. Solche Steckplätze kehrten erst mit dem Macintosh II und seinen sechs NuBus-Slots wieder zurück (1987, als Steve Jobs, der von so viel Erweiterbarkeit nichts hielt, dort nichts mehr zu sagen hatte). Gleichzeitig wurde der Macintosh SE mit einem einzigen Steckplatz eingeführt.
Guten Morgen, wenn du dein Wissen über Linux / Ubuntu auf den neusten Stand bringst, wirst du sehen was allles möglich ist.
Gruß Kalle
Es gibt häufig Unterschiede zwischen erlebten Geschehnissen und dem, was man aus Geschichtsbüchern erfährt.
Doch besonders interessant finde ich das Ignorieren des Themas des Blogs.
Nun, ich habe ihnen geschildert, wie ich die Entwicklung der Computertechnik erlebt habe – ich arbeite ja schon seit den 70er Jahren mit Computern und kenne die damals verfügbare Hardware aus eigener Erfahrung. Geschichtsbücher dazu habe ich nicht gelesen; das mache ich nur, wenn es um Ereignisse vor meiner Zeit geht.
Dass Sie das Thema des Artikels ignorieren und sich auf einem Nebenkriegsschauplatz austoben, steht Ihnen natürlich frei, aber mir steht es frei, Geschichtsklitterungen zu korrigieren.
Nanana, „Geschichtskliterung“ – dass Sie sich an den Geburtstag des Zilog Z80 erinnern, mag ja für Sie befriedigend (und für das Thema des Arttikels sowas von unsagbar egal) sein, jedenfalls haben Sie den TO nicht verstanden. Er hat ein weiteres Beispiel von gefährlichem Vender lock in und dem Ausgeliefertsein von Nutzern angesprochen, das schon beim Betriebssystem beginnt. Dass er dabei den heiligen Apfel nicht ganz so doll findet, ergibt sich aus der Sache.
Die Behauptung war, dass der Apple II eine Art IBM PC mit Motorola-Prozessor gewesen sei, während es tatsächlich gerade umgekehrt war: Der IBM-PC war, vier Jahre später, eine Art Apple II mit Intel-Prozessor – und übrigens hatte keiner dieser Computer einen Motorola-Prozessor. Diese falsche Behauptung sollte seine Abneigung gegen Apple begründen, aber da sie eben falsch ist, bleibt offen, warum Peter Gradischnigg Apple nicht mag. Er schreibt, dass er gegen geschlossene Systeme sei – das geht vielen so –, aber der Apple II war ja kein geschlossenes System. Es war gerade seine Erweiterbarkeit durch Produkte von Drittanbietern, die ihn als Vorbild für den IBM-PC empfahl.
Tatsächlich gab es eine Phase, in der Apple auf geschlossene Systeme setzte, aber das waren nur die knapp zwei Jahre zwischen 1984 und Ende 1985. Danach verließ Steve Jobs das Unternehmen und die daraufhin eingeführten Macintosh-Modelle wurden wieder offener.
Nebenbeibemerkt: Aus Erfahrung weiß ich natürlich, dass ich Peter Gradischnigg niemals von irgendetwas überzeugen werde, aber wenn hier Quatsch erzählt wird, korrigiere ich das – nicht für ihn, sondern für die Mitleser, die vielleicht noch jünger sind und die Geschichte nicht kennen. Zu irgendetwas muss es ja gut sein, dass man schon älter ist und sich trotzdem eines guten Gedächtnisses erfreut.
„Diese falsche Behauptung sollte seine Abneigung gegen Apple begründen, “
Nein.
Er benutzte die (fehlerhafte) Darstellung der physischen PC-Entwicklung als (ungenaues) Beispiel dafür, dass die Abschottung schon früh begann. Und man möge ja alles glauben, aber dass Apple ein freies System sei, ist ja nun wirklich ein (schlechtes) Märchen.
Zum Artikel:
Er ist, wie leider so viele zum Thema, ein schwacher.
Keine Silbe zu GIMP…
„Wir lernen: Wer die Kontrolle über die Infrastruktur hat, diktiert die Spielregeln. “
Das müsst ihr lernen? Das ist ein ziemliches Armutszeugnis – angesichts dessen, dass ihr zu so vielen Themen so schlau seid.
Guten Morgen Herr Gradischnigg,
Ihren Eingangstext möchte ich nicht kommentieren, dazu klingt er in meinen Ohren zu sehr nach indifferentem Rundumschlag, aber Ihr Hinweis, es gäbe häufig Unterschiede zwischen erlebten Geschehnissen und dem, was man aus Geschichtsbüchern erfährt, macht mich neugierig. Was meinen Sie denn damit konkret?
Die Software wurde einst als Dauerlizenz verkauft, obwohl man schon damals wusste, dass das Zertifikat ablaufen würde. Auch ich kann nicht auf Windows 11 umsteigen, weil meine Hardware zwar technisch einwandfrei läuft, aber eine Konfiguration bei der Installation ein für WIN 11 zwingend vorhandenes Sichreheitsmerkmal nicht installierte.
Ich sehe es mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Die Entwickler und Pfleger der Software, die ich täglich nutze, sollten auch morgen noch von den Früchten Ihrer arbeit leben können. Wenn aber über ein Vielfaches darüber hinaus Geld verdient würde, wäre das nicht fair.