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Die Druckertinten-Verschwörung

Die Druckertinten-Verschwörung

Foto und Montage: Doc Baumann

Wenn VW zu Lasten von Umwelt und Kunden den Schadstoffausstoß seiner Dieselmotoren manipuliert, wird daraus – zu Recht – ein Riesenskandal. Darüber, dass uns die Drucker-Industrie betrügerisch Tintenpatronen andreht, die gezielt Falschmeldungen über ihren Füllstand melden, scheint sich dagegen kaum jemand aufzuregen.

Zum ersten Mal hörte ich von diesen Machenschaften, als ein TV-Magazin von einem Software-Experten die allzu frühe Meldung unter die Lupe nehmen ließ, die Druckerpatrone sei leer und müsse durch eine neue ersetzt werden. Der Profi schaute sich die Sache genauer an und stellte fest, dass der eingebaute Chip der Kartusche diese gezielte Falschmeldung verursachte. Ein kurzer Reset, und schon reichte der Füllstand wieder.

Eine ähnliche Erfahrung machte ich vor einiger Zeit, als ich mir einen neuen Rechner zulegte, um daran einen großen 4K-Fernsehmonitor betreiben zu können (siehe DOCMA 72, Seite 84 ff.). Dabei stöpselte ich auch den Drucker an den neuen Computer. Der hatte mich schon seit Wochen davor gewarnt, dass bald die Schwarz-Patrone leer sein würde, und die drei Farb-Patronen würden es auch nicht mehr lange machen – was mich erstaunte, da ich fast nie farbig ausdrucke.

Nun gut, dachte ich, wenn der Drucker das so sieht und die abrufbaren Füllstände tatsächlich knapp über leer rangieren, besorge ich mir mal vorsichtshalber neue, damit ich nicht losfahren muss, wenn ich gerade ein paar wichtige Seiten ausgeben will.

Doch, welch Wunder! Kaum hatte ich den Drucker an den neuen Rechner angeschlossen, war von bedenklichem Füllständen nicht länger die Rede. Im Gegenteil: Alle vier Patronen wurden als nahezu voll angezeigt. Es geht hier also nicht um Einschätzungen wie „halb leer“ oder „halb voll“, sondern um Maximalwerte: „knapp vor dem Ende“ oder „fast bis zum Rand gefüllt“. Man könnte meinen, da habe es sich nur um einen Anzeigefehler gehandelt – aber die zuvor angeblich fast leeren Patronen versehen noch immer problemlos ihren Dienst und die vorsichtshalber neu angeschafften Ersatzkartuschen verstauben auf dem Schreibtisch.


Die Druckertinten-Verschwörung: Kundenbeschiss und Umweltfrevel


Mein Drucker-Hersteller hat vorgesorgt. Als ich dasselbe – hervorragend getestete und hinsichtlich der Druckqualität überzeugende – Modell zum ersten Mal kaufte und die Tinte – angeblich – zur Neige ging, besorgte ich mir natürlich nicht die überteuerte Originaltinte, sondern preisgünstigen Ersatz, angeblich mit angepasstem Chip. Das Ergebnis war, dass der Drucker keinen Mucks mehr von sich gab und der Schlitten mit den Druckköpfen nur noch mit einem Brecheisen zu bewegen gewesen wäre.

Das machte mich sehr ärgerlich, aber wegen der Druckqualität kaufte ich die Hardware dennoch wieder. Nun lerne ich, dass der Hersteller mich gleich mehrfach verarscht. Er lässt seine manipulierten Patronen drohenden Leerstand melden, wenn davon tatsächlich noch gar keine Rede sein kann, und er hindert mich daran, eigentlich problemlos funktionierenden Ersatz zu kaufen, indem er sein Gerät mit Sensoren ausstattet, die das erkennen und den Drucker automatisch in den Schrottzustand versetzen.

Ob man das nun als die Druckertinten-Verschwörung oder schlichten Beschiss bezeichnen mag, ist egal. Aber wie im Falle von VW – gegen andere Hersteller wurden inzwischen ähnliche Verdachtsmomente geäußert – geht es um Faktoren, die die klassischen Merkmale einer Verschwörung aufweisen: Die Initiatoren operieren in Geheimen, und sie setzen eigene (Profit-) Interessen zulasten Dritter durch.

Der Hersteller vermehrt auf diese Weise seinen Gewinn, indem er uns mit manipulierten und betrügerischen Maßnahmen das Geld aus der Tasche zieht. Das schadet nicht nur uns als Verbrauchern, sondern es schadet auch der Umwelt, da wertvolle Rohstoffe auf dem Müll landen, die eigentlich noch lange benutzt werden könnten. Die Konzerne verhalten sich also in hohem Maße verantwortungslos, da sie nicht nur ihre Kunden betrügen, sondern auch – wie etwa VW – erhebliche Umweltschäden verursachen.

 

Die unverschämteste Begründung für solchen geplanten Verschleiß las ich kürzlich in der Antwort eines Industriesprechers auf die Interviewfrage, wieso immer mehr Haushaltsgeräte nach vergleichsweise kurzer Zeit unbrauchbar werden: Das sei quasi eine unentgeltliche Zusatzleistung der Hersteller, um die Kunden darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Geräte nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und daher durch neue ersetzt werden sollten. Undankbar, wie ich bin, weiß ich diese großzügige Geste nicht angemessen zu würdigen.


Gratisbeigabe: Neues vom Horror-Clown Dagobert: Out of control


Wenn sich der neue USA-Herrscher mal nicht mit Superlativ-gespickten Primitiv-Sätzen über Twitter an seine Anhänger wendet, sondern ausnahmsweise den feindselig gesinnten Pressevertretern direkt gegenübertritt, gibt es bekanntlich immer etwas zu lachen und zu weinen (und das aus denselben Anlässen).

Wo es derzeit nun so aussieht, als breche Trump alle Rekorde und habe wegen vielfältiger Kontakte von Mitarbeitern zum russischen Geheimdienst bereits nach wenigen Tagen im Amt sein Watergate vor sich, kann er sich trotz tiefer Abneigungen gegen unseren Berufsstand nicht dauerhaft hinter seine Handy-Tastatur zurückziehen, sondern muss notgedrungen vor die Pressemeute treten.

Und was verkündete er da am 16. Februar 2017: „We have to find out what’s going on because the press, honestly, is out of control. The level of dishonesty is out of control.“ („Wir müssen herausfinden, was da abläuft, denn die Presse ist – ganz ehrlich – außer Kontrolle. Das Ausmaß an Unehrlichkeit ist außer Kontrolle.“)

Nun wissen nicht nur Sozialpsychologen, dass der Redeeinschub „ehrlich gesagt“ häufig darauf hinweist, dass das Gegenteil der Fall ist. Das gilt schon bei normalen Menschen. Bei jemanden wie Trump (alternative Fakten) kann man es geradezu als Beleg dafür nehmen, dass die Wahrheit sich wieder mal schamhaft in eine dunkle Ecke verkrochen hat.

Erstaunlich ist dennoch, wie viel Wahrheit unbeabsichtigt zwischen den Worten hervorsickert: Denn zu einer „außer Kontrolle geratenen“ Presse gibt es ja nur eine sinnvolle Alternative: deren Kontrolle. Damit verstößt der Präsident gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten, genauer: den ersten Zusatzartikel zur Verfassung mit dem Grundrechtekatalog, 1791 vom amerikanischen Kongress verabschiedet. Armes Amerika!

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  1. epemsl

    Hallo, Doc Baumann.
    Schön dass mal jemand darüber gesprochen hat – und jetzt?
    Was sollen wir bitte mit dieser Info anstellen?
    Sollen wir jetzt alle unsere Farblieferanten boykottieren? Oder die Druckerfarben Mafia mit Mails überhäufen?
    Wenn ich wenigstens wüsste was ich bei einem „Reset“ beachten und wie ich vorgehen müsste, könnte mich das schon weiterbringen.
    (Leider davon nichts zu finden)
    Die Druckerfarben Preise sind eine Schande und reine Abzocke. Und dann dazu noch dieser Betrug mit der Chip Programmierung . Ich kann mir nicht „mal eben so“ einen Satz neuer Patronen zulegen, denn die sind a….teuer! Die Hersteller von Farbpatronen dürften beim Anblick ihrer Umsätze nicht mehr aus dem grinsen und Schenkel klopfen heraus kommen.
    Eine Institution wie Sie, könnte doch eher etwas mehr Druck erzeugen, aber potentielle Werbekunden will man ja auch nicht unbedingt verschrecken. Das ist eine Zwickmühle.
    Also was machen?
    Trotzdem, es hat mal jemand darüber gesprochen!
    Danke Doc Baumann!

  2. Doc Baumann

    Leider bin ich kein Techniker oder Hardware-Spezialist. insofern kann ich den verschiedenen Kommentaren zu diesem Artikel auf Facebook nur entnehmen, dass es so was wie Resetter gibt – ich habe aber keine Ahnung, wie man die einsetzt. Und ehe ich da was Falsches schreibe mangels Kompetenz, halte ich lieber die Klappe. Vielleicht kann das ja einer der Facebook-Kommentatoren näher erklären?
    Auch, wenn’s schwer fällt und im Einzelfall Anzeigen storniert werden: Aber an angemessener Kritik lassen wir uns auch durch gute Beziehungen zu Werbekunden nicht abhalten. Das haben wir ja im Heft oft genug bewiesen. Die Partner sind darüber nicht immer glücklich – aber wir bleiben ja sachlich, und auch Werbekunden schätzen uns, weil wir glaubwürdig sind. Das kann nicht nur in Richtung Produktbejubelung gehen. Um allerdings Druck auszuüben, solche kunden- und umweltfeindlichen Maßnahmen anzustellen, reicht unser Einfluss leider doch nicht aus. Die Poltiker schaffen es ja nicht mal, die geplante Obsoleszenz in den Griff zu kriegen. Viele Grüße, Doc Baumann

  3. mlfotoart

    Den Drucker (Chip) auszutricksen ist recht einfach.
    Die vermeintlich leere Patrone rausziehen und wieder einstecken. Danach wird man gefragt ob die Patrone erneuert wurde. Dieses mit JA bestätigen und schwups hat man wieder ne volle Patrone im Drucker. So funktioniert es jedenfalls bei meinem (Bruder) 😉

    • hubertus0

      Bei Canon leider nicht, habe es probiert…

    • coffy

      Danke für den Tipp!!!! Mit Veröffentlichung dieses Artikels wollte mein Drucker nicht mehr. Seltsamerweise sind beider leer obwohl ich vor gar nicht langer Zeit eine neue Patrone gekauft habe.
      Ich probiere diesen Trick mal aus und hoffe das er klappt, das die Dinger leer sein sollen will mir einfach nicht in den Kopf bei 1 mal drucken im Monat.

  4. peterbilt06

    Nun ja, so einfach geht das wohl bei den wenigsten Druckern. Nach einem Druckertausch (Garantie) hat mein HP-Gerät nicht mal mehr die fast neuen und vollen Patronen vom ausgetauschten Drucker „verstanden“. Also musste ich sie mit einem weinenden Auge entsorgen. Bei einem Patronensatz immerhin ein Wert von 109 €. Der ganze Drucker kostet 10 € weniger. Da überlegt man schon, ob sich Tintenkauf noch lohnt, nur leider sind in Neugeräten nur Patronen mit geringem Inhalt eingebaut.

  5. hubertus0

    Willkommen in der Welt des Turbo-Kapitalsimus, lieber Doc.
    NUR Wachstum zählt, doch wohl auch bei Euren Auflagenzahlen, oder?
    Bei den Bauern (bin selber keiner, aber ein Junge vom Dorf…) gilt schon lange die Devise: Wachsen oder weichen.
    Warum sollten da die Tintenrührer eine Ausnahme bilden?
    – Vor ca. 100 Jahren wurde die Lebensdauer der Glühlampe auf ca. 1000 Stunden künstlich begrenzt, die Industrie ließ sich wundervolle Ausreden dafür einfallen, alle mit dem Tenor, es sei letzten Endes zu Nutz und Frommen des Verbrauchers. Nachzulesen u.a. in dem Buch von Eduard Rhein „Du und die Elektrizität“ aus dem Jahre 1940 (!!!).
    Später wurde dann z.B. die Service-Intervallanzeige für unsere Autos erfunden. Glaubt wirklich jemand, dass der Bock krepiert, wenn man den Ölwechsel nicht penibelst nach Anzeige durchführen lässt? – Tut er nicht, habe es ausprobiert…
    Oder die viel gerühmten LED-Leuchten mit den 100.000 Brennstunden: Stimmt schon, die LED’s können so lange halten. Die fest eingebaute Vorschaltelektronik durch die thermische Belastung aber niemals…
    Die Beschiss-Diesel von VW wurden ja schon erwähnt, selbst wenn jemandem die Umwelt völlig piepegal sein sollte, muss er immer noch für den in der Realität weit höheren Verbrauch, der die Prospektangaben bei jedem Tankstop Lügen straft, berappen.
    Und da soll ich mich jetzt über die Tintenfässer mit dem Mogelchip aufregen?
    So ein Resetter kostet nur ein paar Euro. Oder man geht mit den leeren Patronen zur Tintentankstelle, der meist langhaarige Bartträger hinter dem Tresen befüllt sie neu und setzt auch den Chip zurück.
    Ich denke darüber nach, als nächsten Photodrucker den Epson Sure-Color P800 anzuschaffen. Der hat Tintentanks mit 200 ml Inhalt, statt nur deren 10 oder 15, wie es sonst üblich ist…
    Der Literpreis für Tinte bewegt sich ja ohnehin weit über dem Niveau von teurem Parfum, darüber regt sich allerdings niemand auf.
    Bei dem Epson mit den großen Tanks bewegt er sich dann aben auf dem Niveau von Rasierwasser, ist doch fein…
    Ich muss übrigens unbedingt mal den Kilopreis von feinster Lingerie berechnen, ich wette, der liegt über dem Goldpreis, aber: Egal…

    Entspannte Grüße von Hubert

    P.S.: Was hat der Trump damit zu tun???

  6. dunkelmann

    Seit vielen Jahren verwende ich (mit einer Ausnahme) in A4 Canon-Pixxma Drucker. Originalpatronen ca. 12 € das Stück. Dann baute ich den Drucker mit speziellen Chips um. Es wurden dann nur nur Tintenpatonen ohne Chip gebraucht. Patronenpreis bei ca. 1,20€. Aber trotzdem umständlich und nicht ganz zuverlässig. Dann kamen Patronen mit Chip (und allen netten Beigaben wie funktionierender Anzeige des Tintenfüllstands)für 0,90-1,20€ das Stück. Man muß allerdings sagen, mit diesen Tinten sollte man keine Ausstellungsstücke (die Jahre halten sollen) drucken. Für Bürokram, Werkstattzeichnungen etc. jedoch ausreichend.
    Und jetzt die Ausnahme: Mein Epson Stylus R3000.
    Damit verwende ich einen Spezialpatronensatz und die Pigmenttinten von Farbenwerk. Die Ersparnis bei den Tinten ist beachtlich. Mit dieser Kombination bin ich sehr zufrieden.
    Leider findet man die Taktik „billiges Gerät und teure Verbrauchsmaterialien“ nicht nur bei Druckern sondern z.B. auch bei Blutzuckermessgeräten. Gerät kostet fast nichts, aber bei den Sensorstreifen und Lanzetten wird kräftig zugelangt. Gibt da sicher noch mehr Beispiele.
    Grüße vom
    Otto

  7. augenblickpunkt.de

    Ich finde interessant, dass das Thema geplante Osoleszenz (wozu auch das Druckertinten-Problem gehört) seit Jahrzehnten die Gemüter erhitzt, aber den hier jeweils tatsächlich vorliegenden Betrug niemand gerichtsfest prüft und dokumentiert und vor Gericht klären lässt.
    Das und ein paar andere Fragen rühren an den Grundfesten unseres Systems.
    Solange bei den Kameras, den Smartphones, den Autos und vielen vielen weiteren Produkten der Kunde immer häufiger und immer lauter nach Neuigkeiten schreit, sollten wir uns mal schön alle selber an die Nase fassen.
    Und solange wir uns hier im Netz aufregen, lachen die betrüger weiter über uns.
    Startet doch mal ein Crowdfunding -Aktion, die in paar Hunderttausend Euro einsammelt und erstellt dann mal ein paar Handfeste Gutachetn und startet ein paar ordentliche Sammelklagen, statt hier (und vor allem im Fratzenbuch) immer nur zu lamentieren, wie schlecht doch die Welt sei.
    Die Welt ist so gut oder so schlecht, wie die Menschen sie sein lassen.
    Solange wir dem Profit als höchstem Wert und dem Zinseszins als seinem Sklaven untertänigst und unwidersprochen dienen, wird sich nichts ändern.
    Als nächstes wird uns das Bargeld genommen und damit der letzte Stein in die Versklavungsmauer gesetzt.
    HIER werden wir daran nichts ändern, denn wer sich im Netz aufregt, hat keine Zeit, auf die Straße zu gehen.

  8. lichtblitzer38

    Die Leute haben alles gesagt ! Besser gehts nicht. Da brauche ich nicht noch meinen Senfs dazugeben.
    Das trostlose bleibt, da keine Lösung ins Sicht, offensichtlich!?

  9. schwarzfuss

    Hat schon mal jemand Epson Eco Tank oder NEU Brother Inkbenefit auf Tauglichkeit für Fotos testen können, damit wäre zumindest das Patronenproblem kurzfristig lösbar ?

    Ansonsten müssten zukünftig Testinstitutionen auf die Umwelteinstufung von diesen Müllschleudern drängen und die Kisten am besten stark abwerten. Der Umweltaspekt sollte zu 55% in eine Bewertung eingehen.

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