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Was ist mit den Geschäftszahlen bei Nikon los?

Nikon hat gestern nicht nur die Geschäftszahlen für das zweite Quartal veröffentlicht, sondern auch eine Restrukturierung angekündigt – Was ist bloß mit den Geschäftszahlen bei Nikon los? Damit zieht der Kamerahersteller mitten in einem (nun obsoleten) Dreijahresplan die Notbremse, streicht den Managern ihre Boni und will rund 1000 Mitarbeiter für einen freiwilligen vorzeitigen Ruhestand gewinnen.

Nikon kann im nächsten Jahr ein Jubiläum feiern, denn 1917 wurde das Unternehmen gegründet. Von Feierlaune ist aber nichts zu spüren, wenn man die Meldungen von gestern liest. Dabei hatte Nikon einen Dreijahresplan aufgelegt, der das Unternehmen auf Wachstumskurs bringen sollte und der erst zur Hälfte absolviert ist. Nun wird er abgebrochen, weil die Geschäftsergebnisse in einem eklatanten Missverhältnis zu den Planzahlen stehen. Einen Reingewinn von 30 Milliarden Yen hatte man prognostiziert. Nach den neuesten Prognosen wird Nikon das Geschäftsjahr aber mit einem Verlust von 6 Milliarden Yen abschließen.


Geschäftszahlen bei Nikon: Dreijahresplan fehlgeschlagen


Der Dreijahresplan hatte darauf beruht, die etablierten Geschäftsbereiche, von denen der für unsereins interessanteste Imaging-Bereich der Wichtigste ist, zu stabilisieren, und gleichzeitig in zukunftsträchtigen Geschäftsbereichen wie der Medizintechnik und der Messtechnik stark zu wachsen. Beide Ziele hat Nikon verfehlt, denn der Gewinn in den Kernbereichen ging zurück, während die neuen Bereiche zwar tatsächlich ein Wachstum zeigten, aber nicht in dem Maße, in dem man sich das erhofft hatte. Vor allem die Rückgänge im Imaging-Bereich, beim Umsatz um 32% und beim Gewinn um 9% gegenüber dem Vorjahr, schlagen auf das Geschäftsergebnis durch.


Geschäftszahlen bei Nikon: Wer ist schuld?


Die Schuld daran ist nicht allein bei Nikon selbst zu suchen, denn die Fotoindustrie wie auch die exportorientierte japanische Industrie insgesamt leiden unter denselben Randbedingungen. Einerseits hat die Fotoindustrie weltweit zunehmend Probleme, sich gegenüber den Smartphones zu behaupten; insbesondere die Verkäufe bei den Kompaktkameras brechen ein – das gilt für Nikon, aber ebenso für alle Mitbewerber. Es bleibt nur, dieses Segment so schnell wie möglich aufzugeben und sich auf die Nischen zu beschränken, in denen man sich von den Smartphones absetzen kann. Das sind hochwertige Kompaktkameras mit großen 1-Zoll-Sensoren, Kameras mit großem Zoombereich und Actioncams. Andererseits hat die japanische Industrie unter dem starken Yen zu leiden, der ihre Produkte außerhalb Japans immer teurer macht. Großbritanniens Volksentscheid für den Brexit hat den Yen noch einmal aufgewertet und der Regierung wie der Notenbank Japans bleiben kaum noch Mittel, hier korrigierend einzugreifen.

Geschäftszahlen bei Nikon: Mit der Actioncam KeyMission 360 stößt Nikon in ein neues, erfolgsträchtiges Geschäftsfeld vor.
Mit der Actioncam KeyMission 360 stößt Nikon in ein neues, erfolgsträchtiges Geschäftsfeld vor.

Nikon = Actioncams?

Dass Nikon zur photokina nur seine Actioncams vorstellte, wurde in der Szene mit Kopfschütteln aufgenommen, aber diese Produktpolitik macht durchaus Sinn; Actioncams sind nach wie vor populär und da aktuell der Wechsel von Full-HD (2K) auf 4K ansteht, gibt es hier einen großen und attraktiven Markt. Auf diesem Markt sind allerdings viele Hersteller aktiv und Nikon kann kein besonderes Renommee geltend machen.

 


Stirbt das Nikon-1-System?

Entscheidender dürfte sein, wie sich Nikon im Segment der Systemkamera positioniert, und hier blieb der Hersteller bislang die Antwort schuldig. Bei den Spiegelreflexkameras der Marktführer Canon und Nikon hatte sich zuletzt eine gewisse Langeweile breitgemacht. Die größere Dynamik gibt es im spiegellosen Bereich, in dem Canon wie Nikon deutlich schwächer aufgestellt sind. Während aber Canon mit der EOS M5 gezeigt hatte, dass sie dieses Segment ernst nehmen, scheint das Nikon-1-System einen langsamen Tod zu sterben; aufgrund seines 1-Zoll-Sensorformats ist dieses System ohnehin ungeeignet, sich gegenüber Kleinbild-, APS-C- oder selbst Micro-FourThirds-Kameras zu behaupten. Manches spricht dafür, dass Nikon dieses System aufgibt, aber eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

Geschäftszahlen bei Nikon: Die Zukunft von Nikons spiegellosem 1 System ist unklar.
Die Zukunft von Nikons spiegellosem 1 System ist unklar.

Im Bereich der Spiegelreflexkameras ist der Markt mittlerweile überschaubar. Canon und Nikon dominieren hier, während Ricoh/Pentax zeigt, dass die Kleinen manchmal die originelleren Lösungen anbieten. Im spiegellosen Segment dominieren dagegen Sony beim Kleinbild und Fuji bei APS-C; im Mittelformat läuft es auf einen Endkampf zwischen Fuji und Hasselblad hinaus. Wie sich Canon und Nikon zukünftig positionieren wollen, ist unklar.

Nikons Antwort besteht aktuell darin, Kosten zu reduzieren – durch Optimierungen im Fertigungsbereich, durch den Abbau von Mitarbeitern (Entlassungen sind nicht geplant; stattdessen will man ältere Arbeitnehmer für den Vorruhestand gewinnen), aber auch durch die Streichung der Boni für das Management. Wie sich das für die Kundschaft sichtbar auswirken wird, ist noch unklar,ebenso die Auswirkung auf künftige Geschäftszahlen bei Nikon. Nikon will sich auf Produkte mit großer Gewinnmarge konzentrieren, sagt aber nicht, welche das sind. Bei Nikon ebenso wie bei Canon vermisst man eine klare Strategie, wie man sich den Kameramarkt in, sagen wir, fünf oder zehn Jahren vorstellt. Es ist gut möglich, dass beide Marktführer dann eine deutlich reduzierte Rolle spielen werden.

Michael J. Hußmann
Michael J. Hußmann
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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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7 Kommentare

  1. Nikon ist in Bezug auf Canon einfach total eingeschlafen. Die Crop-Kameras sind mittlerweile ein Witz ggü Canon, nur der Sony-Sensor reisst etwas raus. Das Blitz-System ist völlig veraltet. Die Profi-Kameras reichen für den Markt den Aus. Der Markt der Action-Cams ist am Boden, dank der hervorragenden Konkurrenz aus China und Nikon ist hier einfach zu viel spät dran. Im Bereich hochwertiger Android-Knipsen hat Nikon absolut NULL zu bieten und die Apps, die es gibt, sind funktionstechnisch einfach ein absoluter Witz. Nikon braucht sich also nicht wundern. (sagt ein Nikon-Benutzer seit 2012).

  2. Nun, wie wäre es statt mit einem 3-Jahresplan mit einer Qualitätsoffensive?
    Früher hatte man das Gefühl, mit einer Nikon könne man auch einen Nagel in die Wand hämmern. Heute sind wir von diesem Gefühl weit entfernt. Und wenn dann noch bei der kaum zwei Jahre alten Coolpix xx der Auslöseknopf daherfliegt, bei der drei Jahre alten Coolpix P7000 der Stützakku vorzeitig den Geist aufgibt, so dass ich jetzt nach jedem Akkuwechsel meine Einstellungen erneut eingeben darf – dann ist halt die nächste Kamera KEINE Nikon mehr. Gewinnoptimierung ist nett. Qualität für’s Geld aber langfristig deutlich besser….

  3. Auch Canon und Sony haben keine glänzenden Zahlen geliefert, nur sind diese Konzerne nicht so stark vom Kamerageschäft abhängig. Die Kamerasparte bei Olympus ist schon traditionell negativ, das Segment fällt allerding beim Konzernumsatz kaum noch ins Gewicht – da kann und will man sich das wohl leisten. Ob also Nikon besondere Probleme hat?

    Es fällt mir schwer, das zu beurteilen, da ich seit 2014 keine Hersteller-Marktanteile mehr gesehen habe (Frage an die Redaktion: wo sind die Marktanteile von 2015?). Aktuell kenne nur die CIPA-Daten, und da liegen die Spiegel-Kameras nur immer 3:1 vor den Spiegellosen. So gesehen ist es gar nicht schlecht, das Nikon sein Standbein im größeren Marktsegment hat. Der Trend zur Spiegellosen sich in der Zukunft verstärken, aber für die jetzigen Umsatzergebnisse sind die Verkäufe hier und heute wichtig.

    Die Nikon-Kameras sind in keiner Weise aufregend. Gediegen? ja. Aber ich glaube nicht, dass jemand wg. der D5600 Herzklopfen bekommt. Nur, was fehlt? Was haben andere, was Nikon nicht hat? Schwer, was zu finden. Video vielleicht? Das scheint Nikon wenig Know-how zu haben. Canon und Sony haben schon seit langen eigene Videokameras. So gesehen ist es klug, sich mit den Actioncams Video-Know-how zu erarbeiten.

    »Die größere Dynamik gibt es im spiegellosen Bereich« Entschuldigen Sie, Herr Hußmann, aber diese Aussage könnte man verbessern. Da gibt es viel Potenzial nach oben, sehr viel Potenzial. Die Dynamik hängt vom Sensor ab, und der kommt bei Nikon und Sony aus derselben Fabrik. Nur zu Ihrer Information: der Spiegel wird bei während der Aufnahme aus dem Strahlengang geklappt und beeinflusst daher das Bild – und die Dynamik – nicht (so zumindest mein Kenntnisstand).

    Laut DXOmark hat die Nikon D810 mit 14,8 Blenden die höchste Dynamik aller getesteten Kameras, danach folgt die Pentax K-1, dann kommen weitere sechs Nikons und dann erst eine spiegellose Sony. Anscheinend gelingt es Nikon, die Sony-Sensoren in der Dynamik durch eigenes Know-How noch zu verbessern. Wenn einer mit der Dynamik Probleme hat, dann Canon. Die beste Canon, die 5D Mark IV liegt mit 13,5 Blenden gerade mal auf Rang 33. Noch schlechter als Canon ist nur noch die Spiegellos-Fraktion: Fuji, Olympus und Panasonic (alle so bei 12,x Blenden).

    Wenn der Spiegel überhaupt etwas mit der Sensordynamik zu tun hätte, müsste der Satz lauten: Die größere Dynamik gibt es im Spiegel-Bereich.

  4. »Die größere Dynamik gibt es im spiegellosen Bereich«
    bezieht sich ausdrücklich NICHT auf kontrastumfang, sondern auf marktanteile.

    Nicht Kontrastumfang, ja könnte sein.

    Marktanteile? Welche? CIPA veröffentlicht weltweite Marktgrößen und da ist der Spiegel-Markt immer noch dreimal so groß wie der Spiegellose, das Verhältnis verschiebt sich aber langsam. Da der eine Bereich genauso schnell bzw. langsam abnimmt wie der andere zu, sind beide Bereiche gleich dynamisch.

    Marktanteil der einzelnen Hersteller im Spiegellos-Segment? Es wäre möglich, dass sich die Marktanteile der eizelnen Spiegellos-Hersteller öfters ändern. Allerdings wäre das eine reine Vermutung, da mir nicht bekannt wäre, dass irgendwo mal Hersteller-Marktanteile veröffentlicht worden wären. Die GfK hätte Zahlen, aber die sind teuer und nicht öffentlich zugänglich.

    Es könnten Modellzyklen gemeint sein. Sony ist sehr flott im Modellwechsel, während Fuji eher längere Produktzyklen pflegt. Auch hier sehe ich keinen klaren Unterschied zwischen mit und ohne Spiegel, nur zwischen einzelnen Hersteller.

    Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass weder der Kontrastumfang noch Marktanteile noch Produktzyklen mit Dynamik gemeint sind. Es bleibt geheimnisvoll.

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