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NIKKOR Z 24-105mm f/4-7.1: Genialer Kompromiss oder fauler Zauber?

Wie vereint man einen flexiblen Brennweitenbereich, hohe Bildqualität, geringes Gewicht und einen attraktiven Preis in einem einzigen Gehäuse? Mit dem neuen NIKKOR Z 24-105mm f/4-7.1 unternimmt Nikon einen weiteren Versuch, diese Gleichung zu lösen. Doch die technischen Daten allein werfen bereits die entscheidende Frage auf, die den Nutzwert für ambitionierte Bildgestalter definiert: Ist dieses Objektiv ein bewusst eingegangener und damit cleverer Kompromiss für die mobile Fotografie oder erkauft man sich die Leichtigkeit mit zu vielen optischen Zugeständnissen? Wir haben die Fakten analysiert und ordnen das neue Reisezoom für Sie ein.

Die nackten Zahlen: Was steckt im Gehäuse?

Auf dem Papier liest sich das NIKKOR Z 24-105mm f/4-7.1 wie die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches vieler Z-Fotografen. Mit einem Gewicht von lediglich rund 350 Gramm und einer Transportlänge von unter 11 Zentimetern empfiehlt es sich als unauffälliger Begleiter, der in keiner Fototasche zur Last fällt. Der Brennweitenbereich von 24 Millimetern im Weitwinkel bis zu 105 Millimetern im leichten Telebereich deckt die gängigsten Aufnahmesituationen von der Landschafts- über die Reportage- bis hin zur Porträtfotografie ab. Damit positioniert es sich als klassisches „Immerdrauf“-Objektiv für Anwender, die maximale Flexibilität bei minimalem Gepäck schätzen.

Interessant für Kreative, die gerne nah ans Motiv gehen, ist die kurze Naheinstellgrenze. Sie liegt bei nur 20 Zentimetern am kurzen und 28 Zentimetern am langen Ende des Zooms. Dies ermöglicht einen beachtlichen Abbildungsmaßstab von 1:2, was dem Objektiv eine ausgeprägte Makro-Fähigkeit verleiht. Detailaufnahmen von Texturen, Produkten, Flora und Fauna oder den kulinarischen Highlights auf Reisen rücken damit in den Bereich des Möglichen und eröffnen Spielräume für eine Bildsprache, die über die übliche Reportage hinausgeht. Der verbaute Schrittmotor (STM) sorgt dabei für eine leise und flüssige Fokussierung, was nicht nur diskretes Fotografieren unterstützt, sondern vor allem auch für Videofilmer relevant ist, die keine störenden Geräusche in ihren Tonaufnahmen dulden. Ein programmierbarer Einstellring sowie der Staub- und Spritzwasserschutz runden das Paket praxisgerecht ab.

Im Feld: Nutzwert und Zielkonflikte

So weit, so gut. Die entscheidende Auseinandersetzung mit dem Objektiv beginnt jedoch bei der Betrachtung der Lichtstärke. Eine variable Anfangsblende von f/4 bis f/7.1 ist ein klares Bekenntnis zur Kompaktheit und zum günstigen Preis – und gleichzeitig die größte Einschränkung für den professionellen Einsatz. Diese Sparsamkeit bei der Lichtstärke limitiert die Möglichkeiten bei schwachem Umgebungslicht erheblich.

Ebenso verhält es sich mit der Fähigkeit zur Freistellung. Die gezielte Trennung des Motivs vom Hintergrund durch eine geringe Schärfentiefe ist ein zentrales Gestaltungsmittel. Mit einer Offenblende von f/7.1 im Telebereich lässt sich nur noch ein sehr begrenztes Bokeh erzielen. Die Bildwirkung wird tendenziell flächiger und dokumentarischer ausfallen, was nicht per se schlecht sein muss, aber den kreativen Werkzeugkasten merklich einschränkt. Hier muss man bewusst entscheiden, ob die Gewichtsersparnis von mehreren hundert Gramm gegenüber einem f/4- oder gar f/2.8-Zoom diesen gestalterischen Verzicht rechtfertigt.

Für wen also ist dieses Objektiv konzipiert? Es richtet sich eindeutig an den pragmatischen Fotografen. An den Reiseblogger, der für seine Bildstrecken eine unkomplizierte Lösung sucht. An den Dokumentarfilmer, der mit leichtem Gepäck unterwegs ist. Und an den Amateur, der die Bildqualität seines Vollformatsensors nutzen möchte, ohne die schwere und teure Profi-Ausrüstung zu schultern. Für diese Zielgruppe stellt das NIKKOR Z 24-105mm f/4-7.1 eine überaus sinnvolle Ergänzung des Z-Systems dar. Es ist kein Objektiv für den spezialisierten Low-Light-Künstler oder den Porträt-Profi, der auf ein butterweiches Bokeh aus ist. Es ist vielmehr ein relativ flexibles „Immer-drauf“, dessen Stärken – Mobilität, Vielseitigkeit und Makro-Fähigkeit – genau dort zum Tragen kommen, wo lichtstarke Profi-Zooms aufgrund ihres Gewichts und ihrer Größe im Hotelzimmer bleiben. Es ist also weder ein fauler Zauber noch ein Wunderwerk, sondern ein ehrlich kalkulierter Kompromiss für den, der weiß worauf er sich einlässt.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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