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Elektrisch berechnete Objektive bei Leitz und Zeiss

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Sowohl Leitz als auch Zeiss verfügten sehr früh über elektrische Rechenanlagen zur Objektivberechnung. Leitz erhielt 1953 die vom Computerpionier Konrad Zuse entwickelte Z5, seinerzeit „die größte Rechenanlage Europas“. Das Vorgängermodell Z4 kann heute noch im Deutschen Museum in München bestaunt werden. Bei Zeiss in Jena zog 1955 der erste DDR-Computer namens Oprema (Optik-Rechenmaschine) ein, an den heute nur noch eine Gedenktafel in Jena erinnert. Nur wenige Jahre später wurden beide Rechenanlagen durch leistungsstärkere Modelle für elektrisch berechnete Objektive ersetzt.

Über die technischen Eigenschaften der ersten Anlagen wurde ausführlich berichtet: Wie viele Relais wie schnell rechneten und wieviel Zeit bei welchen Rechenoperationen gespart wurde. Zur Z5 gibt es eine Menge Berichte, die immer noch verfügbar sind, wie zum Beispiel dieser. Der Spiegel veröffentlichte 2013 einen Artikel zur Oprema. Im Hinblick auf erzielte Ergebnisse und Verbesserungen finden sich vergleichsweise wenige Informationen. Vieles wurde nur in Form von Fachaufsätzen veröffentlicht.

Bei Zeiss hat vom Computereinsatz zunächst die Weiterentwicklung der Flektogon-Baureihe profitiert. 1950, über 30 Jahre nach Erfindung des Kleinbildformats, war dass Zeiss Flektogon 35/2.8 als erstes Weitwinkelobjektiv für Kleinbildkameras erschienen. Seine optische Leistung ließ noch viele Wünsche offen. 1963 ermöglichte es in seiner letzten Bauform eine Naheinstellgrenze von 18 Zentimetern und bot für ein Weitwinkelobjektiv zu dieser Zeit eine überdurchschnittliche Abbildungsqualität. Als sehr gut gelten auch die Flektogon-Modelle mit 20 Millimeter Brennweite. Sie wurden von 1961 bis 1976 produziert und sind heute um 300 Euro zu haben. Auch das 1965 erschienene Pancolar 50/1.8 – es galt zu dieser Zeit als eine der besten Normalbrennweiten – dürfte vom Computereinsatz profitiert haben. Wer Hintergrundwissen zu DDR-Objektiven von Zeiss aus dieser Zeit sucht, wird hier fündig. Die kryptisch anmutenden Objektivnamen in den 1970er Jahren werden in diesem Blog-Beitrag entschlüsselt.

Flektogon 35 2.8. Elektrisch berechnete Objektive bei Leitz und Zeiss
Das Flektogon 35/2.8 in seiner letzten Bauform, die 1963 auf den Markt kam und eine Naheinstellgrenze von 18 Zentimeter ermöglichte.
Flektogon Verlauf. Elektrisch berechnete Objektive bei Leitz und Zeiss
Knackige Schärfe und weiche Farbverläufe, das Flektogon 35/2.8 gehört auch heute noch zu den interessanten Weitwinkelobjektiven.
Flektogon alt neu. Elektrisch berechnete Objektive bei Leitz und Zeiss
Elektrisch berechnete Objektive bei Leitz und Zeiss: Auch das Pancolar 50/1.8 dürfte zu den Objektiven gehören, die von den ersten DDR-Computern profitiert haben.

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Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

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