Rezension

Blog

Vorher-Nachher-Bilder

Die Gletscher verschwinden. Nicht nur im fernen Grönland, sondern auch vor unserer Haustür, in den Alpen. Der Klimawandel und seine Folgen sind hier direkt ablesbar. Das Buch „Gletscher – Klimazeugen von der Eiszeit bis zur Gegenwart“ von Gernot Patzelt stellt Aquarelle des frühen 19. Jahrhunderts und aktuelle Fotos von Alpengletschern gegenüber. Vorher-Nachher-Bilder kennen wir aus unterschiedlichen Bereichen: Voluminöse Damen und Herren mit über den Gürtel schwappenden Bäuchen und traurigem Gesichtsausdruck – strahlend und mehr oder weniger gertenschlank nach vorgeblicher Einhaltung einer beworbenen Diät; eine flotte Frisur samt attraktivem Make-up statt strähniger Haare. Oder auch das: Stadtansichten vor dem Zweiten Weltkrieg – derselbe Ausschnitt mit zerbombten Ruinen – ein aktuelles Foto derselben Szenerie. Bei Bildern von Gletschern ist es leider andersherum:…

Mehr
Blog

Rembrandts Selfies

Es ist das Jahr der Malergiganten-Todestage: Erst 500 Jahre Leonardo (am 2. Mai), dann am 4. Oktober 350 Jahre Rembrandt van Rijn. Passender Anlass für den Taschen Verlag, um gleich drei große Bände zum Werk dieses Künstlers herauszubringen: Einer mit dem graphischen, ein weiterer mit dem malerischen Werk, sowie ein dritter Band, der ausschließlich seinen Selbstporträts, sozusagen „Rembrandts Selfies“, gewidmet ist. Doc Baumann hat ihn für Sie angeschaut. Lassen Sie mich damit beginnen, wie ich Rembrandt als großen Künstler entdeckt habe. Ich muss damals so etwa 12 oder 13 gewesen sein und verbrachte nach der Schule viele Nachmittage im Kasseler Museum. Mal schaute ich mir die Steinzeit-Werkzeuge an, dann saß ich vor der Marmorstatue des Apolls und zeichnete sie in…

Mehr
Blog

Die besten Illustratoren

Es gibt etliche Übersichtsbände über vorbildliche Illustrationen und ihre Schöpfer/innen, die jeweils als die besten Illustratoren vorgestellt werden. Viele dieser Bücher sind Jahresbände; die letzte Ausgabe von „Illustration Now!“ ist 2014 erschienen. Nun präsentieren die beiden Herausgeber einen dicken Wälzer mit dem Titel „The Illustrator – 100 Best from around the World“. Doc Baumann hat ihn für Sie angeschaut. Im DOCMA-Heft oder hier im Blog stelle ich immer wieder Übersichtsbände mit aktuellen Illustrationen vor: Etwa die Jahresbände der News York Society of Illustrators, die auf phantastische Illustrationen spezialisierten „Spectrum“-Ausgaben, Lürzers „200 Best“ mit dem Fokus auf digital entstandenen Werken – und vor längerer Zeit auch Bände der „Illustration Now!“-Reihe, deren letzter bereits vor fünf Jahren erschienen ist. Die Herausgeber dieser…

Mehr
Bücher

Digitale Auferstehung der Antike

Digitale Auferstehung der Antike? Die Idee, archäologische Stätten digital zu rekonstruieren und so zu einer visuellen „Auferstehung der Antike“ beizutragen, ist eigentlich zu begrüßen. Dank 3D-Technik werden so jahrtausendealte Gebäude und Ortschaften wieder zum Leben erweckt. Leider hat Doc Baumann an dem gut bebilderten Buch jedoch einiges auszusetzen. Wie mag es hier wohl damals ausgesehen haben – zu jener Zeit, als Tausende Menschen zwischen den Gebäuden ihren täglichen Verrichtungen nachgingen? Diese Frage stellen sich Tourist/innen immer wieder, wenn sie durch ausgegrabene Orte schlendern. Von deren Häusern und Tempeln sind oft nicht mehr als ein paar Grundmauern und herumliegende Säulen übrig geblieben. Um zu erahnen, welcher Anblick sich vor Jahrtausenden an solchen Stätten bot, fehlt den meisten von uns vielleicht nicht…

Mehr
Blog

Wie machen Sie Informationen sichtbar?

Stellt man Kunstwerke nicht allein der Kunst wegen her, so macht man sich in der Regel Gedanken darum, wie sich für Betrachter am besten Informationen sichtbar machen lassen – Zusammenhänge, Entwicklungen, Absichten … Ein gerade erschienenes Buch zeigt erstmals die lange Geschichte der Informationsgrafik auf. Sie lernen dabei nicht nur, wie Visualisierung funktioniert, sondern auch, dass Menschen sie schon seit vielen Jahrhunderten gezielt eingesetzt haben. Manche Menschen machen Kunst um der Kunst willen. Das Schlagwort „l’art pour l’art“ entstand bereits Anfang des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Derartige Kunst ist im Wortsinne selbstgenügsam; sie verzichtet auf die Wiedergabe sichtbarer Realität, überhaupt weitgehend auf jeglichen Bezug zu ihr. Es reicht ihr – und ihren Produzent/innen –, reine Form zu sein und als…

Mehr
Blog

Altmeisterlich

Als Fotografen und Bild-Montierer haben wir es meist mit sogenannten gegenständlichen Bildern zu tun, also solchen, die sichtbare Wirklichkeit erkennbar wiedergeben. Diesen Anspruch hat die zeitgenössische Kunst nur noch selten. Wer es dagegen altmeisterlich mag und meisterliche  Gemälde zu schätzen weiß, kommt um den Maler Michael Triegel kaum herum. Doc Baumann hat sich das neue Buch mit seinen Werken für Sie angeschaut. Man mag die Kunst der Moderne schätzen – man muss es aber nicht. Seit sie es Anfang des 20 Jahrhunderts aufgegeben hat, Sichtbares erkennbar darzustellen, seit die Wirklichkeit des Bildes gleichberechtigt neben die Wirklichkeit des Abgebildeten getreten ist, ohne sich weiterhin auf dieses zu beziehen, hat sich der Realitätsbezug von Kunst grundlegend gewandelt. Man kann das als Freiheit…

Mehr
DOCMA Artikel

Buchvorstellung: Fotografieren mit Wind und Wetter

Sachbücher liest man gewöhnlich nicht zum Zeitvertreib, sondern wegen ihres Nutzwerts. Der Leser beschäftigt sich mit Fragen, deren Beantwortung er im Buch zu finden hofft. In der Reihe „Interview mit einem Buch“ befragt Michael J. Hußmann Fachbücher, um herauszufinden, welche Antworten sie geben können. In der aktuellen DOCMA-Ausgabe 85 geht es um den Band „Fotografieren mit Wind und Wetter“, der Sie Wetterphänomene als Motive entdecken lässt. Fotografen haben oft ein gespanntes Verhältnis zu Wind und Wetter. Extreme Wetterphänomene gelten als Herausforderung für die Ausrüstung, weshalb gegen Spritzwasser abgedichtete Kameras und Objektive bevorzugt werden. Allenfalls versucht man, aus dem Wetter, das man nun mal nicht ändern kann, wenigstens das Beste zu machen und auch Hagel, Regen und Sturm noch spannende Motive abzutrotzen.…

Mehr
Blog

Die Geschichte des Graphic Design von 1960 bis heute

Bereits Ende Mai hatte ich Ihnen den ersten Band der Geschichte des Graphic Design aus dem Taschen Verlag vorgestellt. Er deckte die Entwicklung von 1890 bis 1959 ab. Nun ist der damals angekündigte zweite Band erschienen, der die Zeit bis zur Gegenwart vorstellt. Der großformatige Bildband präsentiert Ihnen in Tausenden von Illustrationen mit wegweisenden Beispielen aus den letzten 60 Jahren. Abgesehen von dem Zeitraum, den dieser zweite Band der Geschichte des Graphic Design abdeckt, ist es schwierig, etwas grundlegend anderes darüber zu schreiben als über den im Frühling dieses Jahres erschienenen ersten. Daher werde ich mich hier in Teilen selbst zitieren müssen, da alle Vorzüge, die ich seinerzeit erwähnt hatte, auch auf die neue Ausgabe zutreffen. Weil die Bildbeispiele aus…

Mehr
Blog

Der bekannteste Künstler unserer Zeit

Wer ist der bekannteste Künstler unserer Zeit? Sie denken jetzt wahrscheinlich darüber nach, wer auf documenta oder Biennale vertreten war, wer eine große Einzelausstellung in einem der führenden Museen der Welt hatte oder wessen Werke in opulenten Bildbänden renommierter Verlage präsentiert werden. Falsch geraten – es ist Robert Jahns! Nie gehört? Dann geht es Ihnen wie Doc Baumann, der hier eigentlich nur ein Buch mit seinen Bildern vorstellen wollte. Kürzlich bot mir ein Verlag eine Neuerscheinung zur Rezension an, die würde – Stichwort: Meister der digitalen Bildbearbeitung – doch gut zu DOCMA passen. Gern – warum nicht? Ein paar Tage später kam das Buch an. Die Bildidee auf dem Cover war nicht schlecht, aber Montagen dieser Art kannte ich etwa…

Mehr
Blog

Fotos kolorieren: Handarbeit schlägt neuronales Netz

Schwarzweißfotos einzufärben ist eine mühsame Angelegenheit. Der handwerkliche Aufwand ist erheblich, die Recherche noch mühsamer, wenn die Farben wirklich stimmen sollen. Doc Baumann hat sich das neue Buch „Die Welt von gestern in Farbe“ angeschaut und die dort abgedruckten Ergebnisse mit den Einfärbungen eines neuronalen Netzes verglichen. Das Buch „Die Welt von gestern in Farbe“ ist ein Geschichtsbuch, das mehr als 200 historische Ereignisse der Zeit zwischen 1850 und 1960 in Bild und Text dokumentiert. Warum ausgerechnet diese Jahre? Weil es ab 1850 brauchbare Schwarzweißfotos gab und nach 1960 überwiegend in Farbe fotografiert wurde. Dan Jones hat die Texte verfasst, Marina Amaral alte Fotos – das Wort Photographien wäre hier schöner – eingefärbt. Doch Fotos kolorieren ist mehr als Handwerk.…

Mehr
Blog

Die Geschichte des Graphic Design 1890–1959

  Gerade ist ein dickes und großformatiges Buch erschienen, das die Geschichte des Graphic Design vom Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in mehr als 2500 Abbildungen dokumentiert. Wozu brauchen Bildbearbeiter und Fotografen einen solchen Band? Nun, neben dem Wissen über die Entwicklung dieser Medien kann man hier viel über die Visualisierung von Ideen für eigene Projekte lernen. Und man findet zahllose Anregungen, wenn es drum geht, hinsichtlich Bildsprache und -aufbau, Farbwahl oder Typo selbst den Stil einer bestimmten Epoche aufzugreifen. Der Riesenband zeigt wieder einmal alle Vorzüge solcher Produktionen des Kölner Taschen-Verlags: Hervorragende Reproduktionen auf gutem Papier, sachkundige Texte, eine angemessene Gewichtung zwischen Überblick und Tiefgang. In diesem von Jens Müller und Julius Wiedemann herausgegebenen Buch…

Mehr
Blog

Ein montierter Papst? Buchvorstellung: Rom – Porträt einer Stadt

  Auch wenn Doc Baumann bei seinem letzten Rom-Besuch in der U-Bahn ausgeraubt wurde, ist diese Stadt für ihn noch immer sein beliebtestes Reise- (und Recherche-) Ziel. Weitaus preisgünstiger, als dorthin zu fliegen, können Sie sich ein Bild der italienischen Metropole dank eines neuen, opulenten Fotobandes des Taschen Verlags machen, der die Stadt in großformatigen Fotos von 1840 bis heute vorstellt. Auch zu Docs Schwerpunktthema Bildmontagen findet sich darin etwas: Ein montierter Papst. Zu der Frage, ob in diesem Buch ein montierter Papst gezeigt wird, komme ich gleich. Eigentlich ist er für dieses Buch nicht besonders wichtig – die Doppelseite mit dem Segen Urbi et orbi von Papst Pius XII im Jahre 1950 über dem Petersplatz macht gerade mal zwei…

Mehr
Blog

Und noch mal das Eszett

  Bereits im Juli 2017 hatte Doc Baumann an dieser Stelle über das ß geschrieben – damals zu dessen offiziell neu eingeführter Variante als Großbuchstabe. Nun widmet er sich diesem einzigartigen Buchstaben erneut, diesmal aus Anlass der Vorstellung zweier Bücher zum Thema.   Mit dem Eszett beschäftige ich mich schon recht lange; 1991 war ein Artikel über seine Entwicklung der Anstoß zu einer A bis Z-Serie für die „Page“, in der ich die Herkunft unserer Buchstabenformen von den frühesten protosemitischen Texten bis in unsere Gegenwart verfolgte. Als ich wegen der Einführung des Groß-ß vor einigen Monaten noch mal das Eszett zum Thema machte, wurde meine Ablehnung dieses Buchstaben-Monstrums von den Leser/innen teils unterstützt, teils kritisiert. Dem in Typographie-Fragen in Deutschland…

Mehr
Blog

Tolle Bilder! Auch für Rennsport-Muffel

Wenn jemand, den Autos wenig interessieren und Rennsport überhaupt nicht, einen dicken Bildband über die Geschichte dieser Technik-Leidenschaft begeistert durchblättert und stundenlang – scheinbar – historische Fotos ausgiebig studiert, dann müssen sie schon bemerkenswert sein. Doc Baumann hat sich die Montagen aus Fotos und 3D-Objekten des Buches „When Motor Racing was bloody dangerous“ für Sie genauer angeschaut. Zu allem in diesem Buch, was mit der Geschichte des Rennsports zu tun hat, werde ich hier nichts schreiben. Das ist natürlich eine merkwürdige Herangehensweise an ein Buch, welches genau das zum Thema hat. Aber erstens bin ich dafür völlig inkompetent und könnte dann auch gleich ein Buch über das Beschneiden von Rosen oder über die Musik der 30er Jahre rezensieren – und…

Mehr
Blog

Pompeii: Ein gewichtiger Geschenk-Tipp

Weihnachten naht. Suchen Sie ein Geschenk für kunstinteressierte Bildbearbeiter/innen in der Preislage irgendwo zwischen Taschenbuch und Gold, Weihrauch und Myrrhe, dann empfiehlt Ihnen Doc Baumann diese großformatige Neuerscheinung: Der Nachdruck eines Farblithographie-Bandes über die Ausgrabungen von Pompeji aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit Bildbearbeitung hat dieser Prachtband zugegebenermaßen wenig zu tun. Jedenfalls nach aktuellen Maßstäben. Für die damalige Zeit sah das allerdings ganz anders aus, denn damals war die Farblithographie gerade erst im Entstehen, und so war es in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein mutiges Unterfangen, einen dicken Bildband mit mehr als 400 großformatigen Farbbildern in Angriff zu nehmen. Stellen Sie sich vor, Sie müssten, um ein Bild entstehen zu lassen, am Monitor die vier Farbkanäle von…

Mehr
Back to top button
Close