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Bildkritik: Glaube das Unmögliche!

Manchmal komme ich mir vor wie Goethes Zauberlehrling, der die Geister nicht mehr los wird, die er rief – oder weniger pathetisch ausgedrückt: ich bin zutiefst dankbar für jede Einsendung zu schrägen Bildmontagen und Bildbearbeitungsfehlern, ehrlich!

Filmplakat „Die Reise zur geheimnisvollen Insel“ von Warner Brothers

Zunächst einmal ist dieser Satz eine Aufforderung und sollte daher mit einem Ausrufungszeichen abgeschlossen werden. Sonst sind doch solche Plakate voll davon, auch an Stellen, wo sie eigentlich nicht hingehören – warum also diese Zurückhaltung? Mein Kollege Olaf Giermann ist dem Wunsch „Glaube das Unmögliche. Entdecke das Unglaubliche.“ gefolgt und hat es auf dem Plakat für den Film „Die Reise zur geheimnisvollen Insel“ tatsächlich entdeckt. Dafür musste er nicht einmal lange suchen: „Toll, dass die hinteren Personen mit zwischen den Eiern oder Steinen eingeklemmten Beinen so schnell laufen können, was?“
Ist das nun angemessen oder gehört es zu der Art von Schmähkritik, mit der etwas sorgsamer umzugehen ich soeben empfahl? Nun, dass Dwayne Johnson im Vordergrund über die ledrigen Eier von Riesenechsen (?) flankt, ist völlig in Ordnung. Doch die beiden hinter ihm sind einerseits mitten in panischer Flucht dargestellt, stecken aber andererseits zwischen diesen Objekten fest, die ­eigentlich dicht an dicht gepackt sind, und zwischen denen sicherlich niemand stehen, geschweige denn laufen könnte.
Man sollte zwar das Unmögliche nie ganz ausschließen – das aber, wie Sherlock Holmes schon zu Dr. Watson sagte, den wenigen Fällen vorbehalten, wo alles Mögliche erfolglos geblieben ist.

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