Technik

GoPro wird erwachsen – jetzt mit Micro-Four-Thirds-Modell

GoPro hat die Mission-1-Serie angekündigt – drei Kameras, die den bisherigen Action-Kamera-Ansatz des Herstellers in Richtung kompakte Cine-Kamera verschieben. Herzstück der Serie ist ein neuer 50-Megapixel-1-Zoll-Sensor in Kombination mit dem neuen GP3-Prozessor. Preise nennt GoPro noch nicht; die Kameras sollen auf der NAB Show vom 19. bis 22. April in Las Vegas gezeigt werden.

Drei Modelle, unterschiedliche Ausbaustufen

Das Flaggschiff der Serie heißt Mission 1 Pro. Es nimmt Video in 8K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde auf sowie in 4K mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde – ein Zeitlupen-Faktor von 8x. In Full-HD (1080p) sind Zeitrafferbursts mit 960 Bildern pro Sekunde möglich, was einer 32-fachen Zeitlupe entspricht. Zusätzlich bietet die Kamera das sogenannte Open-Gate-Format: Dabei nutzt sie den gesamten Sensor im 4:3-Seitenverhältnis, was in 8K bei 30 Bildern pro Sekunde und in 4K bei 120 Bildern pro Sekunde möglich ist. Open Gate liefert mehr Bildinformation, die sich in der Postproduktion flexibel auf verschiedene Ausgabeformate zuschneiden lässt – ob 16:9 für YouTube, 9:16 für Instagram Reels oder 1:1 für andere Plattformen, alles aus einer einzigen Aufnahme.

Das Basismodell Mission 1 bietet denselben Sensor und denselben Prozessor, ist aber auf 8K bei 30 Bildern pro Sekunde, 4K bei maximal 120 Bildern pro Sekunde sowie 1080p bei 240 Bildern pro Sekunde begrenzt. Die Fotofunktion – 50 Megapixel, Raw-Capture, bis zu 60 Serienbilder pro Sekunde – ist in beiden Modellen identisch.

Das dritte Modell, die Mission 1 Pro ILS (Interchangeable Lens System, also Wechselobjektivsystem), teilt Sensor und Prozessor mit dem Flaggschiff, bringt aber einen Objektivanschluss im Micro-Four-Thirds-Standard mit. MFT ist ein weit verbreitetes Objektivsystem, das von Herstellern wie Olympus, Panasonic und Sigma bedient wird. Über Adapter lässt sich das Spektrum weiter ausdehnen – bis hin zu Teleobjektiven, Makroobjektiven oder Altglas. GoPro gibt an, dass die kamerainterne HyperSmooth-Stabilisierung auch mit Fremdobjektiven mit fester Brennweite funktioniert, sofern diese keine Verzeichnungskorrektur benötigen.

Sensor und Prozessor

Der 1-Zoll-Sensor ist erheblich größer als die Sensoren bisheriger GoPro-Modelle — grob gesagt dreimal so groß wie ein typischer Action-Kamera-Sensor. Das wirkt sich direkt auf die Lichtempfindlichkeit aus: Größere Pixel sammeln bei schlechtem Licht mehr Photonen. GoPro gibt bis zu 14 Blendenstufen Dynamikumfang am Sensor an. Im sogenannten Quad-Bayer-Modus fasst die Kamera jeweils vier Pixel zu einem großen 3,2-Mikrometer-Pixel zusammen – vergleichbar dem Pixel-Binning bei modernen Smartphones, aber auf einem physisch größeren Sensor.

Der GP3-Prozessor nutzt eine 5-Nanometer-Fertigungstechnologie und integriert eine NPU (Neural Processing Unit) – eine auf KI-Berechnungen spezialisierte Prozessoreinheit – für Rauschreduzierung und Bildoptimierung. Die Akkulaufzeit gibt GoPro mit über fünf Stunden bei 1080p/30 und über drei Stunden bei 4K/30 an. Für die Stromversorgung zuständig ist der neue Enduro-2-Akku mit 2.150 Milliamperestunden Kapazität, der auch mit der Hero13 Black kompatibel ist.

Bildqualität und Fotofunktionen

Für Fotografen, die Videomaterial und Standbilder aus einer Hand produzieren, bietet die Mission-1-Serie einige relevante Eigenschaften. Die Kamera speichert Fotos im Raw-Format und schießt Serien mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde. Der SuperPhoto-Modus kombiniert automatische Szenerkennung und HDR-Verarbeitung. Das native Sichtfeld des Objektivs beträgt 159 Grad.

Das rückwärtige OLED-Display (Organic Light-Emitting Diode) ist gegenüber der Hero13 Black um 14 Prozent gewachsen. Die Tasten sind höher und breiter geformt, um die Bedienung mit Handschuhen zu erleichtern.

Wasserdichtigkeit und Robustheit

Mission 1 und Mission 1 Pro sind ohne Gehäuse bis 20 Meter Tiefe wasserdicht. Mit dem optionalen Schutzgehäuse erhöht sich die Tauchtiefe auf 60 Meter. Die Mission 1 Pro ILS ist lediglich wetterfest, da der Objektivanschluss keine vollständige Abdichtung erlaubt.

Zubehör-Ökosystem

GoPro stellt parallel ein neues Zubehörsystem vor. Dazu gehören ein drahtloses Mikrofonsystem mit zwei 10-Gramm-Sendern, 24-Bit-/48-kHz-Audioqualität, Safety-Track-Funktion (eine zweite Sicherheitsspur mit −6 dB) und bis zu 150 Metern Reichweite. Der neue Media Mod erweitert die Anschlussmöglichkeiten um drei 3,5-Millimeter-Buchsen (Mikrofon, Line-in für Timecode-Synchronisation, Kopfhörer) sowie einen Micro-HDMI-Ausgang für externen Monitor oder Live-Übertragung. Für Fotografen, die ihre Kamera vom Stativ aus fernsteuern wollen, gibt es den Volta-2-Akkugriff mit integriertem 5.800-Milliamperestunden-Akku und Fernauslöser.

Verfügbarkeit

Mission 1 Pro, Mission 1 Pro Grip Edition und Mission 1 sind ab 21. Mai 2026 vorbestellbar und ab 28. Mai im Handel erhältlich. Mission 1 Pro ILS, Mission 1 Pro Creator Edition und Mission 1 Pro Ultimate Creator Edition folgen im dritten Quartal 2026. Preise hat GoPro noch nicht genannt.

Johannes Wilwerding

Johannes Wilwerding hat bereits Mitte der Achziger Jahre und damit vor dem Siegeszug von Photoshop & Co. Erfahrungen in der Digitalisierung von Fotos und in der elektronischen Bildverarbeitung gesammelt. Seit 2001 ist er freiberuflicher Mediengestalter und seit 2005 tätig für das DOCMA-Magazin.

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