Der Modding-Guide war fertig – doch es fehlten noch Bilder. Die Zeche Schlägel & Eisen in Herten stand dafür schon lange auf meiner Wunschliste. Ein Besitzerwechsel macht das Gelände jetzt zugänglicher und wurde zum Auftakt meiner NRW-Tour mit einem ganzen Arsenal gemoddeter Objektive.
Mit Einbruch der Dämmerung werden Förderturm und Grubenlüfter illuminiert. Aufkommende Bewölkung verschluckte die blaue Stunde und kurz darauf den Vollmond. Die von drei Polaroid-Optiken erzeugten Bildüberlagerungen lassen die Szenerie unwirklich erscheinen.
Die Zeche Schlägel & Eisen entstand 1873 aus der Konsolidation mehrerer Grubenfelder. Im Jahr 2000 erfolgte die Stilllegung. Danach lange im Besitz der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, wurde das Denkmalensemble aufwendig restauriert. Die Installation der Lichtillumination „Konturen“ von Gunda Förster machte „den weißen Riesen“ zu einer weit sichtbaren Landmarke. Im Januar 2026 übergab die Stiftung das Ensemble an einen neuen Eigentümer: „Ziel der zukünftigen Entwicklung ist es, die Zeche Schlägel & Eisen für die Hertener Bevölkerung wie auch für den Tourismus weiter zu öffnen und noch attraktiver zu machen.“
Konvex adaptierte, leicht nach außen geneigte Polaroid-Objektive, drehbar auf einem ausgedienten Polfilter montiert, ermöglichen ungewöhnliche Bildkompositionen.
Die konvexe Adaption ermöglicht einen höheren Grad an Abstraktion. Alle Effekte entstehen in der Kamera, ohne zusätzliche Hilfsmittel oder Doppelbelichtungen und nur in Ausnahmefällen mit Stativ.
Cambo lizenzierte das Polaroid-Verfahren und brachte 1966 eine Studiokamera mit sehr ungewöhnlich aufgebauten Objektiven auf den Markt.Im 3er-Set erzeugen Cambo-Optiken nah beieinanderliegende Überlagerungen, die sich zusätzlich über ihre Anordnung und Ausrichtung auf der drehbaren Trägerplatte variieren lassen. Ihr Einsatz erfordert Spaß am Experimentieren.
Im 3er-Set planparallel zum Sensor adaptierte Polaroid-Objektive erzeugen einen anderen, nicht weniger reizvollen Look und sind einfacher zu handhaben.
Bei Tageslicht wirkt „der weiße Riese“ weniger eindrucksvoll. Polaroid-Optiken lassen ihn hingegen in den Himmel wachsen. Ein Objektiv erfasst den Turm, das zweite legt die Wolken darüber.
Minimale Veränderungen an alten Objektiven eröffnen neue Bildwelten. Der Modding-Guide bietet fundierte Informationen, praxisnahe Empfehlungen und konkrete Anleitungen zu Auswahl, Kauf, Adaption und Handhabung. Ob modifizierte Klassiker, angepasste Spezialoptiken oder ungewöhnliche Adaptationen: Die vorgestellten Objektive und Techniken eröffnen Fotografen neue kreative Spielräume.
Der Modding-Guide: Über 250 Abbildungen ergänzen den Text, veranschaulichen die Ergebnisse und machen Unterschiede nachvollziehbar. Links und Fußnoten leiten zu weiterführenden Kapiteln und handverlesenen, externen Quellen.
Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.