Software

Hilfreich, aber teuer: MagicSeasons

Die Software MagicSeasons versetzt Landschaftsaufnahmen in jede beliebige Tages- und Jahreszeit.

Zugegeben, es ist schon praktisch, wenn sich eine beliebige Szene mit ein paar Einstellungen jeder gewünschten Jahres- und Tageszeit anpassen lässt, und es ist gewiss einfacher, für diesen Zweck eine Software zu kaufen, als ein halbes Jahr zu warten, bis aus einer Sommer- eine Winterlandschaft wird.
Soviel zur positiven Seite von MagicSeasons. Wobei, auch dies sei zugegeben, die Ergebnisse durchaus sehenswert sind – vorausgesetzt, Sie haben alle Parameter so eingestellt, dass am Ende etwas Brauchbares herauskommt. Dann wird – wie in unserem Beispiel – aus einer Szene Anfang April eine mitten im Winter. Allerdings hat das seinen Preis, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Zunächst einmal nimmt MagicSeasons nach der Installation etwa 32 GB Platz auf Ihrer Festplatte ein, was doch recht erheblich ist und daher eine ganze Weile dauert. Erschwerend kommt hinzu, dass sich das Programm nur als Download erwerben lässt; Besitzer langsamerer Netzanschlüsse könnten mit der Datenmenge des Installers Probleme bekommen. Allerdings verschlingt die Software selbst nicht ganz so viel Speicherplatz, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, denn die unter dem Fragezeichen-Symbol aufrufbare Hilfe-Funktion lässt sich auch unabhängig als PDF-Datei öffnen und bei Bedarf ausdrucken. Hier ist jedoch kritisch anzumerken, dass die rund 7850 Seiten (tatsächlich sind es nur 7839) nur auf Bulgarisch vorliegen.
Es ist absurd, für eine Software so viele Manual-Seiten zu benötigen, wenn der Umgang damit vorgeblich und laut (sprachlich etwas holprigen) Werbeaussagen selbsterklärend sein soll. Davon kann keine Rede sein. Mit Mühe steigt man dahinter, dass die vier großen Kreisregler Jahreszeit, Tageszeit, Wetter und Bewölkung festlegen. Da der Aufbau des Previews nach einer Drehung der Regler selbst auf schnelleren Rechnern mehrere Minuten benötigt, dauert es eine Weile, bis man diese Zuordnungen ohne Handbuch-Lektüre intuitiv nachvollzogen hat. Vollends benutzerfeindlich jedoch sind die zwölf, ebenfalls nicht beschrifteten Farbfelder darunter. Einige stehen für Modifikationen der Vegetation, andere für jahreszeitlich bedingte Anpassungen der Tierwelt. Erst nach langen Experimenten, wie sie kaum ein Anwender in der Praxis schon aus Zeitgründen ausführen wird, steigt man dahinter, dass es auch eine Berücksichtigung geographischer Zonen gibt. Die Sub-Regler reagieren zu empfindlich – waren gerade noch Pinguine auf der Wiese verteilt, so grasen nach einer kaum merklichen Cursorbewegung dort plötzlich Gnus und Zebras.
Die Aufgaben anderer Regler dagegen haben sich uns im DOCMA-Test nicht erschlossen, zumal unser bulgarischer Übersetzer nach Seite 1772 einen lukrativeren Job als Fensterputzer angenommen hat und seine Arbeit unvollendet zurückließ. So haben wir leider zum Termin der Veröffentlichungsfreigabe zum Ersten dieses Monats die Funktionalität noch nicht vollständig nachvollziehen können.
Als wären das alles noch nicht genug Kritikpunkte, lässt der Preis von 19999,99 Euro die Zielgruppe erheblich schrumpfen; selbst das voluminöse Manual versöhnt da nicht wirklich. Die Aufforderung, das Geld in einem Briefumschlag an eine Adresse in der Mongolei zu verschicken, verbunden mit dem Versprechen, die Registrierungsnummer würde umgehend nach Erhalt auf einer „shoenen Ansichtskarte“ zugestellt, entspricht nicht den Anforderungen an Seriosität, die wir als Maßstab unseren Empfehlungen zugrundezulegen pflegen. MagicSeasons läuft ausschließlich unter Windows und Commodore Amiga. Unser Fazit nach ausgiebigem Test: Trotz ordentlicher Qualität – vgl. die fünf Baum-Varianten Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Nachtszene – kann die Software vom Preis-Leistungs-Verhältnis her nicht wirklich überzeugen.
Eine PDF-Kurzfassung des Manuals (leider auch auf Bulgarisch), die auf knapp 1100 Seiten die wichtigsten Parameter erläutert, können Sie hier gratis herunterladen.

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Doc Baumann

Doc Baumann befasst sich vor allem mit Montagen (und ihrer Kritik) sowie mit der Entlarvung von Bildfälschungen, außerdem mit digitalen grafischen und malerischen Arbeitstechniken. Der in den Medien immer wieder als „Photoshop-Papst“ Titulierte widmet sich seit 1984 der digitalen Bildbearbeitung und schreibt seit 1988 darüber.

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