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EU-USB-C-Pflicht: Warum wir auch 2026 noch nicht einfach nur „ein Kabel für alles“ haben

Neulich, beim Versuch, mein Macbook an eine neue Dockingstation anzuschließen, fand ich mich vor einer mehrere Meter langen Zubehörwand in einem Elektronikmarkt wieder. Sie war prall gefüllt mit USB-C-Gerätschaften von Kabeln, über Adapter bis hin zu allerlei Kleingeräten, die mehrere Nützlichkeiten kombinierten. Vor allem die Kabel hatten es mir angetan: Mal schlanker, mal dicker, mal flacher, oft mit geraden, mal mit gewinkelten Steckern, alle mit dem Versprechen universeller Anschlussfreude. Doch wie so oft im Leben: Ähnlichkeit ist nicht gleich Gleichheit. Und schon gar nicht Geschwindigkeit.

Die EU will Ordnung schaffen – und stiftet Verwirrung

Ab April 2026 ist es so weit: Die EU schreibt USB-C als Standardanschluss für alle neuen Kleincomputer vor. Ein Triumph der Vereinheitlichung, könnte man meinen. Endlich Schluss mit dem Sammelsurium aus proprietären Steckern, Ladegeräten und Adapterwüsten. Doch wie so oft, wenn Bürokratie auf Technik trifft, bleibt die Wirklichkeit etwas außen vor. Denn geregelt wird nur das Äußere: also die Hülle, nicht der Kern.

Ob hinter dem USB-C-Anschluss ein lahmer USB-2.0-Kanal mit 480 Megabit pro Sekunde oder ein pfeilschneller Thunderbolt-5-Tunnel mit 120 Gigabit pro Sekunde steckt, interessiert den Gesetzgeber nicht. Für Fotografen und Videokreative, die RAW-Dateien und 8K-Videos jonglieren, ist das ungefähr so hilfreich wie ein Universalwerkzeug, das nur als Flaschenöffner taugt.

Man könnte meinen, die Technikbranche habe sich einen Spaß daraus gemacht, die Übersichtlichkeit absichtlich zu sabotieren. Wer glaubt, mit einem „USB-C-Kabel“ auf der sicheren Seite zu sein, wird schnell eines Besseren belehrt. Nur der Stecker ist genormt, die Leistung bleibt ein Glücksspiel und der Vergleich der „Specs“, also der Produktdaten, ein Muß.

USB-C: Ein Stecker, viele Welten

Wer schon einmal versucht hat, 80 Gigabyte RAW-Fotos von einer Kamera auf eine externe SSD zu schieben, kennt das Dilemma. Mal dauert es eine halbe Stunde, mal nur zwei Minuten. Der Unterschied? Oft ist es nicht die Kamera, fast nie der Rechner, sondern das Kabel. USB-C sieht immer gleich aus, doch seine Fähigkeiten könnten unterschiedlicher kaum sein. Manche transportieren nur Strom, andere Daten, und wieder andere beides, aber nur, wenn sie einen winzigen E-Marker-Chip im Inneren tragen. Die Verpackungen versprechen viel, halten aber selten, was sie suggerieren, wenn man das Kleingedruckte liest.

Wer sich fragt, warum der Transfer von 100 Gigabyte RAW-Fotos mal eine halbe Stunde und mal nur zwei Minuten dauert, findet die Antwort meist im Kleingedruckten.

Kabel sind wie Menschen: Äußerlich ähnlich, innerlich voller Überraschungen

Nicht jedes Kabel, das nach USB-C aussieht, ist auch für den kreativen Alltag geeignet. Der E-Marker-Chip etwa ist so etwas wie der Personalausweis des Kabels: Er verrät dem angeschlossenen Gerät, wie viel Strom und welche Datenrate sicher übertragen werden können. Fehlt dieser Chip, drohen Überhitzung, Datenverlust oder schlichtweg Frust. Besonders tückisch: Viele Kabel, die mit „100W Power Delivery“ werben, übertragen Daten nur im Schneckentempo – USB 2.0 lässt grüßen.

Wer also glaubt, mit dem Kabel aus der Schublade sei alles geregelt, irrt. Die Verpackung verrät selten, ob das Kabel für schnelle Datenübertragung taugt oder nur für das Laden des Smartphones. Und so beginnt das große Rätselraten: Welches Kabel kann was? Wer sich nicht sicher ist, darf gerne ausprobieren – oder gleich zur Thunderbolt-Variante greifen, sofern das Portemonnaie mitspielt.

Kabeltypen, Datenraten, Stromversorgung und typische Einsatzbereiche

Kabeltyp Max. Datenrate Max. Power Delivery E-Marker Pflicht Typische Verwendung
USB 2.0 (Typ-C) 480 Mbps 60W Nein Laden, Peripherie
USB 3.2 Gen 1 (Typ-C) 5 Gbps 60W Nein SD-Karten, einfache SSDs
USB 3.2 Gen 2 (Typ-C) 10 Gbps 100W Ja Schnelle SSDs, 4K-Video
USB 3.2 Gen 2×2 (Typ-C) 20 Gbps 100W Ja NVMe-SSDs, 8K-Video
Thunderbolt 3/4 40 Gbps 100W Ja Pro-SSDs, eGPU, Docking
Thunderbolt 5 80 240W Ja Multi-8K

Die Länge spielt übrigens auch eine Rolle: Passive Kabel sind günstig, aber ab etwa 80 Zentimetern wird’s langsam eng mit der vollen Geschwindigkeit. Aktive Kabel kosten mehr, bringen aber das Signal auch über zwei Meter sicher ans Ziel – zumindest, wenn sie nicht gefälscht sind.

Thunderbolt, USB4 und das Märchen vom universellen Anschluss

Thunderbolt, der Name klingt nach Superheld, und für viele Kreative ist er das auch. Während USB4 technisch auf Thunderbolt 3 basiert, bleibt vieles optional: PCIe-Tunneling, Daisy-Chaining, eGPU-Unterstützung, alles kann, nichts muss. Thunderbolt hingegen garantiert, was USB4 nur verspricht. Wer mit mehreren 4K-Displays, schnellen SSDs und externen Grafikkarten arbeitet, kommt um Thunderbolt kaum herum. Die Kehrseite: Thunderbolt ist selten billig, und nicht jeder Laptop bringt die nötige Hardware mit.

Thunderbolt vs. USB4 vs. USB-C – Was steckt wirklich dahinter?

Feature Thunderbolt 3/4 Thunderbolt 5 USB4 USB-C (USB 3.x)
Max. Bandbreite 40 Gbps 80 Gbps 40 Gbps 5–20 Gbps
PCIe-Tunneling Ja Ja Optional Nein
Daisy-Chaining Ja Ja Optional Nein
eGPU-Unterstützung Ja Ja Optional Nein
Display-Unterstützung 2x 4K/1x 8K Multi-8K Optional 1x 4K
Zertifizierung Pflicht Pflicht Optional Keine

Fazit: Thunderbolt als Rettungsanker im kreativen Datenstrom

Die EU hat mit der USB-C-Pflicht einen Schritt in Richtung Vereinfachung gemacht. Leider nur einen ersten. Für kreative Fotografen und Videoprofis, die Wert auf Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Flexibilität legen, führt an Thunderbolt kaum ein Weg vorbei. Ja, es kostet mehr. Ja, es ist nicht überall verfügbar. Aber wer schon einmal versucht hat, ein 100-Gigabyte-RAW-Archiv über ein USB-2.0-Kabel zu schieben, weiß: Manchmal ist der teuerste Stecker am Ende der günstigste, zumindest, wenn man seine Zeit und Nerven mit einrechnet.

Vielleicht ist das die eigentliche Lektion: Technik ist selten so einfach, wie sie aussieht. Und manchmal beginnt die Zukunft mit einer guten Idee – und endet doch wieder im Kabelsalat.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

5 Kommentare

  1. Für den USB-C-Zwang klopft man sich in der EU-Kommission und im Europäischen Parlament gegenseitig auf die Schulter und verkündet stolz, man habe wieder mal etwas zum Nutzen der EU-Bürger geschafft. Wohl um auf eine positive Regelung verweisen zu können, nachdem bis heute über – längst wieder aufgehobene – Vorgaben von Gurken-Krümmungsradien gespottet wird. (Wobei die EU an Letzterem die geringste Schuld trägt, aber das wäre ein Thema für sich …) Tatsächlich bringt die USB-C-Regelung aber keine nennenswerten Vorteile.

    In den letzten Monaten war ja landauf, landab immer wieder zu lesen, die Stromversorgung diverser Geräteklassen würde auf diesem Wege vereinheitlicht. Die Wahrheit ist allerdings, dass schon seit Jahren ein einziges Netzteil genügt, um alle möglichen mobil eingesetzten Geräte mit Strom zu versorgen beziehungsweise deren Akkus aufzuladen. Es genügt, die 5 Volt des Jahrzehnte alten USB-Standards mit hoher Stromstärke bereitzustellen, und möglichst auch, wie im jüngeren Power-Delivery-Standard spezifiziert, vielfach höhere Spannungen, falls ein angeschlossenes Gerät über die Datenleitungen signalisiert, dass es diese akzeptiert. Kompakte GaN-Netzteile mit hohem Wirkungsgrad (und daher geringer Wärmeentwicklung) können mehrere Geräte gleichzeitig versorgen, womit das Problem der Stromversorgung mehrerer mobiler Geräte im Grunde gelöst ist. Wenn ich auf Reisen gehe, packe ich daher schon seit Jahren nur noch ein einziges Netzteil für Notebook, Smartphone, Kopfhörer, das Ladegerät für die Kamera-Akkus, eine Drohne etc. ein. Diese technische Problemlösung ist seit Jahren verfügbar und bedurfte keiner EU-weiten Gesetzgebung.

    Das einzige verbleibende Problem – wenn es denn eines ist – ist die Vielzahl der Anschlüsse, darunter USB-A, USB-B, USB-C, Mini-USB, Micro-USB, Apple Lightning, Apple MagSafe und noch ein paar andere, deren Namen ich mir nie merken kann. Man braucht zwar nur ein Netzteil, aber mehrere Kabel mit dem jeweils passenden Stecker, um alle seine Geräte anschließen zu können. Die Standardisierung auf USB-C macht nun damit Schluss – oder?

    Mal ganz davon abgesehen, dass man ja nun nicht alle seine Geräte ohne USB-C samt deren Kabeln in einen Sammelbehälter für Elektroschrott werfen und durch USB-C-Geräte ersetzen wird (ich werde sicherlich noch ein paar Jahre mit den anderen Anschlüssen leben), käme man im wortwörtlichen Sinne nicht mit nur einem Kabel aus, selbst wenn man es nur noch mit USB-C zu tun hätte. Unterwegs im Hotel will ich über Nacht alle meine Geräte parallel aufladen, wofür ich weiterhin mehrere Kabel bräuchte, auch nachdem die EU ihren Willen durchgesetzt hätte.

    Aber immerhin wären es dann nur noch gleichartige USB-C-Kabel, die man austauschbar für alle seine Geräte verwenden kann? Dass das nicht so ganz stimmt, haben wir in diesem Beitrag gelesen. USB-C ist eben ein weites Feld, in dem es eine Vielzahl von Substandards für die Stromversorgung und den Datenaustausch gibt, und im Zuge des technischen Fortschritts wird deren Zahl noch weiter zunehmen. Vermutlich werden wir unsere Kabel noch mit irgendwelchen Etiketten kennzeichnen müssen, damit wir für jedes Gerät schnell das jeweils optimale Kabel finden.

    Eine EU-weite – und durch den damit ausgeübten Druck auf alle Hersteller faktisch weltweite – Standardisierung ist ja vom Prinzip her zu begrüßen, aber dass sich die EU bei USB derart abstrampelt, ist mehr Symbolpolitik als dass es einen praktischen Nutzen brächte.

  2. Was hat die EU Vorgabe mit Übertragungsgeschwindigkeiten zu tun? Nichts! Ich freue mich, dass nach und nach alle Geräte über einen USB-C Anschluss ZUM LADEN verfügen und die ganzen proprietären Lösungen verschwinden werden.
    USB-C/Thunderbolt etc. zur Datenübertragung ist in der Tat ein fast nicht zu durschauendes Feld. Ich habe erst letzte Woche bei all meine Kabel die Datenübertragungsgeschwindigkeit geprüft (Blackmagic DiskSpeed, bzw. Systembericht vom Mac) und nur noch die „schnellen“ behalten. Zumindest dieser Flaschenhals ist nun beseitigt.

    1. „Was hat die EU Vorgabe mit Übertragungsgeschwindigkeiten zu tun?“ Zwei Dinge: Zum einen, dass sich wohl kaum jemand zwei USB-C-Kabel für dasselbe Gerät kaufen möchte – eines für die Stromversorgung und ein zweites für die Datenübertragung. Wenn das gerade erworbene Kabel zwar zum Laden taugt, die Datenübertragung aber unnötig ausbremst, hätte man einen Fehlkauf getätigt. Zum anderen wird die Datenübertragung auch für das Laden nach dem Power-Delivery-Protokoll benötigt, und es kommt in der Praxis gelegentlich vor, dass das Laden unnötig lange dauert, weil sich die Geräte nicht auf eine technisch mögliche höhere Ladespannung einigen können.

      Warum die EU-Vorgabe generell wenig echte Vorteile bringt, hatte ich in meinem Kommentar oben ausführlich erklärt.

      1. Ich bleibe bei meiner Meinung: Eine einheitliche Buchse für das Laden vorzuschreiben halte ich für den richtigen Weg. An der Vielzahl der Standards (Laden/Datenübertragung) ist die Industrie Schuld, nicht die EU.

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