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DOCMA Award 2015: Paparazzi-Fotos

Der nächste Award rückt näher, und sein Thema schließt nahtlos an das von 2014 an: Die fotografische Inszenierung von Personen – nur diesmal sozusagen von außen betrachtet und aus einer eher unfreiwilligen Perspektive, der von Paparazzi.

hidden photographing

Foto: Mamuka | Fotolia

Wer von Paparazzi ­fotografiert wird, fühlt sich meist als Jagdwild, zumindest belästigt, mitunter auch geschmeichelt – ist aber immer für die Öffentlichkeit wichtig (zumindest für den Teil von ihr, der die Boulevard-Presse liest).

Manchmal gibt es eine geheime Komplizenschaft zwischen Fotografen und Opfer; der rote Teppich ist eine Art temporäres Studio, auf dem die Stars langsam einherschreiten, verweilen, lächeln, posieren. Unfreiwillige Paparazzo-Fotos dagegen haben eine eigene Bildsprache: oft mit extremem Tele aufgenommen, gelegentlich unscharf, verwischt, schlecht beleuchtet, mit störenden Elementen im Vordergrund; die Opfer auf der Flucht, uninszeniert, in Abwehr­haltung, gar angreifend.

Das Thema „Paparazzi-Fotos“ lässt aber noch andere Interpretationen zu: Aufnahmen von Paparazzi bei ihrer Arbeit, oder Bilder, die das Aufeinandertreffen von Jäger und Opfer zum Gegenstand haben.

Der Begriff entstand übrigens, als ­Fede- rico Fellini 1960 seinen Film La dolce vita in Rom drehte und der Figur eines klebrigen Pressefotografen diesen Namen gab, inspiriert durch den Hotelbesitzer Coriolano Paparazzo aus Catanzaro, von dem er in einem Reiseführer gelesen hatte.

Prominente müssen es hinnehmen, als Personen der Zeitgeschichte fotografiert zu werden. Wie weit die Grenzen dieses Hinzunehmenden in ihr Privatleben ragen, haben immer wieder Gerichte zu entscheiden. Oben-ohne-Fotos am heimischen Pool mögen den einen peinlich sein, bei anderen befördern sie die Karriere.

Unfreiwillig entstandene Paparazzo-Fotos sind das Gegenteil von Selbst­insze­nierung, die das Thema unseres Wettbewerbs 2014 war. Gleichwohl adeln sie ihre Objekte als Personen, an deren Bild andere Interesse haben (auch, wenn sie wo­möglich gern darauf verzichteten). Eine höchst interessante Variante, bei der Jäger und Gejagte unversehens identisch werden, sind übrigens Selfies, da ihre Urheber/innen sie (und sich) für wichtig genug halten, öffentliche Verbreitung zu finden. Dies gilt insbesondere für sogenannte Nudes – Paparazzi würden im siebten Himmel schweben, posierten die von ihnen Verfolgten freiwillig nackt vor ihrer Kamera.

Es gibt also genügend Motive und Zusammenhänge, die sich im thematischen Rahmen dieses Wettbewerbs mit den Mitteln von Fotografie und Bildbearbeitung umsetzen lassen. Ein paar Gedanken und Anregungen dazu finden Sie auf der gegen­überliegenden Seite.

Einsendeschluss wird am 18. April sein; die Ausstellung im Museum für Kom­mu­nika­tion in Frankfurt beginnt am 8. Juli. Gewinn­prämien stellen wir im nächsten Heft vor.

vorschlaege

  • Sie können im Bild jeweils unterschiedliche Perspektiven einnehmen und so entweder die fotografierte/n Person/en zeigen, den/die Fotografen oder – aus der Außensicht –, was zwischen Fotografen und Fotografierten geschieht. Lassen Sie Ihr Bild eine Geschichte erzählen!
  • Fotografierte können sich in verschiedener Weise verhalten: Sie bekommen nicht mit, dass sie aufgenommen werden, ignorieren es, flüchten oder verbergen sich, zeigen Abwehrhaltungen, reagieren aggressiv auf den Fotografen, verfolgen ihn – oder sie nehmen eine Pose ein.
  • Das Umfeld: Straßenszene, beim Aussteigen aus einem Auto, beim Verlassen eines Hauses, in Privaträumen (durchs Fenster aufgenommen), im Garten, am Swimmingpool, am Strand …
  • Die Aufnahmesituation: von einem erhöhten Standort aus (Fenster eines gegenüberliegenden Hauses, Baum, Hügel), aus einem Auto heraus (stehend oder fahrend), allein oder von Paparazzo-Kollegen bedrängt, aus einem Versteck, durch eine halb geöffnete Tür …
  • Bei Aufnahmen aus einiger Entfernung muss naturgemäß ein starkes Teleobjektiv verwendet werden, was bei Montagen zu berücksichtigen ist. Die Kamera kann auf einem Stativ befestigt sein, aber bei spontanen Aufnahmen oder ungünstigem Standort auch in der Hand gehalten werden.
  • Schwarzweiß-Fotos, noch dazu körnige mit Vignettierung, erinnern an ältere Paparazzo-Fotos und haben einen „dokumentarischen“ Charakter – farbige, gegebenenfalls leicht übersättigt, lassen eher Assoziationen zu aktuellen Yellow-Press-Produktionen zu.
  • Die Unfreiwilligkeit und Eile des fotografischen Prozesses bedingen Bildmängel: Bewegungsverwischung, Personen, die teilweise von der Bildkante abgeschnitten werden, störende Objekte zwischen Kamera und Fotografierten, erkennbare Beeinträchtigung durch fotografierende Kollegen …
  • Was macht die Bedeutung der fotografierten Personen und das öffentliche Interesse an ihnen aus? Gibt es erkennbare Attribute? Verbergen/verkleiden sie sich (Sonnenbrille, Hut, Perücke, angeklebter Bart …) ?
  • Wie lassen sich Paparazzo- und Selfie-Fotos zusammenbringen? Fotograf und „Opfer“ werden identisch. Wie lässt sich das visualisieren?
  • Zum Wettbewerb zugelassen sind (bis zu 5 pro Teilnehmer) unbear­beitete oder bearbeitete Fotos und Bildmontagen, ebenso Erweiterungen um digital erstellte grafische und malerische Eingriffe sowie 3D.
  • Eine interessante Lektüre zum Thema ist das (englischsprachige) Katalogbuch von Clement Chéroux (Ed.): Paparazzi! Photographers, Stars, artists, Paris 2014

 

Partner und Sponsoren des DOCMA Awards sind Adobe, Wacom, fotolia, EIZO und Sony. Mit weiteren sind wir im Gespräch.

Dieser Artikel stammt aus der neuen DOCMA-Ausgabe, die Sie im Zeitschriftenhandel bekommen und  in unserem Webshop bestellen können. Wenn Sie sofort weiterlesen möchten, kaufen Sie sich im Webshop die PDF-Version des Heftes.

 

DOCMA62_CoverWeitere Informationen zu dieser Ausgabe finden Sie hier.

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