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Soft release buttons – Nützlich oder Aberglaube?

Gehören Sie zu den Fotografen, die sich einen konkaven oder konvexen Knopf, einen dieser sogenannten soft release buttons, auf den Auslöser ihrer Kamera schrauben, um das Auslöse-Erlebnis zu verbessern? Seit Jahren dauern die Diskussionen an, ob  soft release buttons echte Vorteile bringen oder bloße Geldschneiderei sind.

Soft release buttons – Nützlich oder Aberglaube? Eine Kamera mit aufgeschraubtem „soft release button“ (Quelle: https://lensmateonline.com)

Eine Kamera mit aufgeschraubtem „soft release button“ (Quelle: https://lensmateonline.com)

Aber vielleicht haben Sie ja auch noch nie davon gehört. Das wäre nicht verwunderlich, denn die Auslöser der meisten Kameras haben längst nicht mehr das im vergangenen Jahrhundert übliche Schraubgewinde, in das man Drahtauslöser (fragen Sie Ihre Großeltern, falls ihnen Drahtauslöser nicht vertraut sind) schrauben konnte. Die Leica M hat es aber bis heute und inzwischen sind diverse Kameras im Retro-Look hinzugekommen – Modelle aus Fujis X-Serie beispielsweise –, die ebenfalls dieses Gewinde haben. Und da so ein Gewinde ja dazu verführt, irgendetwas hineinzuschrauben, bieten Zubehörhersteller sogenannte „soft release buttons“ an – kleine Knöpfe, mit denen sich der Druck auf den Auslöser verbessern soll. Ist da irgendetwas dran?

Meist heißt es, dass diese Knöpfe Verwacklungen vermeiden können. Die Mulde der konkaven Buttons soll das Auslösen leichter machen, als wenn man den angeblich nur mit der Spitze des Zeigefingers erreichbaren Auslöser selbst drücken müsste. Allerdings sind die Auslöser durchweg auch ohne aufgeschraubten Knopf gut erreichbar. Etwas plausibler klingt die Theorie hinter den konvexen Buttons: Man soll den Zeigefinger so darüber legen, dass das mittlere Fingerglied den Knopf berührt. Wenn man dann den Finger streckt und das mittlere Fingerglied damit nach unten drückt, löst man aus, ohne die Kamera dabei versehentlich zu verreißen. Diese Technik ist zunächst ungewohnt, aber es mag sein, dass sie einen minimalen positiven Effekt hat. Ein systematischer Nachweis, dass die Knöpfe zu weniger verwackelten Bildern führen, ist mir allerdings noch nicht untergekommen.

Soft release buttons – Nützlich oder Aberglaube? Die aufschraubbaren Auslöserknöpfe sind aus verschiedensten Materialien und mit diversen Designs erhältlich (Quelle: http://www.artisanobscura.com/category/1/soft-releases)

Die aufschraubbaren Auslöserknöpfe sind aus unterschiedlichsten Materialien und mit diversen Designs erhältlich (Quelle: http://www.artisanobscura.com/category/1/soft-releases)

Es steht zu vermuten, dass viele Fotografen nur deshalb Knöpfe auf den Auslöser schrauben, weil sie ihre Kameras damit personalisieren können – und weil sie die Knöpfe schöner als die schmucklosen ab Werk verbauten Auslöser finden. Für diese Klientel bieten Zubehörhersteller solche Knöpfe aus einer großen Zahl von unterschiedlichsten Materialien und mit den verschiedensten Motiven an – besonders beliebt scheinen rote Maikäfer zu sein.

Für besonders schöne Knöpfe muss man allerdings schon mal 30 oder 50 Dollar (plus Versandkosten) ausgeben, und dann ist es um so ärgerlicher, wenn der Knopf verloren geht. Das passiert schneller als erwartet, denn das konische Auslösergewinde ist ja nicht dazu gedacht, etwas dauerhaft darin zu befestigen. Die „soft release buttons“ haben die Eigenheit, sich selbsttätig herauszudrehen, und wenn man sie nicht regelmäßig festzieht, sind sie irgendwann weg. Aber auch hierfür werden in den Foren Ratschläge bereit gehalten: Ein Tröpfchen „Loctite“ hilft, den Knopf in Position zu halten. Ihn wieder zu entfernen, weil man doch einmal einen Drahtauslöser verwenden will, gelingt manchmal nur, indem man den Knopf erhitzt. Alternative Methoden setzen auf Zahnseide oder Gummi-O-Ringe.

Die einfachste Lösung besteht natürlich darin, ganz auf solches Zubehör wie soft release buttons zu verzichten. Wenn der Bildstabilisator nicht ausreicht oder die Kamera keinen hat, ein Stativ nicht verfügbar oder sein Einsatz nicht praktikabel ist, hilft Übung und Atemtechnik vermutlich eher als ein „soft release button“, die Kamera verwacklungsfrei auszulösen. Und was den Aspekt der Verschönerung betrifft, so bestehe ich darauf, dass ein aufgeschraubter Knopf nicht mehr ausrichtet als einst ein Fuchsschwanz am Manta. Sorry.

Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann

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  1. chinese

    Also ich möchte diesen button an meiner kleinen Fuji X30 in keinem Falle mehr missen ! Gerade bei diesen kleinen und für mich etwas „fummeligen“ Kameras empfinde ich diesen button als ziemliche Erleichterung. An meiner DSLR brauch ich das nicht .

  2. Misdemeanor

    Wie bei den meisten Dingen, von denen ich das erste Mal lese, die im Untergrund dafür aber scheinbar seit Jahren schon die Geister scheiden, empfinde ich die Verwendung dieser Buttons als Schwachsinn. Wer seine Kamera als Werkzeug benutzt, was sie nun mal ist, der tut das hoffentlich aus gutem (und dem richtigen) Grund – er kennt es und kann es mit geschlossenen Augen benutzen. Es mag sein dass manch ein Auslöser fummelig ist, aber wer sich eine Kamera mit solchem Auslöser kauft, der wird auch damit zurechtkommen 😉 und verwackelungsfreier aufnehmen, weil man den Button mit Button auslöst? Ja ne, is‘ klar … auch wenn ich meine Kamera mit Accessoires verschönern wollte, dann sicher nicht mit kostenpflichtigen soft buttons.

  3. klawer

    Früher – also in der Zeit der analogen und mehr mechanischen Fotoapparate – hatte jeder Auslöser einer Spiegelreflexkamera ein Gewinde zum Einschrauben eines Selbstauslösers oder einer Erhöhung des Auslöseknopfes. Für mich, der leidenschaftlich gerne fotografiert und filmt und der leider das Handycap eines gelähmten rechten Armes hat, war das eine gute Hilfe, doch noch die Kamera (es gibt bis heute nur Kameras für Rechtshänder)mit rechts auslösen zu können. Ich weiß nicht, ob diese schicken Knöpfe mein Problem mildern würden, aber ich bin für solche Infos immer dankbar

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