Warum liefert das Objektiv einer alten Oszilloskop-Kamera Farben und Bokeh, die moderne Objektive nicht erzeugen können? Die Antwort liegt in seinem ursprünglichen Einsatzzweck: Das Oscillo 56/1.9 wurde für Aufnahmen phosphoreszierender Bildröhren entwickelt. Genau diese Spezialisierung verleiht ihm heute seinen unverwechselbaren Bildlook.
Die spektrale Zusammensetzung des Lichts verändert sich im Laufe des Tages. Da das Oscillo für phosphoreszierende Bildröhren optimiert wurde, können eigenwillige Farbinterpretationen entstehen (MFT-Kamera).
Das Oscillo 56/1.9 ist günstig erhältlich und lässt sich mit geringem Aufwand adaptieren. An APS-C- und MFT-Kameras wird es zum lichtstarken, leichtgewichtigen Mini-Tele. Sein ungewöhnliches Farbrendering und das charakteristische Bokeh eröffnen kreative Gestaltungsmöglichkeiten. In der neuesten Auflage zeigt der Modding-Guide Schritt für Schritt, wie die Adaption gelingt.
Zum Ausbau des Objektivs wird die Tektronix-Kamera zerlegt. Für die gut zugänglichen Schrauben werden ein Kreuzschlitzschraubendreher und Inbusschlüssel benötigt. In nur fünf Schritten ist die Aufgabe erledigt.Oscillo 56/1.9: Überzeugt an MFT-Kameras mit einer äquivalenten Brennweite von 112 Millimetern. Bedeckter Himmel und weiches Licht sind gute Voraussetzungen für Farbinterpretationen mit aquarellartigem Bokeh. Im Interview gibt Naturfotograf Roland Günter weitere Tipps zur Handhabung.
Das Oscillo 56/1.9 wird fast immer zusammen mit der Tektronix-C-30-Oszilloskop-Kamera angeboten. In der aktualisierten und erweiterten 3. Auflage zeigt der Modding-Guide zwei besonders einfach umsetzbare Adaptionen, die sich mit etwas Glück für unter 100 Euro realisieren lassen – inklusive Objektiv, Adapter und Helicoid. Zusätzlich wird etwas Klebstoff benötigt. Heißkleber ist ideal, aber auch UHU Alleskleber erfüllt den Zweck.
Der Modding-Guide führt Schritt für Schritt zum Ziel: von der Auswahl einer C-30-Kamera über das Zerlegen und die Adaption bis hin zur Montage der Streulichtblende und zum Umgang mit der stufenlosen Blende.Das Oscillo-Paragon besteht aus drei Baugruppen. Der vorn mit zwei Schrauben montierte Kunststoffring bringt den Verschluss mit einer Drehung in Stellung T. Ein Druck auf den Pin (unten) öffnet ihn dauerhaft; nochmaliges Drücken schließt ihn wieder. Über den flachen Hebel lässt sich die Blende stufenlos verstellen. Punktuelle Schärfe und eigenwilliges Bokeh sind eindeutige Stärken des Oscillo 56/1.9 (Nikon Z6 Vollformat).Die linke, leicht abgeschattete Seite im Bild zeigte einen deutlichen Blaustich, den eine Schwarzweißkonvertierung beseitigte (Nikon Z6, APS-C-Modus).
Die Blaue Stunde ist mit Oscillo-Optiken früher sichtbar als für das menschliche Auge. Das grau-weiße Holz im Hintergrund zeigt deutliche Blautöne (Nikon Z6 Vollformat).
Oscillo-Paragon 56/1.9 adaptiert an M42- und M52-Helicoid. An APS-C- und MFT-Sensoren entspricht dies einer äquivalenten Brennweite von 84 beziehungsweise 112 Millimetern. Eine Adaption lässt sich mit etwas Glück für unter 100 Euro realisieren lassen – inklusive Objektiv.
Der Modding-Guide: Die kostenlose Kindle-App ermöglicht das Lesen auf PC, Handy und Tablet. Eine Leseprobe lädt zum Ausprobieren ein.
Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.