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Poor Man’s Leica – Teil 3: Hardware oder Herunterladen?

Zwei Telefone nebeneinander, beide mit rotem oder schwarzweißem Leica-Punkt auf der Hülle, beide auf dasselbe Motiv gerichtet. Auf der einen Seite das Leitzphone für 2000 Euro, das die Marke in die Hardware gegossen hat. Auf der anderen das iPhone 17 Pro Max, das in der vergleichbaren Ausführung mit einem Terabyte Speicher ebenfalls um die 2.000 Euro kostet und sich die Leica per App borgt. Preislich also fast gleichauf. Fotografisch trennen sie Welten.


Poor Man’s Leica-Serie Die billigste Art, mit Leica digital zu fotografieren, ist keine Leica, sondern ein Smartphone. Ein dreiteiliger Test der beiden Wege dorthin: Teil 1 seziert die Leica-LUX-App auf dem iPhone 17 Pro, Teil 2 das Leitzphone auf Basis des Xiaomi 17 Ultra, Teil 3 stellt beide gegeneinander, in Bild, Technik und Preis.


Der Sensor, diesmal wirklich größer

Anders als bei den handlicheren Xiaomi-Modellen trifft hier die alte Fotografenregel zu, dass Film- oder Sensorfläche durch nichts zu ersetzen ist als durch mehr Fläche. Der Ein-Zoll-Hauptsensor des Leitzphones ist dem 1/1,28-Zoll-Hauptsensor des iPhones deutlich überlegen, mit grob der zweieinhalbfachen lichtempfindlichen Fläche. Das schlägt sich nieder, wo es zählt: in mehr Zeichnung in den Schatten, in ruhigeren Bildern bei wenig Licht und in einer natürlicheren Trennung von Motiv und Hintergrund. Für das Freistellen bedeutet die größere Fläche einen echten Spielraum bei der Schärfentiefe, auch wenn die beiden Testporträts verschiedene Momente zeigen und keinen pixelgenauen Vergleich erlauben. Ein handfester Beleg für den Sensorvorteil steckt in den Aufnahmedaten: Das Leitzphone belichtete jede Testaufnahme bei ISO 50, das iPhone brauchte ISO 64 bis 125.

Oben iPhone unten Leitzphone: Sofort zu bemerken, das Leitzphone greift stärker in die Optimierung der Bildbelichtung ein und es lässt die Hintergründe gefälliger verschwimmen. Diese Beobachtung teilte auch der hier porträtierte Lois Lammerhuber, seines Zeichens Geo-Fotograf, Fotobuch-Verleger und Direktor des Festivals La Gaciliy Baden Photo.

Beim Tele wird der Abstand zum Abgrund. Das iPhone bietet 48 Megapixel bei 100 Millimeter auf kleinem 1/2,55-Zoll-Sensor. Das Leitzphone stellt ein 200-Megapixel-Periskop mit apochromatischer Leica-Prüfung und stufenloser Optik dagegen, auf einem Sensor, der fast so groß ist wie die Hauptkamera mancher Konkurrenz. Wer viel im Telebereich fotografiert, spielt hier in einer eigenen Liga.

Was die Testbilder zeigen

Legt man Paare am selben Ort von gleichen Standpunkt im Abstand weniger Sekunden aufgenommener Motive nebeneinander, ergibt sich recht klares Bild. Eindeutig ist der Farbcharakter. Das Leitzphone rendert in fast allen Motiven wärmer und kräftiger gesättigt, das iPhone kühler und zurückhaltender.

Wärmer, knackiger, plastischer. Wenn man die beiden Bilder so nebeneinander sieht ist klar, welchem man den Vorzug gäbe. Natürlich lässt sich das obere iPhone-Bild aus der Leica LUX-App ein Stück weit nachträglich in Richtung des Litzphone-Bildes optimieren. Einfacher wäre es dagegen einfach Apples Standard Kamera-App zu nutzen, die ähnlich farbstarke Bilder produziert.
Wärmer, knackiger, plastischer. Wenn man die beiden Bilder so nebeneinander sieht ist klar, welchem man den Vorzug gäbe. Natürlich lässt sich das obere iPhone-Bild aus der Leica LUX-App ein Stück weit nachträglich in Richtung des Litzphone-Bildes optimieren. Einfacher wäre es dagegen einfach Apples Standard Kamera-App zu nutzen, die ähnlich farbstarke Bilder produziert.
Beim Detail gibt es einen klaren Sieger. Wo das iPhone im A-Modus der LUX-App seine weichen Leica-Objektive ausspielt und nur 12 Megapixel liefert, wirkt das Leitzphone spürbar knackiger.
Beim Detail gibt es einen klaren Sieger. Wo das iPhone im A-Modus der LUX-App seine weichen Leica-Objektive ausspielt und nur 12 Megapixel liefert, wirkt das Leitzphone spürbar knackiger.
Wo das iPhone dagegen mit der nativen Kamera oder einem kontrastreichen Look fotografiert, liegt es in der Kantenschärfe fast auf ähnlichem Niveau.
Wo das iPhone dagegen mit der nativen Kamera oder einem kontrastreichen Look fotografiert, liegt es in der Kantenschärfe fast auf ähnlichem Niveau.

Spätestens hier muss man gedanklich trennen: Will man perfekt optimierte Bilder mit extremer Detailschärfe oder verbindet man die erhoffte Leica-Ästehtik mit der Welt analoger Fotos?

Der oft gehörte Satz, das Leitzphone sei grundsätzlich detailreicher, hält nicht unbedingt stand. Was bleibt, ist ein Vorteil bei der Grunddisziplin. Der größere Sensor sammelt mehr Licht, sichtbar an der durchweg niedrigeren Empfindlichkeit, und das zahlt sich in sauberen Schatten aus, nicht aber unbedingt in in feineren Kanten.

Die Software, die Wärme kann und Dunkelheit nicht

Bei gutem Licht spielen beide Systeme ihre Stärke aus, und die Leica Looks zaubern hier wie dort die analog anmutende Wärme auf den Sensor, die den eigentlichen Reiz ausmacht. Doch die App hat ihre Schattenseiten, im Wortsinn. Bei schwachem Licht fällt die LUX-App deutlich hinter Apples Werkskamera zurück, und langsamer ist sie noch dazu. Was als Aufwertung antritt, wird im Dämmerlicht zur Bremse.

Bitterer noch ist ein stiller Verlust, den nur der Dauernutzer bemerkt. Früher ließen sich Bilder aus dem A-Modus der LUX-App noch nachträglich in Apples Fotos-App in ihrer Hintergrundunschärfe justieren. Diese Brücke ist eingerissen, die Funktion verschwunden. Es ist die kleine, alltägliche Enteignung, die man aus der Welt der Software kennt: Eine Fähigkeit, die man schätzen gelernt hat, löst sich über Nacht in einer Versionsnummer auf, ohne Abschied und ohne Ersatz.

Auch die Displays gehören zum Bild. Der Bildschirm des Leitzphones ist um Klassen brillanter als der des iPhones, eine Augenweide im Innenraum. Draußen im Sonnenlicht aber spiegelt er so fürchterlich, dass man sein Motiv häufiger im eigenen Gesicht sucht als auf dem Schirm. Ausgerechnet für die Fotografie unter freiem Himmel wird die schönste Anzeige zum Ärgernis.

Die Rechnung, die alles dreht

Bleibt der Preis, und der macht aus einem Gerätevergleich eine kleine Lehrstunde über Marken. Rein aufs Telefon gesehen liegen beide um die 2.000 Euro. Doch wer das Leica-Komplettpaket aufs iPhone holen will, zahlt noch einmal gut 300 Euro für den LUX Grip und bis zu 100 für die Hülle, die dann bricht, und bekommt am Ende die geliehene Handschrift bei 12 Megapixeln. Hat man schon ein mit der App kompatibles iPhone und will weder Griff noch Hülle, sieht die Preisfrage anders aus: Dann kostet die App 80 Euro pro Jahr (oder 8 Euro ins Monat).

Das Leitzphone dagegen liefert den Ein-Zoll-Sensor und das APO-Tele plus einer mitgelieferten Hülle fürs gleiche Grundgeld frei Haus. Aber auch hier kostet der Xiaomi-Grip im Paket knapp 200 Euro extra. Allerdings wartet das Xiaomi-Photography-Kit, zu dem der Grip gehört, mit einigen Zusatzfeatures auf: Einem adapierbaren Ring, einer Handschlaufe (die das Leitzphone beide schon mitliefert) und einer USB-C-Verbindung zum Telefon, wodurch die interne Kommunikation beschleunigt werden dürfte und die den Grip mit seinem 2000mAh Akku zur Powerbank werden lässt.

Und trotzdem ist das Leitzphone nicht unbedingt die klügste Wahl in diesem Test. Auch wenn man kein Apple-Jünger ist und sowieso nie die Welt des iOS verlassen würde. Denn die wahre Poor Man’s Leica ist keines der beiden Prestigegeräte, sondern das schlichte Xiaomi 17 Ultra für 1.500 Euro, das dieselbe Kamera trägt wie das Leitzphone, nur ohne den roten Punkt und den Ring. Für 200 Euro extra gibt es ja das Kamera-Kit dazu. Wer bereit ist, auf das Standesabzeichen zu verzichten, bekommt die beste Kamera dieses Vergleichs zum niedrigsten Preis. Der rote Punkt macht kein besseres Foto. Er macht ein besseres Gefühl, und dieses Gefühl kostet hier 500 Euro Aufpreis. Und doch gilt der Satz aus dem Vorspann unverändert: Selbst der teuerste dieser Wege kostet nur einen Bruchteil einer echten Leica aus Wetzlar. Die billigste Art, mit Leica zu fotografieren, ist aktuell das smarte Telefon, nicht die Kamera.

Leica, die Marke, die einst die Kamera so klein machte, dass die Fotografie auf die Straße konnte, verkauft heute die Erinnerung an diese Tat, mal verlötet, mal zum Herunterladen, aber immer mit Aufschlag. Das ist kein Verrat. Es ist bloß das, was aus Legenden wird, wenn sie lange genug leben.


Technische Eckdaten im Überblick

iPhone 17 Pro / Pro Max

  • Hauptkamera: 48 MP, 1/1,28″, 24 mm, f/1.78 (Sony IMX903)
  • Tele: 48 MP, 100 mm (4×), f/2.8, 1/2,55″, Tetraprisma; 200 mm (8×) als 12-MP-Ausschnitt
  • Ultraweitwinkel: 48 MP
  • Ausgabe nativ: 24 MP, volle 48 MP nur im Hochauflösungs-/ProRAW-Modus
  • LUX-App: A-Modus mit Leica-Objektiven nur 12 MP; P-Modus bis 48 MP und RAW, aber ohne Objektiv-Simulationen, nur Farblooks
  • Preis: Pro Max in 1-TB-Ausführung rund 2.000 €
  • Leica LUX Grip: ~300 € (EU), inkl. 1 Jahr PRO-App; Leica-Hülle: ~100 € (nur 17 Pro/Pro Max)

Leitzphone (Xiaomi 17 Ultra Leica Edition)

  • Hauptkamera: 50 MP, Ein-Zoll-Sensor, Leica-Optik f/1.67, LOFIC-HDR (Light Fusion 1050L)
  • Tele: 200 MP Periskop, 1/1,4″, 75–100 mm stufenlos, f/2.39–2.96, OIS, Makro ab 30 cm, Leica-APO-Prüfung
  • Ultraweitwinkel: 50 MP, 14 mm, f/2.2
  • Ausgabe ab Werk: 12,5 MP (Pixel-Binning), volle 50 MP auf Wunsch; Video bis 8K
  • Physischer Leica-Kameraring (Zoom/Belichtung), mattschwarzes Gehäuse
  • Preis: 1.999 € (nur 16 GB / 1 TB). Baugleiche Kamera im schlichten Xiaomi 17 Ultra ab 1.499 €

Transparenz: Das Leitzphone wurde von Leica Deutschland leihweise zur Verfügung gestellt. Das iPhone samt Leica-Zubehör befand sich im ungesponserten Besitz des Testers.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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