DNG Format wird ISO-Standard: Warum das digitale Negativ die Kameraindustrie spaltet – Canon, Nikon, Sony blockieren weiter

Das von Adobe im Jahr 2004 in die Welt gesetzte DNG Format ist jetzt offizieller ISO Standard für Fotografie. Doch die wichtigsten Kamerahersteller verweigern sich weiterhin. Was bedeutet ISO 12234-4:2026 für Profis, ### Die RAW-Revolution, die keiner wollte
Wer heute mit RAW Format arbeitet, kennt das Problem: Jede Kamera, jedes Modell, manchmal sogar jede Firmware bringt ein neues, proprietäres Dateiformat mit. Adobe DNG, das digitale Negativ, wurde als Befreiungsschlag gegen diese Formatflut vorgestellt: Ein offenes, dokumentiertes RAW Format, das endlich Ordnung ins Chaos bringen sollte. Doch während Leica, Pentax, Ricoh, Hasselblad, Sigma, DJI und praktisch jedes Smartphone längst auf DNG setzen, halten Canon, Nikon und Sony eisern an ihren eigenen Formaten fest. Jetzt, nach 22 Jahren, ist das DNG Format als ISO Standard Fotografie (ISO 12234-4:2026) anerkannt. Doch was ändert sich wirklich – und warum bleibt der große Durchbruch aus?
Ein Standard, der zu spät kommt?
Die Kameraindustrie hat sich jahrzehntelang gegen einen gemeinsamen RAW Standard gewehrt. Adobe DNG sollte das ändern: Ein Format, das nicht nur 15 bis 20 Prozent weniger Speicherplatz benötigt als viele proprietäre RAW Formate, sondern auch alle Metadaten direkt im Bild speichert, ohne Sidecar-Dateien, ohne Lizenzgebühren, ohne Geheimniskrämerei. Für professionelle Bildbearbeitung und Archivierung ist das ein Segen: Die DNG Archivierung gilt als robust, nachvollziehbar und zukunftssicher. Die US Library of Congress führt DNG als bevorzugtes, aber keineswegs exklusives Archivformat – TIFF, JPEG2000 und PNG stehen gleichberechtigt daneben. Trotzdem bleibt die Frage: Warum verweigern sich die Marktführer weiterhin?
Machtspiele statt Fortschritt
Canon, Nikon und Sony setzen weiterhin auf ihre eigenen RAW Formate (CR3, NEF, ARW) und bieten auch 2026 keine native DNG-Unterstützung in ihren Kameras. Die Gründe sind offensichtlich: Wer das Dateiformat kontrolliert, kontrolliert den Workflow, die Software und letztlich die Bindung der Nutzer an die eigene Marke. Die Parallelen zur USB-C-Debatte sind unübersehbar: Erst als die EU den Standard erzwang, gaben die Hersteller nach. Bei der Bildbearbeitung RAW bleibt der Machtkampf offen – und die Profis zahlen den Preis mit aufwendigen RAW Konvertierungen und Kompatibilitätsproblemen.
ISO 12234-4:2026 – Symbol oder Wendepunkt?
Mit der offiziellen ISO-Zertifizierung ist das DNG Format technisch auf Augenhöhe mit TIFF und PDF/A. Die Spezifikation ist offen, dokumentiert und lizenzfrei – ein Argument, das in der Archivwelt Gewicht hat. Doch solange die großen Kamerahersteller nicht mitziehen, bleibt DNG für viele Profis ein Umweg: RAW Konvertierung statt direkter Workflow, Unsicherheit bei der Langzeitarchivierung, ständiges Jonglieren mit Software-Updates. Die Hoffnung, dass der neue Standard die Branche eint, bleibt vorerst unerfüllt.
Die Zukunft des RAW Formats: Offenheit oder Sackgasse?
Die Geschichte der Dateiformate ist eine Geschichte von Macht, Kontrolle und dem Kampf um digitale Erinnerung. DNG als ISO Standard Fotografie ist ein Signal: Offenheit und Nachvollziehbarkeit sind keine Luxusgüter, sondern Grundvoraussetzungen für die Zukunft der Bildarchivierung. Wer heute auf proprietäre Formate setzt, riskiert, dass seine Bilder morgen so unzugänglich sind wie ein Tagebuch in einer vergessenen Sprache. Die RAW Format Zukunft entscheidet sich nicht an der Technik, sondern am Willen zur Zusammenarbeit – und an der Bereitschaft, Macht abzugeben.





