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Making-of: Pizarros amor de oro

Die Geschichte des Shootings in einer Altbauvilla in Bad Honnef – als Fotostory erzählt von Bernd Schirmer

Warten. Nichts geht ohne Hündin Yuki, die Ihre „Sirene“ Madeleine stets und ständig begleitet. Sie wollte aber partout nicht als Requisite mitwirken. Also musst ein digitaler Kompagnon her. Interessiert hat sie alles mit einem Argusauge beobachtet.

Beispiele und Moodboards – hier versuche ich Christoph Künne in meine Visionen zu entführen. Vor dem Shooting wird das Konzept kurz angerissen und die Einstellungen erklärt. Natürlich perfekt dazu geeignet: das Mobiltelefon.

Die Einstellung sitzt. Erste Tests für die Lichtsetzung laufen. Nur perfekt ausgestrahlte Kulissen lassen die Phantasien des Künstlers Wirklichkeit werden. Sieht einfach aus, war es aber nicht. Es brauchte hier sehr viele Anläufe, da das direkte Sonnenlicht sich permanent mit Regenwolken abwechselte und so die noch eben perfekte Einstellung hinfällig war. Lösung: Blockwände. Der Künstler hatte alles dabei.

Nein, wir sind nicht in Rom und auch nicht in den Privatgemächern Julius Caesars. Wir sind bei Alberto Kunz, der unter Coseplayern bekannt für seine authentischen Julius-Caesar-Darstellungen ist. Wirklich beeindruckend war, was er im Laufe der Zeit hier kreiert und gebastelt hat. Von der Qualität her könnten das echte Museumstücke sein.

Eine Prunkrüstung gefällig? Kein Problem. Alberto hat in Sachen römischer Waffenkunde so einiges in petto. Mit viel Liebe zum Detail sind seine Rüstungen perfekt auf seine Rollen abgestimmt und angepasst. Wirklich beeindruckend, was er so alles in seinem Fundus hat. Da möchte man doch direkt den Film Gladiator noch einmal neu inszenieren.

Planung. Beratung. Austausch. Oliver, Christoph, Alberto und ich in illustrer Runde. Gleich geht es in die Maske…

„Finfolk“, der Legende nach magische Gestaltenwandler der Meere ist auch gleichzeitig der Name einer Firma, die sich auf authentisch aussehende Schwanzflossen spezialisiert hat. Für alle die, die gerne einmal Meerjungfrau oder Meermann sein wollen gibt es auch adäquate Flossen von Mertailor. Hier kommt eine Weichsilikon-Schwanzflosse des Herstellers zum Einsatz.

Make-Up-Time für Madeleine. Bevor wir sie in die Flosse stecken, muss ein passender Fischlook her – blass, golden und zerbrechlich zugleich. Immer mit am Set dafür Make-Up-Spezialistin Laura-Marie Bädke. Zur Hintergrundinformation: Für jedes Model wurden ca. ein bis zwei Stunden Make-Up-Zeit eingeplant. Daher ist eine gute zeitliche Planung des kompletten Tages und Shootings unumgänglich.

Nein, das ist nicht das Set. Es ist der Aufenthaltsraum unseres Gastgebers. Der dezente und teils opulente römischer Look zieht sich konsequent durch alle Räumlichkeiten. Ein Bild von Julius rundet das Ganze natürlich ab. Ave.

Gute und authentische Requisiten sind das A und O einer gelungenen Inszenierung. Ein Holzmodellschiff, nicht aus dem Katalog, ein silberner Lüster, ein Prunkschild. Alles wird folgend arrangiert um das gewünschte Ambiente zu erschaffen.

Lichtsetzung. Ein Diffusor wird vor den zweiten Blitzkopf gesetzt, um das Licht sanft in den Raum zu streuen. Jenes gibt ein authentischeres Licht in Kombination mit den Kerzen. Ich möchte hier die direkte Einwirkung des Blitzlichtes auf Objekte und Personen vermeiden, denn damals gab es ja noch keine Blitzreflektion.

Die Suche nach geeigneten Modellen für die Umsetzung von historischen Projekten ist nicht immer die einfachste, zumal ich gerne nah an der möglichen Realität bleiben will. Gesucht und gefunden, Model Oliver Knops-Hahnenberg wird einen Knecht mimen. Das passende Outfit versteht sich von selbst.

Zeigt her Eure Füße, zeigt her Eure Schuh! Keine Waschfrau aber Alberto in seinen selbstgefertigten Anno-1530-Sneakers in der Version 2.0. Fehlen nur noch die drei Streifen.

Die Damen unter sich. Wer hat die Haare schön? Unsere Sirene Mime Madeleine Sixtus kämt noch einmal über ihre Haarpracht, bevor es gleich zum Set gehen wird. Schwanzflosse und helfende Hände stehen parat. Was sie wohl mit Mareike bespricht?

Laura Marie Baedke setzt kreativ Hand an Viola an. Die Magd bekommt den klassischen Nude-Look und ein wenig Ruß ins Gesicht. Wer hier an das Aschenputtel denkt, mag nicht ganz Unrecht haben. Eine gewisse Inspiration war gegeben.

Die Herren unter sich. Oliver hilft dem Pizarro-Mimen Alberto in den Duttenkragen. Jenes Stück wurde in Griechenland per Hand auf meinen Wunsch angefertigt. Passen zur gold-schwarzen Rüstung, in die sich der Konquistador gleich schwingen wird.

Hintergrundinformation: Der Duttenkragen oder auch Mühlensteinkragen (deutsche Bezeichnung) genannt, war ein spanisches Modeaccessoire im 16. Jahrhundert, welches teilweise bizarre Form annahm. Er war fester Bestandteil der aristokratischen Ausgehkleidung.

Beim Anlegen der Rüstung (hier eines Prunkharnisches) sind helfende Hände notwendig. So wie ein Knappe seinem Herrn ins Rüstkleid hilft, steht Oliver helfend Alberto zur Seite. Rüstkleider oder Ritterrüstungen wie die damaligen Schutzbekleidungen hießen, hatten ihre Blüte im Hoch- und Spätmittelalter. Diese aus geschmiedeten Metalplatten gefertigten Harnische bedeckten alle wichtigen Körperpartien und boten einen guten Schutz gegen die meisten Waffen dieser Zeit. Erst mit dem vermehrten Einsatz und dem Aufkommen von Schusswaffen im Kampf hatten Harnische ausgedient, da ein Schutz durch den Einschlag einer Kugel nicht mehr gegeben war.

Dürfen wir vorstellen: Alberto Kunz alias Julius Caesar, alias Francisco Pizarro, Olá!

Im Bild bin ich mit Alberto zu sehen. Erste Szeneneinstellungen werden besprochen und mögliche Gesten eruiert. Im Hintergrund entsteht die Kulisse mit passenden und ausschmückenden Objekten in Anlehnung an diese Zeit.

Fachsimpeln. Oder doch einfach nur eine kurze Anekdote aus dem Leben? „Wieso versteht niemand die Notwendigkeit des Kaffees für uns – Ich trinke am liebsten einen guten starken Kaffee mit Milch, frisch gemahlen, mehr will ich doch nicht.“

„Jaaaa, das wäre soooo schön…“ Oder so ähnlich.

Laura macht die Haare von Viola von Hosselin. Als Spiegel dient die Kamerafunktion des Mobiltelefons. Wir leben ja schließlich nicht mehr im Mittelalter;) Akribisch wird hier auf jedes Detail geachtet.

Hintergrundinformation: Die Herstellung kristallklarer Spiegel waren bis ca. 1660 durch die besten Glasbläser der Welt, die venezianischen Murano Bläser, monopolisiert. Erst als Handwerker vom französischen Königshof abgeworben wurden, entwickelten sich im späten 17. Jahrhundert die bekannten Manufakturen in Paris.

Auch ein Konquistador hat ein Herz für Hunde.

Herr Knops-Hanenberg, Adel verpflichte, kurzweilig, den Moment genießend. Jemand ein Rocher? Gleich packen wir ihn wieder in sein Nachtgewand. Die Frisur wird auch noch auf Stand anno 1530 gebracht.

Unsere Marktmime Viola ist aus dem Make-Up und bereit für die ersten Lichteinstellungen. Bei ihrem Kostüm wurde auf Authentizität geachtet. Spätmittelalterliche Kopfbedeckungen findet man in Mittelalter-Stores und natürlich online. Besagtes Model wurde in der Waffenkammer Rothenburg ob der Tauber erworben.

Dürfen wir vorstellen: Madeleine Sixtus unsere Sirenen-Mime. Ihr Make-Up wurde extra stark betont, da es somit während der Belichtung einfacher ist, die Lichtreflektionen zu schlucken. Einen Clubbesuch würden wir natürlich so nicht empfehlen. Die Echthaarperücke wird später noch richtig drapiert.

Sirenen küsst man nicht, oder doch? „Was die wohl mit mir vorhaben?“, wird sie sich in diesem Moment gefragt haben. Dass sie wenig später als Sushi auf dem spanischen Esstisch landet, hat sie bestimmt nicht vermutet.

Licht- und Kameraeinstellungen des kompletten Sets. Das Tageslicht wurde mit einer Leinwand und einer Schwarz-Weiß Wand geblockt bzw. für die räumliche Tiefe im späteren Bild an den Seiten vorbeigelenkt. Ebenfalls sichtbar das Strip Light um den Lichteffekt noch zu verstärken. Der silberne Reflektor kam übrigens nicht zum Einsatz. Er war zu stark.

Wie viele Blitzer kamen hier zum Einsatz? Vier. Zwei Strip Lights für die Seiten, ein Blitz zur Setzung des Hauptlichtes, ein Backlight als Aufheller.

Das Buffet ist angerichtet. Erste Liegeprobe für die späteren Einstellungen. Langsam kann man erahnen, wohin die Reise gehen soll beziehungsweise was Senior Pizarro da wohl mitgebracht hat.

Was viele nicht wissen, ich lege sehr viel Wert auf Details. Jede einzelne Haarstränge muss sitzen, da mir eine Haarretusche im späteren Bild zu aufwendig ist, achte ich penibel am Set darauf, dass nichts dem Zufall überlassen wird. Um einen Look des auslaufenden Spätmittelalters zu imitieren, wurden die Haare von Alberto mit Kokosöl eingefettet und die Stirn angerußt. Auf in die Frühe Neuzeit!

Erste Bildprobe. Das Bild wird sich im Verlauf des Shootings zur Gesamtkomposition entwickeln. Ursprünglich war eine Erzählung in drei Bildern geplant. Das habe ich dann aber auf Grund der aufwendigen Post-Produktion wieder verworfen. Hündin Yuki wollte unbedingt mit aufs Bild. Derweilen ist Alberto ganz in seine Hamlet-Szene vertieft…

Hintergrundinformation: Ursprünglich sollte Alberto sich hier vorstellen, das Herz der Sirene in der Hand zu halten. Das wollte ich später digital einfügen. Um es ihm einfacher zu machen, wurde ihm ein Stein in die Hand gegeben. Der Kelch in der Hand der Markt wurde symbolisch vor das Jesusbild platziert.

Ich erkläre an Hand der ersten Bilder, wie ich die Positionen besser haben möchte und wie das Licht später digital nachbearbeitet wird. Gemeinsam wird besprochen, die Szene noch emotionaler darzustellen. Für mich ist es wichtig, dass sich Statisten und Models in das Gesamtkonzept mit einbringen, denn nur so entsteht am Ende das perfekte Bild aus meiner Sicht.

​Welche Kamera nutze ich? Eine Nikon Z7 mit Nikkor 35mm- oder 24mm-Objektiv für größere Szenen.

Spaß muss sein. Für Instagram und Social-Media wird sich in Pose gebracht. Man will ja schon vorab zeigen, was man so den ganzen Sonntag gemacht hat. Auch der Stein ist mit dabei. Alberto kann sich wohl nicht mehr von ihm trennen…

Hier sehen wir eines der Bilder aus der unveröffentlichten Geschichte. In meinem Konzept bestand die Sirenen-Thematik ja ursprünglich aus drei Bildern.
1. Sirene wird gefangen (dazu sollte eine Außenaufnahme stattfinden, wurde aber wegen Corona dann verworfen).
2. Der Kampf (hier zu sehen)
3. Pizarro (das wurde dann letztendlich das finale Bild) Die hier gezeigte Einstellung wurde mehrmals geprobt, da alle Beteiligten voll in ihrem Element waren und dabei vergaßen, dass der Fotograf ja auch noch die richtige Szene ablichten muss.

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