DOCMA Artikel

Beyond the Ordinary – CGI und die Agentur Schokolade

Früher war alles echt. Fotografische Techniken bildeten das Vorhandene so ab, wie es war – ohne die getrickste Visualisierung von Objekten und Szenen durch Computer Generated Imaging (CGI). Dass man CGI aber nicht nur für Effekte einsetzt, sondern auch, um allerhöchste technische Präzision sachlich und transparent darzustellen, zeigt die Entwicklung einer Agentur mit dem sehr assoziativen Namen SCHOKOLADE.

160201WH_Brennwertgeraet: CGI
Beyond the Ordinary – CGI und die Agentur Schokolade

Der Agentur SCHOKOLADE kann man schon fast den ehrenwerten Begriff „Urgestein“ anheften. Nach dem Besuch der Filmakademie Ludwigsburg und einem Studium der Betriebswirtschaftslehre machte sich der Unternehmensgründer Florian Rederer im Jahr 2000 kurzerhand selbstständig. Mit dem Eintritt von Anja Raiser in das Unternehmen im Jahr 2002 konzentrierten sich beide auf den Werbe­film. Und das zu einer Zeit, als die „digitale Revolution“ in vollem Gange war und der klassische Werbefilm zunehmend durch CGI-Techniken ergänzt wurde.
Wenn man die beiden Unternehmer heute nach den besonderen Stärken ihrer Agentur fragt, bekommt man als Antwort einen Satz, der auf den ersten Blick nicht sonderlich überraschen dürfte: „Wir bieten unseren Kunden keine Standardlösungen an. Wir nehmen das jeweilige Briefing ins ­Visier und besprechen mit dem Kunden, ob das, was da steht, auch das ist, was er sich tatsächlich wünscht.“ Konkret bedeutet es, dass die Agentur nicht nur den klassischen Werbefilm anbietet, sondern auch im Bereich CGI aus dem Vollen schöpfen kann.

Aber wie entscheidet man sich für die eine oder die andere Technik, wie wird ein Auftrag beispielsweise der Firma Weishaupt geplant und umgesetzt? Ein Brennwertgerät ist zunächst ein sperriger Kasten, der Nichttechniker an eine Hightech-Kanone erinnert – „ordinary“ (deutsch: gewöhnlich) sozusagen. Ein Werbefilm muss in einem solchen Fall nicht nur erklären, was das für ein Gerät ist, sondern er muss sich dabei auch noch von den vielen Filmsequenzen und Animationen unterscheiden, die jeder schon aus etlichen Werbespots kennt … Beyond the ordinary (ungewöhnlich) eben.

Also kam hier in der Brainstormingphase die Idee auf, das Innenleben der Maschine zu thematisieren. Die Herausforderung bestand nun darin, die äußerst komplexe Technik für Laien leicht konsumierbar zu machen, oder anders ausgedrückt: Trotz der komplexen Thematik den Betrachter zum Lächeln zu bringen.

Der Trick ist einfach, und gerade deshalb genial: Zunächst wurde die digitale Version des Gerätes angefordert. Diese von der Firma Weishaupt zur Verfügung gestellte CAD-Datei musste nun für Cinema 4D aufbereitet werden. So ein  „Datencleaning“ dauert in der Regel zwischen zwei und fünf Tagen und dient dazu, die oft sehr komplexen Datensätze auf das visuell Notwendige zu reduzieren. Das Darstellen vieler Bauteile wie Schrauben, Muttern oder Kabel beansprucht eine riesige Menge an Arbeitsspeicher, ohne entscheidend zum visuellen Eindruck der Animation beizutragen.

Die übrig gebliebenen Funktionsteile der abgespeckten Version wurden dann manuell, eines nach dem anderen, in Cinema 4D mit dem Verschieben-Werkzeug aus dem Gerät heraus bewegt, bis sie, ähnlich einer Explosionszeichnung, alle neben- und übereinander angeordnet sichtbar waren. Die eigentliche Animation war dann das Resultat einer mit wenigen Klicks programmierten Keyframe-Animation und zeigt, wie sich die Maschine in ein paar Sekunden aus ihren Einzelteilen selbst zusammensetzt. SCHOKOLADE rendert solche Projekte entweder mit dem Cinema-internen Advanced Renderer oder mit VRAY, das sich problemlos in Cinema 4D einbinden lässt.

„Cinema 4D ist für unsere Aufgaben das perfekte Werkzeug“, weiß Volker Dreixler, Head of Produktion in der Berliner Dependance der Agentur. „Wir schätzen es, dass inzwischen sehr viele Kreative mit Cinema 4D arbeiten. Das macht es uns leicht, Artists zu finden, die unsere Inhousekompetenz mit ihrem Spezialwissen ergänzen. Außerdem ist Cinema 4D bestens in der Lage, auch fotorealistische Ergebnisse zu liefern“. Mit Generated Imaging (CGI) beyond the Ordinary!

Weishaupt

Das Beispiel der Animation für Weishaupt zeigt deutlich, wie arbeitsteilig und aufwendig eine solche Produktion ist. Drei Artists und ein Producer haben etwa 1,5 Stunden in die nur wenige Sekunden dauernde Sequenz gesteckt. Die zentrale Software ist dabei Cinema 4D, doch werden auch andere Programme verwendet. Für die Visualisierung von Wasserfontänen kommt Realflow und auch X-particles zum Einsatz. Das Compositing erfolgt in After Effects.

Festool

Für FESTOOL hat SCHOKOLADE schon einige Projekte realisiert. Die Leistung der Agentur ist nicht nur auf kreativer Seite spitze, auch die 3D-Technik spielt eine wichtige Rolle: CAD-Dateien, die die ­Kunden zur Verfügung stellen, sind nie für die Visualisierung gedacht gewesen, sondern lediglich für die Konstruktion der Geräte. So müssen also nach dem Datencleaning auch die Oberflächenmaterialien ­gestaltet und die ­Kamerafahrten festgelegt werden. Auch die Lichtsetzung in Cinema 4D ist eine Herausforderung. Wer Cinema 4D technisch ­beherrscht, ist deshalb noch lange kein guter Beleuchter. Doch genau dies ist eine der Kernkompetenzen der ­Agentur, denn die Erfahrung mit der Lichtsetzung aus der realen Welt lässt sich 1:1 auf Cinema 4D übertragen.

Moderne Werbung ist maßgeschneidert – und sollte im Idealfall nicht nach Werbung aussehen. Zum einen sollte Information über das Produkt vermittelt werden, so dass man als Kunde weiß, was man kauft. Damit dieser Kauf auch wirklich stattfindet, muss neben der Information aber auch Inspiration Teil der Kampagne sein. Deshalb wurde für diesen Spot nicht nur das Gerät gezeigt, sondern auch die Figur eines einsamen Wolfes entworfen.

Der Vorteil der originalen Kon­struktionsdateien ist, dass sie nicht nur das Gehäuse, sondern auch das gesamte Innenleben eines Gerätes zur Verfügung stellen. Das sieht, wie im Fall des Schlagbohrers, oft recht spektakulär aus und verbindet technische Information mit künstlerischem Ausdruck. Deshalb hat SCHOKOLADE mit diesem Spot, bei dem der Berliner Designer Deriya Ötztürk Regie geführt hat, 2014 den silbernen Corporate Media & TV Award in Cannes gewonnen.

 


 

2015_06_30_Siemens_iSensoric-Raum_4k_Sortiment: CGI

Generated Imaging (CGI): Schritt für Schritt

 


 

DOCMA70_Cover_1200Diesen Artikel „Beyond the Ordinary – CGI und die Agentur Schokolade“ finden Sie auch in der in der neuen DOCMA-Ausgabe 3/2016, die Sie im Zeitschriftenhandel kaufen können.

Sie bekommen das Heft außerdem bei uns im Webshop – als gedruckte Ausgabe und als preiswertes ePaper.

Zeig mehr

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Das könnte Dich interessieren
Close
Back to top button
Close