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Adobe Fuse: Bau dir einen!

Adobe FuseViele Bildcomposer kennen das Problem: Die Szene ist eigentlich fertig, doch sie wirkt unbelebt, irgendwie verlassen, weil menschenleer. Begibt man sich dann auf die Suche nach den benötigten Darstellern, so hat man die Wahl zwischen aufwendiger Fotoproduktion oder mühsamer Suche nach geeigneten Statisten in Stockarchiven. Oder man bemüht eben Adobe Fuse und backt sich den gewünschten Character schnell selbst.

Die gute Nachricht vorweg: Obwohl die aus unterschiedlichen Personenscans entstandenen Characters naturgemäß 3D-Dateien sind, benötigen Sie lediglich eine schmale Minimalausstattung an Photoshop-3D-Wissen. Denn die eigentlich sehr komplexen, viel Expertise und Zeit in Anspruch nehmenden Aktionen wie beispielsweise das sogenannte Rigging der Figuren und das Steuern der Bewegungsabläufe geschehen online und fast in Echtzeit.

Adobe Fuse

Die Fuse-Characters (a) sehen trotz der relativ geringen Anzahl von Polygonen (b) erstaunlich realistisch aus. Was das recht einfach gestrickte Mesh an Details nicht hergibt, müssen die auf das Mesh projizierten Texturen wieder wettmachen. Dies gelingt Fuse durch das Anlegen mehrerer Texturkanäle, so dass der Character nicht nur farblich korrekt „bemalt“ ist, sondern auch Texturen für die Glanz- und die Reliefeigenschaften besitzt.

Deshalb können Sie die polygonalen Damen und Herren auf einfache Weise überall dort zum Einsatz bringen, wo ausdrucks­starkes Personal fehlt: Als Statisten in einem ­Architekturmotiv, als Schlüsselfigur, um in einem Bild eine Geschichte zu erzählen, oder eben überall da, wo Menschen wichtig sind, aber nicht gerade prominent im Vordergrund stehen müssen.

Das Ganze funktioniert so: Zunächst muss der Character in Adobe Fuse zusammengestellt werden: Sie wählen nacheinander Kopf, Körper, Extremitäten und Bekleidung aus und stylen die Figur anschließend mit passenden Hüten, Brillen, Haupthaar oder Bärten. Die Farben und Texturen lassen sich dabei weitgehend anpassen und verändern. Auch das Feintuning der Körper geht schnell und schmerzfrei, denn Fuse ist in weiten Teilen selbsterklärend und benötigt keine besondere Einführung in die Programmoberfläche. Ist der Character fertiggestellt, ließe er sich zwar direkt in einer CC-Bib­liothek speichern, doch wäre er dann in Photoshop nur in T-Stellung verwendbar – also mit ausgebreiteten Armen. Damit ließe sich, abgesehen von der Darstellung der ­Christusstatue auf dem Corcovado in Rio de Janeiro, nicht viel Sinnvolles anstellen.

Adobe FuseDeshalb wird die Datei per Klick auf die Adobe-eigene Plattform mixamo hochgeladen und dort automatisch geriggt, also mit einem internen Skelett versehen, das natürliche Bewegungsabläufe überhaupt erst ermöglicht. mixamo fragt während dieses Prozesses einmal nach, wieviele Finger des Characters beweglich sein sollen, dann wird die Figur fertiggestellt. Doch der eigentliche Clou kommt erst noch: Nach dem Hochladen stellt mixamo eine große Menge unterschiedlicher, vorgefertigter Animationen zur Verfügung. Sie haben die Wahl zwischen Bewegungsabläufen wie etwa Fallen, Gehen, Tanzen, Treppensteigen und vielem mehr. Das Anklicken des Animationsmusters genügt, und Ihr Character „lernt“ den Bewegungsablauf innerhalb einer Sekunde. Speichert man die Datei dann entweder in einer CC-Bibliothek oder auf der eigenen Festplatte im Collada-Format (*.dae), lässt er sich in Photoshop als 3D-Ebene öffnen, beleuchten, perspektivisch anpassen und über die Zeitleiste auch Frame für Frame bewegen.

 


Adobe Fuse: Wie Sie einen bestimmten Character erzeugen, ihn eine gewünschte Pose einnehmen lassen und in eine Szene einbauen, zeigt Uli Staiger in der neuen DOCMA 81 (Ausgabe März/April 2018)


 

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