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Olafs Wochenschnipsel: KW 50

Bild: Olaf Giermann. Olafs Wochenschnipsel: KW 50
Bild: Olaf Giermann

Interessantes der letzten Tage: NVidias EditGAN, Maxon kauft ZBrush, Gedankenschnelles Tippen mit Nerd-Tastatur, Excire Search für Lightroom Classic kostenlos und eine nur salzkorngroße Kamera.

NVIDIA EditGAN: Bilder per Skizze verändern

Olafs Wochenschnipsel: KW 50

In einem neuen Paper wurde eine neuartige KI-basierte Bildbearbeitungsmethode vorgestellt. Wenn Sie die Neural-Filter von Photoshop bereits beeindruckt haben, halten Sie sich fest. EditGAN analysiert ein Bild, erkennt dessen Inhalte und zerlegt es sozusagen in seine semantischen Einzelteile. Das Skizzen-Ergebnis ähnelt dem sogenannten „Clown Pass“, der bei 3D-Programmen für das schnelle Auswählen von Szenenbestandteilen in der Nachbearbeitung ausgegeben werden kann. Das sieht dann so aus wie oben links im Screenshot zu sehen oder wie ich es Ihnen am Beispiel von Adobe Substance Stager im aktuellen Heft 100 ab Seite 104 vorstelle.

Der Clou: Dank des „Generative Adversarial Networks“ lässt sich die Skizze per Pinselstrich oder Radiergummi verändern und das fotografisch wirkende Ergebnis wird entsprechend angepasst. Im Beispiel oben wurden so die Räder vergrößert. Aber das müssen Sie sich in diesem Youtube-Video (Englisch) einmal anschauen:

Youtube (English):

Die Technik könnte die Art und Weise wie wir Bilder arbeiten, nachhaltig verändern. Heutige Vorgehensweisen per Freistellen, Maskierung, Transformationen … könnten schon bald ziemlich altbacken und umständlich wirken. Ob in absehbarer Zeit jedoch eine vergleichbar hohe Qualität wie bei altehrwürdiger Bildbearbeitungs-Handarbeit erreicht wird – auch bei hochauflösenden Bildern – wage ich noch zu bezweifeln.

Maxon kauft ZBrush

Bild: Pixologic. Olafs Wochenschnipsel: KW 50
Bild: Pixologic

Der Schock

Ein Jahresendschock für die ZBrush-Gemeinde: Maxon, der Hersteller von Cinema 4D, kauft (behördliche Genehmigung vorausgesetzt) Pixologic, die Hersteller von ZBrush. Die Meldung von Pixologic schlägt in Foren und Social Media größere Wellen als noch die Übernahme von Allegorithmic durch Adobe (ich berichtete). Letztere ging ja noch ganz glimpflich aus – denn die Substance-Produkte waren auch vorher schon nur noch per Abonnement zu erhalten und der Preis blieb nach der Übernahme durch Adobe derselbe. ZBrush musste man bisher nur einmal für einen moderaten und angemessenen Preis (ca. 800 $) kaufen und dann gab es seit Jahren kostenlose, umfangreiche Updates.

Befürchtungen und Chancen

Zum einen steigt nun die Angst, dass auch ZBrush nur noch im Abo erhältlich sein wird. Das ist aber nicht die größte Befürchtung. Denn der Großteil der ZBrush-Nutzer nutzt bislang keine Maxon-Produkte. Cinema 4D wird vor allem im europäischen Raum genutzt und ZBrush von Künstlern und Illustratoren weltweit. Sollte es ZBrush nur noch als Bundle mit Cinema 4D geben oder in Cinema 4D aufgehen, dürften die meisten Anwender dafür keinen Bedarf haben. Bestehende Cinema 4D-Anwender dürfte die Ankündigung jedoch freuen, denn ZBrush ist wirklich ein obergeniales, wenn auch ziemlich verkorkstes Programm.

Nun ist auch Maxon an sich keine unsympathische Firma. Cinema 4D ist ein stabiles, mächtiges und einfach zu bedienendes Programm. ZBrush könnte definitiv von einer Überarbeitung seiner Oberfläche profitieren. Hier bestehen einige Chancen zum Besseren. So richtig innovationsfreudig, war Maxon in den letzten Jahren jedoch auch wieder nicht.

Das größte vermutete Problem: Maxon ruft für seine Produkte astronomisch hohe Preise aus. So kostet Cinema 4D alleinstehend und ohne Redshift-Renderer bereits 3500 Euro, im Abo über 60 Euro, mit Render über 110 Euro. Sollten ähnliche Preise für ZBrush aufgerufen werden, werden sich viele Freelancer und Hobbyisten zwangsläufig nach Alternativen zu ZBrush umsehen müssen, wenn die aktuelle Version eines Tages durch OS und Hardware nicht mehr unterstützt werden sollte. Viele Anwender hätten es sicher lieber gesehen, Updatekosten an Pixologic zu zahlen.

Vorerst bleibt nur eines: abwarten und Tee trinken. Und vielleicht schon mal den einen oder anderen Blick auf das kostenlose Blender werfen, dessen Entwicklung dieses Jahr massiv an Fahrt aufgenommen hat.

Schneller tippen als man sprechen kann …

… das geht mit viel Übung und dem Chara-Chorder Keyboard. Ich bin durch Zufall bei TikTok darüber gestolpert.

Aber auch wenn dieses Gerät wahrscheinlich nur von einer Handvoll Menschen auf diesem Planeten benutzt werden dürfte, muss man das mal in Aktion gesehen haben: TikTok Link. Verrückt, oder?

Excire Search Version 1 kostenlos

Olafs Wochenschnipsel: KW 50

Bei Excire gibt es ein Weihnachtsgeschenk: die erste Version von Excire Search für Lightroom Classic kostenlos zum Download.

Falls Sie interessiert, worum es bei diesem Plug-in geht, lesen Sie doch meinen ersten Blogbeitrag dazu.

Neural Nano-Optics: Eine salzkorngroße Kamera

Bild: Princeton University
Bild: Princeton University

Wissenschaftler der Princeton Universität haben eine salzkorngroße Minikamera entwickelt, die Bilder liefern soll, die so gut wie Bilder aus 500000-mal größeren Kameras entsprechen. Der Trick: Statt Licht brechenden Glaselementen kommen winzige Zylinder zum Einsatz. Die Signale der Licht detektierenden Minizylinder werden per KI in Bilder umgerechnet. Denkbar ist eine Anwendung nicht nur für Smartphones, bei denen statt zwei bis drei herkömmlichen Linsen die ganze Rückseite des Geräts zur Kamera werden könnte, sondern auch für medizinische Untersuchungen.

Mehr dazu (englisch) und hier gibt es das Nature-Paper dazu.

Ein schönes Wochenende und bleiben Sie neugierig!

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Olaf Giermann

Sein Erstkontakt mit Photoshop erfolgte 2003 an der Uni, an der das Programm als reine Scanner-Software eingesetzt wurde. Inzwischen gilt Giermann sprichwörtlich als das »Photoshop-Lexikon« im deutschsprachigen Raum und teilt sein Wissen in DOCMA, in Video­kursen und in Seminaren.

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