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Geht doch! Nächste photokina erst im Mai 2020

Am Montag kam der Paukenschlag: Die nächste photokina, schon lange für den Mai 2019 angekündigt, fällt aus. Oder vielmehr wird sie um ein Jahr verschoben, auf den Mai 2020. Eine vernünftige Entscheidung von Koelnmesse und Photoindustrie-Verband, meine ich, aber vermutlich war sie unabwendbar.

Geht doch! Nächste photokina erst im Mai 2020
Wann kommt sie denn nun? Die nächste photokina soll jetzt vom 27. bis 30. Mai 2020 stattfinden. (Bild: photokina)

Der ursprüngliche, schon 2017 angekündigte Plan sah vor, die bislang alle zwei Jahre stattfindende Weltleitmesse der Fotografie auf einen jährlichen Rhythmus umzustellen. Außerdem sollte der Termin vom September auf den Mai vorgezogen werden, so dass der nächste Messetermin schon in fünf Monaten gewesen wäre. Die Entscheidung für eine Verschiebung kam nun zwar überraschend, aber dass es dafür gute Gründe gab, war in der Branche schon länger jedem klar. Nach dem Ende der diesjährigen photokina schrieb ich an dieser Stelle:

Optimisten mögen hoffen, dass das gesunkene Interesse der Fotoindustrie an der photokina 2018 damit zu tun hatte, dass am 8. Mai nächsten Jahren schon die nächste photokina beginnt und die Budgets nicht für zwei Messepräsenzen innerhalb von acht Monaten reichten. Von einem starken Andrang zur photokina 2019 ist allerdings wenig zu spüren. Dagegen spricht auch der bereits veröffentlichte Hallenplan: (…) die verfügbare Ausstellungsfläche wird … insgesamt nicht größer als in diesem Jahr sein – eher noch kleiner (…).

Da die photokina vom zweijährigen Rhythmus auf eine jährlich stattfindende Messe umstellt und der Termin zudem von September auf Mai wechselt, hätte es nahegelegen, die nächste Messe auf den Mai 2020 zu terminieren, also in gut anderthalb Jahren. Eine weitere Messe in nur siebeneinhalb Monaten ist ein Vabanquespiel, das die photokina unnötig unter Druck setzt. Wenn sich bis zum Mai 2019 nicht wenigstens genau so viele Aussteller wie in diesem Jahr finden, stellt sich für die Messe die Existenzfrage.

Meist läuft es in meinem Leben ja nach dem Motto „Und ich sag’ noch … aber auf mich hört ja keiner“, aber nun hat die Messegesellschaft doch auf mich gehört. Oder, wahrscheinlicher, auf die Stimme der Vernunft. Oder, was am wahrscheinlichsten ist, auf den Photoindustrie-Verband (PIV), den ideellen Träger der photokina. Wie man zwischen den Zeilen der Pressemeldung lesen kann, wird der PIV der Koelnmesse unzweideutig klar gemacht haben, dass eine photokina im Mai 2019 in halbleeren Hallen stattfinden würde. Zwei Messen dieser Größenordnung im Abstand von kaum mehr als sieben Monaten waren vielen Unternehmen der Fotoindustrie nicht vermittelbar.

Die Verschiebung um ein Jahr macht daher Sinn. Nach dem zweijährigen Turnus findet die nächste Messe anderthalb Jahre später statt, und erst ab 2021 jährlich. Dieser sanfte Übergang erleichtert es allen Beteiligten, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen.

Die Mitglieder des Photoindustrie-Verbands PIV

Es bleibt allerdings die Frage, warum die photokina überhaupt von dem in Jahrzehnten etablierten Rhythmus abgegangen ist. Die Produktzyklen der Hersteller im Fotomarkt orientierten sich noch nie an Messeterminen, und in ungeradzahligen Jahren – also ohne photokina – wurden nicht weniger neue Kameras als in geradzahligen vorgestellt. Manchmal fehlte einer photokina auch ein Knüller, weil wichtige Neuankündigungen weit vor oder nach der Messe terminiert wurden. Wichtiger ist, wie oft die Hersteller ihre Präsenz auf einer internationale Messe dieser Größenordnung stemmen können. Ich wüsste nicht, dass der Wunsch nach einer höheren Messefrequenz aus der Branche gekommen wäre. Es gab auch keine Beschwerden über den September-Termin – nach der Urlaubszeit, früh genug für die Einstimmung auf das Weihnachtsgeschäft, weitab von den Terminen konkurrierender Veranstaltungen, und damit eigentlich ideal gelegen. Die Verlegung in den Mai stieß auf entsprechend wenig Begeisterung. Wozu also eine Veränderung, nach der niemand verlangt hatte? Es bleibt ein Rätsel.

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Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann gilt als führender Experte für die Technik von Kameras und Objektiven im deutschsprachigen Raum. Er hat Informatik und Linguistik studiert und für einige Jahre als Wissenschaftler im Bereich der Künstlichen Intelligenz gearbeitet.

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