RSS

Der Klotz am Bein des technischen Fortschritts

Wovon ich rede? Von Batterien natürlich. Unsere elektronischen Gadgets mögen noch so leistungsfähig sein, aber wenn die Akkuladung gegen Null geht, ist die Show vorbei. Das kann es doch nicht gewesen sein.

Der technische Fortschritt scheint unaufhaltsam, aber er bewegt sich nicht auf jeder Spur mit der gleichen Geschwindigkeit. Manchmal ist das sogar ganz praktisch: Die Kapazität der Speichermedien, ob Speicherkarten oder Festplatten, steigt schneller als die Megapixelzahl unserer Kameras. Wir haben also tatsächlich immer mehr Platz, der nicht gleich wieder durch wachsende Dateigrößen aufgefressen wird. Anders sieht es mit den Akkus aus, deren Weiterentwicklung nicht mit dem Fortschritt in anderen Bereichen Schritt halten kann.

Bei Smartphones ist das offensichtlich: Alte, weniger smarte Handys hielten problemlos mehrere Tage mit einer Batterieladung durch, aber schließlich hatten wir mit ihnen auch nur telefoniert. Smartphones können weit mehr und werden daher intensiver genutzt, und die längeren Nutzungszeiten sind mit dem höheren Stromverbrauch durch größere, höher auflösende Displays und schnellere Prozessoren zu multiplizieren. Auch wenn die Akku-Technologie ebenfalls Fortschritte gemacht hat, müssen wir das Telefon nun täglich laden.

Der DJI Phantom 4 folgt der Triathletin auf Schritt und Tritt – aber nach spätestens 28 Minuten ist der Akku leer. Der Akku der Drohne jedenfalls.

Der DJI Phantom 4 folgt der Triathletin auf Schritt und Tritt – aber nach spätestens 28 Minuten ist der Akku leer. Der Akku der Drohne jedenfalls.

Dieses Problem zeigt sich in allen möglichen Bereichen. Der neue Quadrokopter Phantom 4 von DJI beherrscht einige neue Tricks, kann jetzt selbsttätig Hindernissen ausweichen und seinem Besitzer automatisch folgen. Auch die Akkuleistung kann sich für Drohnenverhältnisse sehen lassen, aber nach spätestens 28 Minuten Flugzeit ist trotzdem Schluss. Das Anwendungsszenario, das der Hersteller in seiner Werbung verwendet, ist daher wenig realistisch: Die Triathletin, die sich von ihrem Phantom 4 verfolgen lässt, wird länger als nur 28 Minuten durchhalten und will sicherlich nicht immer wieder pausieren, um ihrer notgelandeten Drohne den Akku zu tauschen.

Die DSLR Sony Alpha 850 hatte noch eine Batterielaufzeit von 880 Aufnahmen nach CIPA-Standard; die aktuelle spiegellose Alpha 7 II, ebenfalls mit einem 24-Megapixel-Kleinbildsensor ausgestattet, schafft nur noch 350 Aufnahmen – weniger als die Hälfte.

Die DSLR Sony Alpha 850 hatte noch eine Batterielaufzeit von 880 Aufnahmen nach CIPA-Standard; die aktuelle spiegellose Alpha 7 II, ebenfalls mit einem 24-Megapixel-Kleinbildsensor ausgestattet, schafft nur noch 350 Aufnahmen – weniger als die Hälfte.

In der Digitalfotografie standen wir uns mit DSLRs noch recht gut, denn dieses Kamerakonzept hat einen prinzipbedingt sehr geringen Stromverbrauch. Bevor Sie auf den Auslöser drücken, wird nur ein kleiner Teil der Elektronik für die Belichtungsmessung, die Fokussierung und die Kamerasteuerung benötigt; für die Anzeige von Informationen reicht ein kleines monochromes Statusdisplay. Erst für die Aufnahme müssen der Sensor und die Komponenten für die interne Bildverarbeitung aktiviert werden. Aber schon mit der Einführung von Live-View- und Video-Modi änderte sich das, und für die neuen, spiegellosen Systeme gilt generell, dass der Energiehunger der Kameras deutlich größer als bei einer DSLR ist. Ohne den Einsatz aller elektronischer Komponenten kann eine solche Kamera schließlich nicht einmal ein Sucherbild anzeigen. Die Kapazität der Akkus hat aber nicht in gleichem Maße zugelegt – eher im Gegenteil, denn spiegellose Kameras sind kleiner als DSLRs und bieten Akkus weniger Platz.

Wenn Sie die News aus der Technikbranche verfolgen, lesen Sie zwar immer wieder von Ansätzen, die Energiedichte der Batterien zu vergrößern, nur wenn Sie dann Ihren Fotohändler oder den Verkäufer im Technikmarkt nach neuen Akkus fragen, wird er Ihnen nichts anbieten, mit dem Sie länger fotografieren könnten. Jahrelang wurde die Brennstoffzellentechnologie als Zukunft der Energieversorgung von Handys gepriesen; ob sie für solche Anwendungen jemals praxistauglich sein wird, darf man jedoch bezweifeln – erst recht wenn man mit einem durch Brennstoffzellen mit Energie versorgten Bus fährt und feststellt, wie viele Sitzplätze dieser Technologie geopfert werden mussten. Auch die immer neuen Materialkombinationen, die für den Akkubau erprobt werden, haben noch nicht in Batterien Eingang gefunden, die man tatsächlich kaufen könnte.

Auf absehbare Zeit bleibt also nur, sich in sein Schicksal zu fügen und für die neue Kamera gleich einen Schwung Akkus zu erwerben. Wenn man von der DSLR her gewohnt war, den zweiten Akku nicht öfter als das Reserverad im Auto zu benötigen, wird der regelmäßige Akkuwechsel nun zur Pflicht. Dummerweise entwickeln die Hersteller auch immer neue Funktionen, so dass der Stromverbrauch noch zu steigen droht.

Wenn es sonst keiner sagt, sage ich’s: Was wir brauchen, sind keine neuen, stromfressenden Funktionen, sondern Kameras, die mit einer Batterieladung wieder länger durchhalten. Wie das umgesetzt wird, ist mir egal. Man könnte sparsamere elektronische Komponenten entwickeln, die Akku-Technologie verbessern oder einfach das Gehäusedesign so verändern, dass mehr Platz für größere Akkus bleibt, ohne dass die Kamera deshalb allzu klobig wirkt. Am Ende soll aber eine Batterielaufzeit auf dem gewohnten Niveau stehen, also gut doppelt so lang wie bisher. Das ist keine triviale Aufgabe, aber wenn man sich ernsthaft darum bemüht, sollte sie sich bewältigen lassen.

Michael J. Hußmann

Michael J. Hußmann

  1. kubrick

    Bei der Entwicklung von Akkus ist halt sehr viel Physik im Spiel. Da gilt es Grenzen zu überwinden.
    Die Hersteller der sogenannten Spiegellosen-Systemkameras werben ja mit dem Argument der Kompaktheit gegenüber der DSLR. Über das Gewicht wird geschwiegen. Leider brauchen sie viel Strom. Und die Elektronic weiter zu verkleinern geht auch nur bedingt, oder sie wird exorbitant teuer. Den Preis willst Du dafür sicher nicht bezahlen wollen. Ich denke, man bemüht sich sehr ernsthaft, neue Batterien, die kleiner als je zuvor und deutlich Leistungsstärker als je zuvor sein werden, zu entwickeln. Das ist teils Aufgabe der Hersteller elektronischen Zeugs daran mitzuwirken. Im Moment gilt es den Gewinn zu maximieren. Wie das toll klappt hat Sony bewiesen. Die „dummen“ Käufer haben für gefüllte Kassen gesorgt. In Zeiten der analogen Kameras war man bescheidener. Es dauerte wesentlich länger, bis es etwas neues gab.
    Was mich angeht, ich bin zufrieden mit dem was ich habe. Eine DSLR von Nikon, dessen Akku für zigtausend NEF Bilder ausreicht. Ich habe da keine Wünsche nach Kameras mit eingebautem Mäusekino, welches nur zeitversetzt das anzeigt, was es vor millisekunden gesehen hatte.
    Und noch können wir den Akku wechseln. Teilweise jedenfalls. Aber es wäre doch eine Chance auf Gewinnmaximierung, auch in Kameras einen nicht wechselbaren Akku einzubauen. Apple ließe Grüßen. Da frage ich mich sowieso, warum ich ein externes Ladegerät benötige, welches ich an 220 Volt anschließen muß? Warum kann ich den Akku in der Kamera nicht mit einer an die Kamera anschließbaren und anschraubbaren Powerbank laden oder mit Strom versorgen?

  2. frank.ho

    Hallo

    das mit der Powerbank ging mit einer Samsung NX-1 – aber die ist bekanntlich weg vom Fenster.
    Trotzdem könnte das für die verschnarchten Hersteller, die zwar ständig Gimmiks auf den Markt bringen, aber keinen Fortschritt, einen schnelle und einfache Lösung sein – eine Powerbank, natürlich mit Firmenlogo.

    Grüsse

  3. winnetou

    Das waren noch Zeiten, als das „Duracell“-Häschen hoppelte…und hoppelte…und hoppelte…und hoppelte…
    Heute hat es eine Follow-Me-Funktion, nimmt Videos in 4K auf und macht schon nach einer Runde um´s Nest schlapp.

Mitdiskutieren