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Pentax Takumar 55

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Pentax gehörte zu den bekanntesten japanischen Herstellern von M42-Objektiven, vertrieben unter dem Namen Takumar. Der Namenszusatz „Super“ und „SMC“ kennzeichnete Einfach- und Mehrschicht-Vergütungen. Nach vielen Experimenten mit dem Pentax Takumar 55 entwickelten sich die Modelle mit Lichtstärke F/2 und F/1.8 im 6/5-Design seit den 1960er Jahren zum Millionseller.

Pentax Takumar 55

Hinter der Marke stand die Asahi Optical Corporation, mit langer Tradition im Objektivbau. Erst in den 1950er Jahren soll das Unternehmen die Namensrechte an „Pentax“ vom VEB Zeiss-Ikon erworben haben. Später wurde der Verkauf bedauert und das Kunstwort Pentacon als neuer Markenname für DDR-Fotoprodukte erfunden. 1957 erschien unter dem Namen Asahi-Pentax die erste Spiegelreflexkamera mit M42-Anschluss in einer Auflage von knapp 20.000 Stück – jeweils mit einem Takumar 55 ausgestattet. Mehr zur Historie des Objektivs den frühen Modellvarianten findet sich bei Frank Mechelhoff.

Takumar-trio. Pentax Takumar 55
Abweichend vom Üblichen bietet das Takumar 55 mehr Brennweite, über die Gründe gibt es Vermutungen. Die marginal lichtstärkere Version (hinten) ist etwas größer und schwerer.
Takumar Lens design. Pentax Takumar 55
Pentax Takumar 55: Im modernen Doppel-Gauss-Design mit nur einer verkitteten Linsengruppe wurde es zum Verkaufsschlager. In der vorangegangenen Experimentierphase wurde kurzzeitig auch ein Exemplar im Sonnar-Design produziert.

Ungewöhnliche Brennweite

Vom Zeiss Biotar 58/2 ist bekannt, dass die ungewöhnliche Brennweite nötig war, um eine Kollision mit dem Schwingspiegel von Spiegelreflexkameras zu vermeiden. Später fanden Zeiss und andere Hersteller Lösungen, auch 50-Millimeter-Objektive zu konstruieren. Pentax hat lange am Takumar 55 festgehalten. Die Gründe sind vermutlich ähnlich, bleiben aber im Bereich der Spekulation.

Takumar Bokeh
Kann auch Bokeh: Detailansicht einer ausrangierten MIG 21 (Takumar 55 an Fuji X-T2).
Takumar Bokeh II
Takumar 55 mit Nikon Z6: Eine Gegenüberstellung mit dem Exaktar 55/1.8 findet sich hier.

Robuste Konstruktion

Nachdem ich den voreiligen Verkauf meines ersten Takumar 55/2 bereute, war schnell passender Ersatz gefunden. Allerdings hätte mich der Zusatz, dass es sich um ein Erbstück aus dem Nachlass eines Kriegsberichterstatters handelt, hellhörig machen sollen. Nach dem Auspacken des Objektivs knirschte es bei jeder Drehung furchterregend im Fokusgewinde und unvermittelt fiel plötzlich der Frontring zu Boden. Trotz allem funktionierte es einwandfrei.

Takumar defekt
Augenscheinlich war dieser Frontring am Takumar 55 mit Pattex verklebt. Unter den Klebstoffresten hatte eine Drehbank deutliche Spuren hinterlassen.

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Bernd Kieckhöfel

Bernd Kieckhöfel hat einige Jahre für eine lokale Zeitung gearbeitet und eine Reihe von Fachartikeln zur Mitarbeiterführung veröffentlicht. Seit 2014 schreibt er für Fotoespresso, DOCMA, FotoMagazin sowie c't Digitale Fotografie.

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4 Kommentare

  1. Hallo Herr Kieckhöfel,
    leider hat sich im Artikel ein kleiner Fehler eingeschlichen: der Hersteller heißt nich Ashai, sonsern Asahi Pentax (Asahi bedeutet in etwa “Morgensonne”). Ansonsten, wie immer, ein interessanter Text!
    Danke & Gruß
    W. Harst

    1. Ja, Bernhard, das fragte ich mich seinerzeit auch … 50er kann man nicht genug haben, sagen die einen. Wenige behaupten das Gegenteil. Mir war es anfang zu modern, inzwischen weiß ich es zu schätzen. Ganz so modern wie moderne Objektive ist es wiederum auch nicht 😉

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