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iPhone als letzte Kamera? Ein fotografisches Leben zwischen Nostalgie und Neuanfang

Wer, wie ich, in den 1970er Jahren mit einer damals schon alten Praktica und Meyer-Optik 50mm f/1.8 in die Fotografie eingestiegen ist, kennt das Gefühl, wenn der Film beim Einlegen etwas hakt und das fertige Bild noch nach Chemie riecht. Bei mir kamen später Mittelformatkameras von Mamiya, eine Nikon FM und nach dem Jahr 2000 vier digitale Canon-DSLRs, drei spiegellose Sonys, allerlei Testgeräte von Phase One, Hasselblad, Olympus und Fuji dazu. Die letzte Erwerbung, eine Sony a7r4, habe ich 2019 gekauft. An die fünfzig eigene Objektive für die Kameras halfen dabei die etwa 750.000 Bilder meines Archivs aufzunehmen. Jedoch war die Fotografie immer nur ein Teil meines Berufs, und im Hinblick auf den Aspekt des Geldverdienens mit Bildern über weite Strecken eher eine Passion als eine Profession im klassischen Sinn.

Doch seit der Lektüre eines Fstoppers-Artikels mit dem Titel „What Would Happen if I Never Bought Another Camera Again“ lässt mich die Frage nicht mehr los: Könnte mein iPhone 17 Pro tatsächlich meine letzte Kamera sein? Oder ist das nur eine weitere Illusion, geboren aus technischer Reife und digitaler Müdigkeit?

Von der Sammelleidenschaft zur Reduktion

Das Gear Acquisition Syndrome ist in Fotografenkreisen ein alter Bekannter. Die Hoffnung, dass das nächste Gehäuse oder das lichtstärkere Objektiv endlich das ersehnte Bild bringt, erweist sich als ein Motor, der nie ganz ausgeht. Doch irgendwann wird klar: Die Unterschiede zwischen den Systemen schrumpfen, die Bildqualität ist längst auf einem Niveau, das für die meisten Zwecke genügt. Die Jagd nach dem perfekten Werkzeug wird zur Endlosschleife, in der die Freude am Fotografieren leicht verloren geht. Wer sich davon löst, entdeckt, dass Reduktion auch Befreiung sein kann. Plötzlich steht nicht mehr das Werkzeug im Mittelpunkt, sondern das Bild.

Was das iPhone 17 Pro kann (für Techies)

Das iPhone 17 Pro ist kein Spielzeug mehr. Die Hauptkamera liefert 48 Megapixel aus einem 1/1,28-Zoll-Sensor mit f/1.8 Linse und 24 Millimeter Kleinbildäquivalent. Die Telekamera, ebenfalls mit 48 Megapixeln, setzt auf ein sogenanntes Periskop-Tetraprism-Design und bietet 100 Millimeter (4x optisch) sowie erstmals 200 Millimeter (8x optisch). Kein Sprung, der Teleaufnahmen auf Smartphone-Niveau neu definiert, sondern nur eine schön benannte Crop-Funktion. Die Ultraweitwinkelkamera bringt 48 Megapixel, 13 Millimeter Brennweite und Makrofähigkeit. Die Frontkamera mit 18 Megapixeln und Center Stage sorgt für flexible Porträts und Selfies. ProRAW, ProRes RAW, Apple Log 2 und Genlock sind an Bord, unterstützt von einer Photonic Engine, Deep Fusion, Smart HDR und einer Clean-Up-Funktion, die störende Elemente per KI entfernt. Videos gelingen in 4K Dolby Vision bis 120 fps, Cinematic Mode und Action Mode sind ebenso selbstverständlich wie Dual Capture und Spatial Video. Der neue A19 Pro Chip beschleunigt alles, was mit Bildverarbeitung zu tun hat, und ein Aluminium-Unibody-Gehäuse mit Ceramic Shield 2 schützt die Technik, angeblich besser als je zuvor.

Foto-Reporter: Status, Tele und Workflow

Noch fällt auf, wer mit so einem iPhone professionell arbeiten will. Ob bei Reportagen oder Presseterminen im Rudel der Kollegen mit den langen Teles und den schweren Gehäusen. Sie mustern einen, als hätte man den Führerschein verloren. Doch die Zeiten ändern sich. Der Dynamikumfang reicht dank KI-Aufwertung und die Workflow-Vorteile sind nicht zu unterschätzen: Die Redaktion bekommt die Bilder dank eingebautem unkompliziertem Datentransfer in Minuten. Dennoch bleibt die Systemkamera bei extremen Brennweiten und schnellen Serienaufnahmen überlegen. Wer extrem schnell sein muss, auf lange Teleobjektive angewiesen ist, Serienbilder-Geschindigkeit mit RAWs braucht oder bei schwierigen Lichtverhältnissen maximale Reserven benötigt, wird weiterhin zum klassischen Werkzeug greifen. Und natürlich auch, wer von den Kollegen ernst genommen werden will.

Festivalfotografie: Unsichtbar und schnell

Auf Veranstaltungen spielt das iPhone 17 Pro seine Stärken aus. Kompaktheit und Diskretion sind Trumpf, wenn man sich durch Menschenmengen bewegt. Die Bildstabilisierung kommt im Live-Modus fast an einen Gimbal heran, Makroaufnahmen gelingen aus der Hand, und die automatische Rauschunterdrückung und der natürliche HDR-Look sorgen dafür, dass auch bei wechselnden Lichtverhältnissen und spontanen Situationen brauchbare Ergebnisse entstehen. Für Social Media, Online-Redaktionen und sogar kleiner Printformate bis A4 reicht die Qualität aus. Die Systemkamera bleibt nur dann im Vorteil, wenn es um absolute Kontrolle, maximale Auflösung, einen großen Dynamikumfang und Spezialobjektive oder -aufgaben geht.

Headshot und Porträt: Kontrolle gegen Spontaneität

Im Studio oder beim Headshot-Shooting zeigt sich, wie weit das iPhone 17 Pro gekommen ist und wo die Grenzen liegen. Die 48-Megapixel-Telekamera mit 100 Millimeter Brennweite und verbessertem Bokeh-Algorithmus liefert Porträts, die sich sehen lassen können. Die nachträglich veränderbare Schärfentiefe eröffnet kreative Möglichkeiten, die man bei klassischen Kameras so nicht kennt. Dennoch bleibt die Kontrolle über Licht und Schärfe begrenzt. Wer mit Licht modellieren und RAW-Dateien in Capture One oder Lightroom bis ins letzte Detail bearbeiten will, wird die Systemkamera nicht aus der Hand legen. Für viele Anwendungen reicht das iPhone aber aus und manchmal ist weniger Kontrolle sogar ein Vorteil. Richtig problematisch ist immer noch der Einsatz spezieller Studioblitze. Das geht zwar theoretisch. In der Praxis macht man sich damit aber keine Freude. Da hat sich leider seit unserem letzten Praxistest nichts geändert.

Die Psychologie der Kamera: Statussymbol und Entspannungseffekt

Die Kamera ist nicht nur Werkzeug, sondern auch Requisite im sozialen Theater der Porträtfotografie. Beim CEO-Shooting wird unausgesprochen erwartet, dass der Fotograf mit einer Hasselblad oder zumindest einer Leica anrückt. Das ist keine technische Frage, sondern eine der Wertschätzung. Die Kamera signalisiert Respekt und Professionalität. Wer mit dem iPhone erscheint, riskiert, nicht ernst genommen zu werden. Die Erfahrung zeigt: Wer Bedeutung erwartet, will sie auch im Werkzeug gespiegelt sehen.

Ganz anders der unerfahrene Porträtkunde. Für ihn ist das große Besteck oft eher einschüchternd. Das iPhone wirkt harmlos, vertraut, fast beiläufig. Die Distanz schwindet, die Anspannung löst sich. Studien und Erfahrungsberichte bestätigen, dass professionelle Ausrüstung bei Laien messbare Stressreaktionen auslöst. Das technisch unterlegene Gerät liefert oft das menschlich überzeugendere Ergebnis. Ein Paradox, das sich nicht auflösen lässt.

Fazit: Die letzte Kamera ist eine Frage der Haltung

Könnte das iPhone 17 Pro meine letzte Kamera sein? Für Festivals und spontane Porträts: ja, ohne Zögern. Für meine Automobil-Reportagen und Business-Porträts: noch nicht, aber aus Gründen, die nicht immer mit Bildqualität, sondern oft mit Status und Ritual zu tun haben. Die Systemkamera bleibt in einigen Spezialbereichen überlegen, doch das iPhone 17 Pro schließt die Lücke zunehmend. Die eigentliche Erkenntnis: Viele meiner Kameras waren nicht wirklich nötig. Sie haben oft nur ein im Rückblick marginales technisches Problem gelöst. Die nächste Kamera wird das vermutlich nicht ändern. Es ist vielleicht an der Zeit, das Beste aus dem zu machen, was uns zur Verfügung steht, und die Suche nach dem perfekten Werkzeug als das zu erkennen, was sie oft ist: ein Ablenkungsmanöver von der eigentlichen Aufgabe.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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