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Neuer OLED-Monitor, alter Datacolor Spyder: Warum sich der Griff in die Schublade lohnt

Auf dem Schreibtisch steht ein neuer OLED-Monitor, tiefschwarz, mit Farben, die aussehen, als hätte jemand heimlich die Sättigung hochgedreht. In der Schublade darunter liegt ein weißes Messgerät mit USB-Kabel, ein Spyder X aus dem Jahr 2019.

Der erste Gedanke gilt dem Wertstoffhof. Das wäre allerdings voreilig. Datacolor hat seine Kalibriergeräte in den vergangenen zwei Jahren nach einem Prinzip umgebaut, das man vom Smartphone kennt: Die Hardware bleibt, die Fähigkeiten kommen per Software.

In SpyderExpress, Spyder und SpyderPro steckt derselbe Sensor. Die drei unterscheidet allein das freigeschaltete Programm. Die Einsteigerversion misst Bildschirme bis 1.200 Nits, die mittlere bis 3.000, die Pro-Version bis 12.000. Wer im Lauf der Zeit mehr braucht, kauft eine Lizenz nach.

Dahinter steckt eine nüchterne Einsicht in das Tempo der Monitorbranche. Mini-LED im MacBook, QD-OLED auf dem Schreibtisch: Jede dieser Techniken strahlt ihr Licht mit einem eigenen Spektrum ab, und die Spitzenhelligkeiten erreichen Werte, die vor fünf Jahren nach Science-Fiction klangen.

Ein Messgerät muss wissen, welche Art Bildschirm es vor sich hat, sonst misst es präzise daneben. Dieses Wissen steckt in der Software. Mit dem Software-Update vom November 2025 kamen deshalb QD-OLED-Unterstützung, 12.000 Nits und der Export von 3D-LUTs für Videomonitore dazu.

Der nächste Schritt im aktuellen Update heißt 2Feinkalibrierung2: In einer Messreihe von Datacolor an 24 Bildschirmen sank die mittlere Farbabweichung von 1,26 auf 0,83 Delta E₀₀, also unter die Schwelle, ab der das Auge Unterschiede meist nicht mehr wahrnimmt. Am stärksten profitierten die OLED-Panels, im Schnitt um rund 41 Prozent. Was sich dabei zeigt: Die schwierigsten Panels gewinnen am meisten.

Besitzen Sie einen aktuellen SpyderPro? Dann bekommen Sie die Neuerungen kostenlos. Wer noch einen Spyder X oder X2 nutzt, kann seine Software zum Vorzugspreis auf den aktuellen Stand heben, statt neue Hardware zu kaufen. Nur für die älteren Modelle (Spyder5 und älter) gibt es aus technischen Gründen keine Updates. Wer vor dem Kauf steht, darf klein anfangen: Das Einstiegsmodell lässt sich später aufrüsten, wenn der nächste Monitor professioneller wird, also heller strahlt oder einen größeren Farbraum abdeckt.

Ein wenig erinnert das an die analoge Fotografie. Das Kameragehäuse blieb über Jahrzehnte gleich, besser wurde der Film. Beim Spyder ist der Sensor das Gehäuse und die Software der Film. Wer den Film wechselt, profitiert trotz älterer Hardware von den Neuerungen.

Was kostet ein Spyder?

Übrigens: Auch ein werkskalibrierter Monitor braucht ein Messgerät. Die Werkseinstellung gilt für einen einzigen Zweck und für den Tag der Auslieferung. Panels altern, Arbeitsplätze wechseln. Die Projekte variieren. Die großen Fotolabore wünschen sich Unterschiedliches bei den Farbvorgaben: Whitewall empfiehlt Adobe RGB bei 90 bis 100 cd/m², CEWE sRGB bei 120 bis 160 cd/m², Saal Digital einen Weißpunkt von 5.000 statt 6.500 Kelvin. Ein einziges Werksprofil trifft nicht alle drei. Kommt noch Video ins Spiel, wird es noch umfangreicher. Die Korrekturwerte zwischen einem für den Druck kalibrierten Monitor und einem für den Videoschnitt sind eklatant. Es gibt somit nicht die eine Kalibrierung. Die Kalibrierung hängt zusammengefasst ab von:

• dem Ausgabemedium: Druck, Online, Video, Projektor,… . Jedes Ausgabemedium benötigt ein eigenes Farbkorrekturprofil. (Profile können später mit dem Datacolor Profile Manager gewechselt werden.)

• der Zeit: Farbabweichungen, die durch den natürlichen Alterungsprozess der elektronischen Komponenten des Monitors entstehen.

• dem Standort: Reproduzierbare Farbdarstellung bei wechselnden Standorten und Lichtbedingungen. Wichtig für die Bildbearbeitung „on Location“.

Untertitel: Jedes Ausgabemedium benötigt sein eigenes ICC-Korrektur-Profil.
Untertitel: Jedes Ausgabemedium benötigt sein eigenes ICC-Korrektur-Profil.

Ein Sensor, drei Programme: das Spyder-Ökosystem im Detail

Seit 2024 verkauft Datacolor nur noch eine Messhardware für Bildschirme. Das Gerät hat eine große Sammellinse für hohe Lichtempfindlichkeit, einen Umgebungslichtsensor, ein Stativgewinde für die Kalibrierung von Projektoren und eine Schutzkappe, die sich am Kabel verschieben lässt und beim Messen als Gegengewicht dient. Welche Funktionen nutzbar sind, entscheidet die Softwarelizenz.

SpyderExpress Spyder SpyderPro
UVP (Datacolor) 129 € 189 € 289 €
Maximale Leuchtdichte 1.200 Nits 3.000 Nits 12.000 Nits
Displays je Arbeitsplatz bis 3 unbegrenzt unbegrenzt
Bildschirmtechniken LCD, Mini-LED, Apple M4/XDR zusätzlich OLED zusätzlich QD-OLED
Kalbrier-Modus Standard Standard Standard/ Feinkalibrierung
Einstellungen Web oder Druck (3 Schritte) Weißpunkt, Gamma, Helligkeit frei wählbar wie Spyder, plus Videostandards
Softproof nein Device Preview Device Preview Plus
Video nein nein 3D-LUT-Export (.cube), Rec.709, Rec.2020, P3-D65, P3-DCI, SMPTE-C, BT.1886
Weitere Funktionen keine Umgebungslichtmessung StudioMatch, erweiterte Analyse, Beamer, LightColor-Meter-Anbindung, Content Credentials (C2PA)

Die Kalibrierung dauert laut Hersteller bei allen drei Stufen rund 90 Sekunden im Modus „Standard“. Die Software läuft unter Windows 10 und 11 sowie unter macOS 10.14 bis macOS 27 (Golden Gate).

Warum OLED ein Kalibriergerät herausfordert

Ein Kolorimeter wie der Spyder misst Licht durch Farbfilter. Diese Filter bilden die Empfindlichkeit des menschlichen Auges nur näherungsweise nach. Solange ein Bildschirm ein breites, gutmütiges Spektrum abstrahlt, fällt diese Näherung kaum ins Gewicht. Moderne Panels tun das nicht mehr. QD-OLED erzeugt seine Grundfarben über Quantenpunkte mit sehr schmalen Spektralspitzen, WOLED-Panels mischen ein weißes Subpixel dazu, Mini-LED-Hintergrundbeleuchtungen arbeiten mit eigenen Leuchtstoffen. Damit das Messgerät für jede dieser Techniken richtig rechnet, braucht es eine passende Korrekturmatrix, die in der Software hinterlegt ist. Datacolor spricht von „Hintergrundbeleuchtungstypen“; der Spyder unterscheidet sieben davon, darunter QD-OLED.

Dazu kommen OLED-typische Eigenheiten. Die Helligkeit eines OLED-Bildschirms hängt davon ab, wie groß die helle Fläche ist, weil eine automatische Helligkeitsbegrenzung die Leistungsaufnahme deckelt. Die Graustufen nahe Schwarz verhalten sich bei vielen OLED-Panels weniger linear als bei LCDs. Kleine Farbstiche in den dunklen Grautönen sind die Folge. In neutralen Tönen fallen solche Stiche dem Auge besonders auf.

Modus Feinkalibrierung: was die Messreihe zeigt

Mit der Softwareversion 6.5 führt Datacolor einen zweiten Kalibriermodus ein. Neben der schnellen Standardkalibrierung gibt es eine gründlichere Variante namens „Feinkalibrierung“ (im Englischen „Deeper Calibration“), die ihre Korrektur mit 16 Bit Genauigkeit berechnet und sich auf die Neutralität der Graustufen konzentriert.

Für die Messreihe hat Datacolor 24 Bildschirme je einmal im Standardmodus und einmal im Feinkalibrier-Modus kalibriert und anschließend unabhängig nachgemessen. Drei Tester waren beteiligt, gemessen wurde die Farbabweichung nach Delta E 2000 (ΔE₀₀, ISO/CIE 11664-6). Das Testfeld umfasste Windows- und macOS-Systeme mit LED-LCD, IPS, Mini-LED, Apple XDR und OLED.

Die mittlere Abweichung sank von 1,26 auf 0,83 ΔE₀₀. Alle 24 Bildschirme wurden besser, die Graustufengenauigkeit stieg im Mittel um rund 30 Prozent. Nach Paneltyp aufgeschlüsselt zeigt sich ein deutliches Muster:

Paneltyp Anzahl Mittlere Verbesserung Spanne
OLED 6 40,8 % 31,9 bis 57,5 %
Mini-LED / XDR 4 36,3 % 16,9 bis 53,1 %
LED-LCD / IPS 14 26,8 % 4,9 bis 53,7 %
Alle 24 31,9 % 4,9 bis 57,5 %

Die größte und stabilste Wirkung zeigt der Modus Feinkalibrierung auf der Rot-Grün-Achse: Restliche Magenta- oder Grünstiche in den Grautönen gehen zurück. Das Auge reagiert auf dieser Achse besonders empfindlich, sie entscheidet über natürliche Hauttöne und glaubwürdiges Grün. Außerdem liegt der Weißpunkt näher am Tageslichtstandard D65, und die Blau-Gelb-Abweichungen werden kleiner. Helligkeit und Gamma bleiben auf ihren Zielwerten, die feinere Korrektur sorgt für weichere Tonwertübergänge.

Ein ΔE₀₀ unter 2 gilt als professionelle Genauigkeit, unter 1 sind Unterschiede für das Auge in der Regel unsichtbar. Der Standardmodus lag also schon auf Profi-Niveau; die Feinkalibrierung verschiebt das Ergebnis vom „kaum sichtbar“ ins „nicht sichtbar“.

Delta E Klassifizierung im Überblick

Delta E (Δ E)
Sichtbarkeit der Abweichung
Geeignet für…
< 1,0
Unsichtbar für das menschliche Auge. Höchste Präzision.
High-End-Bildbearbeitung, Pre-Press, Softproof
1,0 – 2,0
Minimal sichtbar, meist nur im direkten Vergleich für Experten erkennbar.
Professionelle Fotografie, Grafikdesign, Videoschnitt
2,0 – 3,0
Leicht sichtbar für geschulte Augen (z. B. im direkten Nebeneinander).
Ambitionierte Hobby-Bildbearbeitung, Webdesign
3,0 – 5,0
Deutlich sichtbar auch für Laien. Für farbkritische Arbeiten ungeeignet.
Standard-Büroarbeiten, Gaming, Alltagsnutzung
> 5,0
Starke Farbabweichung. Farben wirken sichtlich falsch.
Keine Qualitätsansprüche an Farben

Warum reagiert der Mensch auf Abweichungen auf der Rot-Grün-Achse so empfindlich?

Hardware- oder Softwarekalibrierung?

Monitore wie die von Eizo oder BenQ bieten eine Hardwarekalibrierung an. Dabei landet die Korrektur in einer Tabelle im Monitor selbst, die mit 12 bis 16 Bit arbeitet. Bei der Softwarekalibrierung korrigiert die Grafikkarte das Signal, meist mit 8 Bit pro Kanal. Auf dem Papier ist die Hardwarelösung überlegen. In der Praxis hat sie zwei Schwächen: Sie funktioniert nur mit dem Monitor eines bestimmten Herstellers, und ein im Gehäuse eingebauter Klappsensor misst nur an einer Stelle. Die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung über die ganze Fläche lässt sich damit nicht prüfen. Ein externer Sensor kalibriert dagegen Laptop, Zweitmonitor und Beamer mit demselben Gerät und misst auf Wunsch an beliebigen Stellen.

Der Vorteil eines externen Monitorkalibrier-Sensors kommt bei der sogenannten „Screen Uniformity“ zum tragen. Die Software des SpydersPro besitzt erweiterte Kalibrierfunktionen (Display Analysis). Mit ihnen kann man u.a. die Homogenität eines Monitors messen. Dazu muss der SpyderPro an unterschiedlichen Stellen auf dem Display positioniert werden. Das ist mit einem fest installierten Sensor nicht möglich.
Der Vorteil eines externen Monitorkalibrier-Sensors kommt bei der sogenannten „Screen Uniformity“ zum tragen. Die Software des SpydersPro besitzt erweiterte Kalibrierfunktionen (Display Analysis). Mit ihnen kann man u.a. die Homogenität eines Monitors messen. Dazu muss der SpyderPro an unterschiedlichen Stellen auf dem Display positioniert werden. Das ist mit einem fest installierten Sensor nicht möglich.

Video: 3D-LUT-Export für Feldmonitore und OLED-Fernseher

Normalerweise kalibriert eine Software nur Bildschirme, die am Rechner angeschlossen sind. Der SpyderPro exportiert das Ergebnis zusätzlich als 3D-LUT im .cube-Format. Damit lassen sich Geräte kalibrieren, die im Einsatz ohne Computer auskommen müssen.

Einen Kameramonitor wie den Atomos Ninja oder Shinobi verbindet man per HDMI oder USB mit dem Laptop und kalibriert ihn dort. Die LUT kommt auf eine Speicherkarte, im Menü des Monitors lässt sie sich dann aktivieren. Datacolor nennt den SpyderPro den ersten Sensor seiner Preisklasse, der das kann.

Viele Filmemacher und Coloristen nutzen große LG-OLED-Fernseher als Ersatz für Referenzmonitore, die 10.000 Euro und mehr kosten. Die LUT landet dann in einem SDI/HDMI-Wandler wie dem Blackmagic Micro Converter SDI to HDMI 12G, der das Signal auf dem Weg zum Fernseher korrigiert. SDI kommt ins Spiel, weil HDMI-Kabel auf längeren Strecken an Signalqualität verlieren.

Weitere Werkzeuge im SpyderPro

Softproof 2.0. Mit der DevicePreview Plus Applikation der SpyderPro-Software kann schnell und unkompliziert ein Softproof durchgeführt werden egal ob für Printer, die Simulation anderen Farbräume oder sogar für Smartphones und Tables. Stimmt z.B. ein Profil, so kann diesen im Batch-Modus auf eine ganze Bild-Serie übertragen und exportiert werden.
Softproof 2.0. Mit der DevicePreview Plus Applikation der SpyderPro-Software kann schnell und unkompliziert ein Softproof durchgeführt werden egal ob für Printer, die Simulation anderen Farbräume oder sogar für Smartphones und Tables. Stimmt z.B. ein Profil, so kann diesen im Batch-Modus auf eine ganze Bild-Serie übertragen und exportiert werden.
  • Device Preview Plus simuliert, wie ein Bild auf Smartphones, Tablets oder im Druck aussieht. Original und Simulation stehen nebeneinander, mit Zoom, Pixelpipette, Farbraumwarnung, Rendering-Intents und Stapelverarbeitung für RAW, TIFF, JPEG und PNG.
  • Content Credentials schreiben nach dem C2PA-Standard digital signierte Herkunftsdaten in Bilddateien, darunter Kalibrier- und Profilinformationen und optional Name oder Firma. Laut Datacolor sind bis zu 1.000 Signaturen pro Monat enthalten.
  • Die LightColor-Meter-Anbindung übernimmt die Raumlichtmessung des separaten Datacolor LightColor Meter (UVP 349 €), mittelt mehrere Messungen und schlägt passende Helligkeitswerte vor.
  • StudioMatch gleicht mehrere Bildschirme aneinander an.
Eine Besonderheit der SpyderPro-Software ist seine StudioMatch-Applikation. Mit ihr können zwei Monitore kalibriert und danach genau aufeinander abgestimmt werden.
Eine Besonderheit der SpyderPro-Software ist seine StudioMatch-Applikation. Mit ihr können zwei Monitore kalibriert und danach genau aufeinander abgestimmt werden.

Warum Kalibrieren sich rechnet: Zahlen aus der Praxis

Eine Umfrage von Datacolor unter 342 ambitionierten Fotografen in Großbritannien (März 2022) zeigt, wo der Schuh drückt. 77 Prozent sorgten sich, Geld für missratene Drucke auszugeben. Nur 27 Prozent derjenigen, die selbst drucken, waren mit ihren Ergebnissen rundum zufrieden; 40 Prozent bemängelten die Farbwiedergabe. Zwei Drittel hatten vor dem Druck noch nie einen Softproof genutzt.

Die Umfrage beschreibt ein vertrautes Muster. Das typische Fehlerbild entsteht so: Ein Monitor mit leichtem Grünstich zeigt ein neutrales Bild grünlich. Wer es am Bildschirm neutralisiert, fügt Magenta hinzu und speichert diese Korrektur in der Datei. Der Ausdruck wird magentastichig. Dasselbe passiert mit der Helligkeit: Auf einem zu hellen Monitor bearbeitete Bilder kommen zu dunkel und mit zugelaufenen Schatten aus dem Drucker.


Häufige Fragen – Farbkalibrierung mit dem Datacolor Spyder



Kann ich meinen alten Spyder X oder Spyder X2 für einen OLED-Monitor weiterverwenden?

Ja, mit einem Software-Upgrade. Spyder X und Spyder X2 lassen sich auf die aktuelle Spyder- oder SpyderPro-Software aufrüsten, der Sensor bleibt dabei im Einsatz. Erst mit dieser Software werden aktuelle Bildschirmtechniken wie OLED, QD-OLED, Mini-LED und Apple Liquid Retina XDR unterstützt. Das Upgrade kostet Geld, ist aber günstiger als ein neues Gerät. Für den Spyder5 und ältere Modelle ist ein Hardwaretausch nötig.


Ist das Spyder-Software-Update kostenlos?

Für Besitzer eines aktuellen SpyderPro ist das Update kostenlos. Besitzer von SpyderExpress, Spyder (2024), Spyder X und Spyder X2 zahlen für den Wechsel auf eine höhere Softwarestufe, bei älteren X-Modellen zu einem reduzierten Upgrade-Preis. Die aktuellen Preise zeigt die Upgrade-Seite von Datacolor nach Eingabe des Lizenzcodes.


Was ist der Unterschied zwischen SpyderExpress, Spyder und SpyderPro?

Alle drei nutzen denselben Messsensor, sie unterscheiden sich nur in der Software. SpyderExpress (UVP 129 Euro) kalibriert bis 1.200 Nits in drei Schritten für Web oder Druck. Spyder (UVP 189 Euro) misst bis 3.000 Nits, erlaubt freie Einstellung von Weißpunkt, Gamma und Helligkeit und bietet einen Softproof. SpyderPro (UVP 289 Euro) misst bis 12.000 Nits und ergänzt Videostandards, 3D-LUT-Export, StudioMatch und Content Credentials.


Welcher Spyder eignet sich für OLED- und QD-OLED-Monitore?

Für OLED-Monitore nennt Datacolor ab dem Modell Spyder Unterstützung, für QD-OLED ausdrücklich den SpyderPro. Der SpyderExpress ist für LCD- und Mini-LED-Bildschirme einschließlich der MacBooks mit M4-Chip gedacht. Wer einen QD-OLED-Monitor oder einen sehr hellen HDR-Bildschirm nutzt, sollte deshalb zum SpyderPro greifen oder die Software später auf diese Stufe aufrüsten.


Warum ist die Kalibrierung von OLED-Monitoren schwieriger als bei LCDs?

OLED-Panels strahlen ein anderes Lichtspektrum ab als LCDs, QD-OLED sogar mit sehr schmalen Spektralspitzen. Ein Kolorimeter braucht für jede Bildschirmtechnik eine eigene Korrektur, sonst misst es ungenau. Außerdem hängt die Helligkeit eines OLED-Bildschirms von der Größe der hellen Fläche ab, und die dunklen Graustufen verlaufen oft weniger gleichmäßig. In neutralen Grautönen fallen kleine Farbstiche besonders auf.


Was ist Deeper Calibration bei Datacolor Spyder?

Deeper Calibration ist eine Feinkalibrierung, also ein gründlicherer Kalibriermodus, den Datacolor mit der Spyder-Software 6.5 einführt. Er berechnet die Korrektur mit 16 Bit und zielt vor allem auf neutrale Grau- und Weißtöne. In einer Messreihe des Herstellers an 24 Bildschirmen sank die mittlere Farbabweichung gegenüber dem Standardmodus von 1,26 auf 0,83 Delta E 2000. Alle getesteten Bildschirme wurden besser, OLED-Panels im Mittel um rund 41 Prozent.


Was bedeutet der Delta-E-Wert bei der Monitorkalibrierung?

Delta E 2000 (ΔE₀₀) misst, wie stark eine dargestellte Farbe vom Sollwert abweicht, gewichtet nach der menschlichen Wahrnehmung (Norm ISO/CIE 11664-6). Werte unter 1 sind für das Auge in der Regel nicht sichtbar. Werte zwischen 1 und 2 gelten als professionelle Genauigkeit für Foto- und Videobearbeitung. Ab etwa 3 werden Abweichungen auch ohne direkten Vergleich erkennbar.


Brauche ich ein Kalibriergerät, wenn mein Monitor werkskalibriert ist?

Für farbverbindliches Arbeiten ja. Eine Werkskalibrierung gilt für eine einzige Einstellung und für den Zustand bei Auslieferung. Monitore altern, das Umgebungslicht wechselt, und jedes Ausgabemedium verlangt eigene Werte. Whitewall empfiehlt etwa Adobe RGB bei 90 bis 100 cd/m², CEWE sRGB bei 120 bis 160 cd/m² und Saal Digital einen Weißpunkt von 5.000 Kelvin. Ein Kalibriergerät legt für jeden Zweck ein eigenes Profil an.


Was ist der Unterschied zwischen Hardware- und Softwarekalibrierung?

Bei der Hardwarekalibrierung wird die Korrektur mit 12 bis 16 Bit direkt im Monitor gespeichert. Bei der Softwarekalibrierung korrigiert die Grafikkarte das Signal, meist mit 8 Bit. Hardwarekalibrierung ist technisch feiner, funktioniert aber nur mit Monitoren und Software eines bestimmten Herstellers. Ein externer Sensor wie der Spyder kalibriert dagegen Monitore, Laptops und Beamer verschiedener Marken und kann die Ausleuchtung über die ganze Fläche prüfen.


Kann der SpyderPro Kameramonitore und Fernseher kalibrieren?

Ja, über den 3D-LUT-Export. Der SpyderPro kalibriert den Bildschirm, während er per HDMI oder USB am Rechner hängt, und speichert das Ergebnis als .cube-Datei. Diese Datei lässt sich in Kameramonitore wie Atomos Ninja oder Shinobi laden oder in einen SDI/HDMI-Wandler wie den Blackmagic Micro Converter. So können auch OLED-Fernseher als günstige Referenzmonitore im Videoschnitt dienen.


Wie hell darf ein Monitor sein, damit der Spyder ihn noch messen kann?

Das hängt von der Softwarestufe ab, nicht von der Hardware. SpyderExpress misst Bildschirme bis 1.200 Nits, Spyder bis 3.000 Nits und SpyderPro bis 12.000 Nits. Damit deckt der SpyderPro auch sehr helle HDR-Bildschirme und Mini-LED-Displays ab. Wer später einen helleren Monitor kauft, kann die Software aufrüsten, statt einen neuen Sensor anzuschaffen.


Wie schneidet der Spyder im Vergleich zu Calibrite ab?

Laut Datacolor ist jede Spyder-Stufe günstiger oder besser ausgestattet als das Calibrite-Gegenstück: SpyderPro (289 Euro) misst bis 12.000 Nits und exportiert 3D-LUTs, das Calibrite Display Plus HL (339 Euro) misst bis 10.000 Nits. Calibrite unterstützt nach eigenen Angaben ebenfalls OLED und QD-OLED.


Wie lange dauert eine Monitorkalibrierung mit dem Spyder?

Nach Angabe von Datacolor dauert eine Standardkalibrierung mit SpyderExpress, Spyder oder SpyderPro rund 90 Sekunden. Der Vorgänger Spyder X brauchte knapp zwei Minuten. Für den gründlicheren Modus Deeper Calibration hat Datacolor bislang keine Zeitangabe veröffentlicht.


Welche Betriebssysteme unterstützt die Spyder-Software?

Die aktuelle Spyder-Software läuft unter Windows 10 und Windows 11 sowie unter macOS von Version 10.14 bis macOS 27 Golden Gate. Sie benötigt eine Bildschirmauflösung von mindestens 1280 × 768 Pixeln und rund 500 MB Speicherplatz. Für die Aktivierung der Lizenz ist eine Internetverbindung nötig.

Was sind Content Credentials im SpyderPro?

Content Credentials sind digital signierte Herkunftsdaten nach dem Industriestandard C2PA, den unter anderem Adobe, Google, Microsoft, Leica, Canon und Nikon tragen. Der SpyderPro schreibt sie per Stapelverarbeitung in Bilddateien. Enthalten sind Kalibrier- und Profildaten sowie optional Name oder Firma. So lässt sich später nachweisen, woher ein Bild stammt und mit welchem Monitorprofil es bearbeitet wurde.

Christoph Künne

Christoph Künne, von Haus aus Kulturwissenschaftler, forscht seit 1991 unabhängig zur Theorie und Praxis der Post-Photography. Er gründete 2002 das Kreativ-Magazin DOCMA zusammen mit Doc Baumann und hat neben unzähligen Artikeln in europäischen Fachmagazinen rund um die Themen Bildbearbeitung, Fotografie und Generative KI über 20 Bücher veröffentlicht.

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